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Verteidigungshaushalt eines Landes

Verteidigungsetat

Verteidigungsetat
2025 Verteidigungsetat nach Land in Milliarden US-Dollar. (PPP = GDP-purchasing power parity)
2025 Verteidigungsetat nach Land in Milliarden US-Dollar. (PPP = GDP-purchasing power parity)

Der Verteidigungshaushalt, auch Verteidigungsbudget oder Verteidigungsetat (auch mit dem Präfix „Wehr-“ oder „Militär-“) genannt, umfasst alle Investitionen und Geldausgaben, die ein Staat über einen eingegrenzten Zeitraum hinweg für strategische Aktivposten tätigt. Erweiterte Definitionen erstrecken sich, neben den Verteidigungshaushalten der souveränen Staaten, auf die Militärausgaben derjenigen wenigen nichtstaatlichen politischen Akteure mit einem konstanten Zugriff auf finanzielle Ressourcen, die ihnen einen flexiblen Gewalteinsatz zu politischen Zwecken erlauben. Dazu zählen vor allem paramilitärische Vereinigungen.

Beschreibung

Ein Verteidigungsetat wird meist im jährlichen Turnus veranschlagt, auch wenn viele Investitionen für einen wesentlich längeren Zeitraum vorgesehen sind. Ein in regelmäßigen Abständen veranschlagter Verteidigungshaushalt ging, historisch betrachtet, aus dem Übergang von zweckgebunden ausgehobenen oder angeworbenen Streitkräften (beispielsweise Bauernheere respektive Landsknechte) zu stehenden Heeren einher.

Die Konfliktforschung befasst sich mit Verteidigungsausgaben als einem Faktor, der gewalttätige politische Konflikte begünstigen kann, während die Internationalen Beziehungen in einem komparativen Rahmen untersuchen, unter welchen Umständen getätigte Verteidigungsausgaben das Sicherheitsdilemma auslösen, beispielsweise im Rahmen eines Rüstungswettlaufes.

Über den seit Jahrzehnten größten Verteidigungshaushalt in einer Größenordnung von mehreren hundert Milliarden US-Dollar pro Jahr verfügen die Vereinigten Staaten. Die internationale Vergleichbarkeit und Aussagekraft der aufgeführten Zahlen wird unter anderem durch die mangelnde Berücksichtigung der je nach Land unterschiedlich hohen Einstandspreise beeinträchtigt, die im Militärbereich nur unzureichend untersucht sind. Schätzungen auf Basis von Kaufkraftparität sind insbesondere bei Entwicklungs- und Schwellenländern in vielen Fällen um ein Vielfaches höher als hier genannt, wodurch sich die tatsächlichen Verhältnisse der Ausgaben verschieben.

Definitionsansätze

Das Stockholmer Institut für Friedensforschung (SIPRI), ein in den Internationalen Beziehungen anerkanntes Forschungsinstitut, definiert die Finanzierung folgender strategischer Kapazitäten als Verteidigungshaushalt:

Typischerweise umfasst ein Verteidigungshaushalt folgende Aktivposten:

Mangels unmittelbaren Bezuges zum militärischen Zweck eines Verteidigungshaushaltes schließt das SIPRI folgende Posten von seinen Berechnungen aus:

Die volkswirtschaftlichen Kosten bzw. Einsparungen im Verteidigungsetat dadurch, dass der Sold von Wehrpflichtigen generell niedriger liegt als das Gehalt, das denselben Personen bzw. den Berufssoldaten bei freiwilliger Beschäftigung in den Streitkräften gezahlt werden müsste, bzw. als das Einkommen, dass den Wehrpflichtigen durch die Zeit des Wehrdienstes in anderen Berufen entgeht, wird grundsätzlich nicht im Verteidigungsetat bilanziert. Vergleiche der Finanzausstattung von Freiwilligenarmeen und Armeen mit Wehrpflichtigen sind dadurch nur begrenzt aussagekräftig.

Weltweite Entwicklung

Inflationsbereinigte Militärausgaben der Welt von 1950 bis 2022
Inflationsbereinigte Militärausgaben der Welt von 1950 bis 2022

Das Stockholmer Friedensforschungsinstitut beziffert die weltweiten Verteidigungsausgaben auf 1,531 Billionen US-Dollar für das Jahr 2009, was einen Realanstieg von 6 % gegenüber dem Vorjahr und von 49 % gegenüber dem Jahr 2000 bedeute. Dies entspreche einem Anteil am Weltbruttoinlandsprodukt von 2,7 % und einem Pro-Kopf-Aufwand von 224 US-Dollar. Das größte Wachstum in diesem Bereich verzeichne Osteuropa mit einem Anstieg von 108 Prozent innerhalb von zehn Jahren.

Russland weist geheime oder «geschlossene» Posten bei den Haushaltsausgaben auf, welche sich auf insgesamt 4,6 % des BIP belaufen. „Es ist wahrscheinlich, dass hier nicht Ausgaben für Bildung oder Gesundheit verschleiert werden sollen, sondern weitere Aufwendungen für militärische Zwecke und Geheimdienstoperationen.“ meinte die NZZ im Jahr 2015.

2024 beliefen sich die weltweiten Verteidigungsausgaben auf 2,718 Billionen US $ (Zahlenformat gemäß langer Skala, SIPRI verwendet die in den USA übliche kurze Skala, also 2718 Billionen; ausgeschrieben 2.718.000.000.000), das entspricht 2,5 % des Welt-BIP und 334 $ pro Kopf, ein Anstieg um 9,4 % gegenüber dem Vorjahr, der größte jährliche Anstieg seit mindestens 1988, und um 37 % gegenüber 2015. Grund für den starken Anstieg ist vor allem der Krieg in der Ukraine sowie die zunehmenden Spannungen in Asien, Ozeanien und im Nahen Osten.

2008

Laut SIPRI brachten die Vereinigten Staaten von den weltweiten Verteidigungsausgaben im Jahr 2008 43 % auf, gefolgt von der Volksrepublik China mit 6,6 %, Frankreich mit 4,2 % und dem Vereinigten Königreich mit 3,8 %.

Die untere Tabelle gibt die Schätzung des Stockholmer Friedensforschungsinstituts über den Verteidigungsetat 2008 der 15 Staaten mit den größten Verteidigungsetats der Welt wieder.

Rang Land Ausgaben
(Mrd. USD)
Anteil an den
weltweiten
Ausgaben
Pro-Kopf-
Ausgaben
(in USD)
Anteil
am BIP
(2007)
Veränderung
ggü. 1999
(%)
1  Vereinigte Staaten 607,0 41,5 1.967 4,0 66,5
2  Volksrepublik China (84,9) (5,8) (63) (2,0) 194
3  Frankreich 65,7 4,5 1.061 2,3 3,5
4  Vereinigtes Königreich 65,3 4,5 1.070 2,4 20,7
5 Russland (58,6) (4,0) (413) (3,5) 173
6  Deutschland 46,8 3,2 568 1,3 −11,0
7  Japan 46,3 3,2 361 0,9 −1,7
8  Italien 40,6 2,8 689 1,8 0,4
9  Saudi-Arabien 38,2 2,6 1.511 9,3 81,5
10  Indien 30,0 2,1 25 2,5 44,1
11  Südkorea 24,2 1,7 501 2,7 51,5
12  Brasilien 23,3 1,6 120 1,5 29,9
13  Kanada 19,3 1,3 581 1,2 37,4
14  Spanien 19,2 1,3 430 1,2 37,7
15  Australien 18,4 1,3 876 1,9 38,6

Anmerkung:

2011

Daten nach Angaben von SIPRI

Platz Land Ausgaben 2011
(in Milliarden US-Dollar)
1  Vereinigte Staaten 711,4
2  Volksrepublik China 142,9
3 Russland 71,9
4  Vereinigtes Königreich 62,7
5  Frankreich 62,5
6  Japan 59,3
7  Indien 48,9
8  Saudi-Arabien 48,5
9  Deutschland 46,7
10  Brasilien 35,4
11  Italien 34,5
12  Südkorea 30,8
13  Australien 26,7
14  Kanada 24,7
15  Türkei 17,9
16  Israel 16,4
17  Spanien 15,2
18  Niederlande 11,8
19  Kolumbien 11,0
20  Taiwan 9,7

2013

Daten nach Angaben von SIPRI
Rang Land Ausgaben Anteil am BIP Entwicklung 2004–13†
1  Vereinigte Staaten 640,0 Mrd. US-Dollar 3,8 %  ▲12 %
2  Volksrepublik China 188,0 Mrd. US-Dollar 2,0 %  ▲170 %
3 Russland 87,8 Mrd. US-Dollar 4,1 %  ▲108 %
4  Saudi-Arabien 67,0 Mrd. US-Dollar 9,3 %  ▲118 %
5  Frankreich 61,2 Mrd. US-Dollar 2,2 %  ▼6,4 %
6  Vereinigtes Königreich 57,9 Mrd. US-Dollar 2,3 %  ▼2,5 %
7  Deutschland 48,8 Mrd. US-Dollar 1,4 %  ▲3,8 %
8  Japan 48,6 Mrd. US-Dollar 1,0 %  ▼0,2 %
9  Indien 47,4 Mrd. US-Dollar 2,5 %  ▲45 %
10  Südkorea 33,9 Mrd. US-Dollar 2,8 %  ▲42 %
11  Italien 32,7 Mrd. US-Dollar 1,6 %  ▼26 %
12  Brasilien 31,5 Mrd. US-Dollar 1,4 %  ▲48 %
13  Australien 24,0 Mrd. US-Dollar 1,6 %  ▲19 %
14  Türkei 19,1 Mrd. US-Dollar 2,3 %  ▲13 %
15  Vereinigte Arabische Emirate 19,0 Mrd. US-Dollar 4,7 %  ▲85 %

Kursive Daten sind Schätzungen. Daten der V.A.E. betreffen das Jahr 2012.†in konstanten Preisen von 2012

2016

Daten nach Angaben von SIPRI

Rang Land Ausgaben Anteil am BIP
1  Vereinigte Staaten 611,2 Mrd. US-Dollar 3,3 %
2  Volksrepublik China 215,7 Mrd. US-Dollar 1,9 %
3 Russland 69,2 Mrd. US-Dollar 5,3 %
4  Saudi-Arabien 63,7 Mrd. US-Dollar 10,0 %
5  Indien 55,9 Mrd. US-Dollar 2,5 %
6  Frankreich 55,7 Mrd. US-Dollar 2,3 %
7  Vereinigtes Königreich 48,3 Mrd. US-Dollar 1,9 %
8  Japan 46,1 Mrd. US-Dollar 1,0 %
9  Deutschland 41,1 Mrd. US-Dollar 1,2 %
10  Südkorea 36,8 Mrd. US-Dollar 2,7 %
11  Italien 27,9 Mrd. US-Dollar 1,5 %
12  Australien 24,3 Mrd. US-Dollar 2,0 %
13  Brasilien 22,8 Mrd. US-Dollar 1,3 %
14  Vereinigte Arabische Emirate 22,8 Mrd. US-Dollar 5,7 %
15  Israel 17,8 Mrd. US-Dollar 5,8 %
16  Kanada 17,8 Mrd. US-Dollar 1,0 %
17  Spanien 14,9 Mrd. US-Dollar 1,2 %
18  Türkei 14,9 Mrd. US-Dollar 2,0 %
19  Iran 12,3 Mrd. US-Dollar 3,0 %
20  Algerien 10,6 Mrd. US-Dollar 6,7 %

2018

Daten nach Angaben von SIPRI

Rang Land Ausgaben Anteil am BIP
1  Vereinigte Staaten 649,0 Mrd. US-Dollar 3,2 %
2  Volksrepublik China 250,0 Mrd. US-Dollar 1,9 %
3  Saudi-Arabien 67,6 Mrd. US-Dollar 8,8 %
4  Indien 66,5 Mrd. US-Dollar 2,4 %
5  Frankreich 63,8 Mrd. US-Dollar 2,3 %
6 Russland 61,4 Mrd. US-Dollar 3,9 %
7  Vereinigtes Königreich 50,0 Mrd. US-Dollar 1,8 %
8  Deutschland 49,5 Mrd. US-Dollar 1,2 %
9  Japan 46,6 Mrd. US-Dollar 0,9 %
10  Südkorea 43,1 Mrd. US-Dollar 2,6 %
11  Italien 27,8 Mrd. US-Dollar 1,3 %
12  Brasilien 27,8 Mrd. US-Dollar 1,5 %
13  Australien 26,7 Mrd. US-Dollar 1,9 %
14  Kanada 21,6 Mrd. US-Dollar 1,3 %
15  Türkei 19,0 Mrd. US-Dollar 2,5 %
16  Spanien 18,2 Mrd. US-Dollar 1,3 %
17  Israel 15,9 Mrd. US-Dollar 4,3 %
18  Iran 13,2 Mrd. US-Dollar 2,7 %
19  Polen 11,6 Mrd. US-Dollar 2,0 %
20  Pakistan 11,4 Mrd. US-Dollar 4,0 %

Kursive Daten sind Schätzungen.

2022

Daten nach Angaben von SIPRI

Rang Land Ausgaben Anteil am BIP
1  Vereinigte Staaten 877,0 Mrd. US-Dollar 3,5 %
2  Volksrepublik China 292,0 Mrd. US-Dollar 1,6 %
3 Russland 86,4 Mrd. US-Dollar 4,1 %
4  Indien 81,4 Mrd. US-Dollar 2,4 %
5  Saudi-Arabien 75,0 Mrd. US-Dollar 7,4 %
6  Vereinigtes Königreich 68,5 Mrd. US-Dollar 2,2 %
7  Deutschland 55,8 Mrd. US-Dollar 1,4 %
8  Frankreich 53,6 Mrd. US-Dollar 1,9 %
9  Südkorea 46,4 Mrd. US-Dollar 2,7 %
10  Japan 46,0 Mrd. US-Dollar 1,1 %
11 Ukraine 44,0 Mrd. US-Dollar 34,0 %
12  Italien 33,5 Mrd. US-Dollar 1,7 %
13  Australien 32,3 Mrd. US-Dollar 1,9 %
14  Kanada 26,9 Mrd. US-Dollar 1,2 %
15  Israel 23,4 Mrd. US-Dollar 4,5 %
16  Spanien 20,3 Mrd. US-Dollar 1,5 %
17  Brasilien 20,2 Mrd. US-Dollar 1,1 %
18  Polen 16,6 Mrd. US-Dollar 2,4 %
19  Niederlande 15,6 Mrd. US-Dollar 1,6 %
20  Katar 15,4 Mrd. US-Dollar 7,0 %

Kursive Daten sind Schätzungen.

2024

Daten nach Angaben von SIPRI

Rang Land Ausgaben

in Mrd. US-$

Anteil am BIP

in %

Anteil an der Welt

in %

1  Vereinigte Staaten 997,0 3,4 37,0
2  Volksrepublik China 314,0 1,7 12,0
3 Russland 149,0 7,1 5,5
4  Deutschland 88,5 1,9 3,3
5  Indien 86,1 2,3 3,2
6  Vereinigtes Königreich 81,8 2,3 3,0
7  Saudi-Arabien 80,3 7,3 3,0
8 Ukraine 64,7 34,0 2,4
9  Frankreich 64,7 2,1 2,4
10  Japan 55,3 1,4 2,0
11  Südkorea 47,6 2,6 1,8
12  Israel 46,5 8,8 1,7
13  Polen 38,0 4,2 1,4
14  Italien 38,0 1,6 1,4
15  Australien 33,8 1,9 1,2
16  Kanada 29,3 1,3 1,1
17  Türkei 25,0 1,9 1,0
18  Spanien 24,6 1,4 0,9
19  Niederlande 23,2 1,9 0,7
20  Algerien 21,8 8,0 0,7

Kursive Daten sind Schätzungen.

Deutschland

Anteil der Militärausgaben Deutschlands am Bruttoinlandsprodukt
Jahr Prozent
1953
  
3,97 %
1954
  
3,74 %
1955
  
3,84 %
1956
  
3,41 %
1957
  
3,90 %
1958
  
2,79 %
1959
  
4,17 %
1960
  
3,77 %
1961
  
3,74 %
1962
  
4,50 %
1963
  
4,90 %
1964
  
4,38 %
1965
  
4,09 %
1966
  
3,91 %
1967
  
4,08 %
1968
  
3,41 %
1969
  
3,40 %
1970
  
3,01 %
1971
  
3,06 %
1972
  
3,17 %
1973
  
3,16 %
1974
  
3,26 %
1975
  
3,28 %
1976
  
3,14 %
1977
  
3,04 %
1978
  
3,05 %
1979
  
2,96 %
1980
  
2,96 %
1981
  
3,04 %
1982
  
3,03 %
1983
  
3,03 %
1984
  
2,93 %
1985
  
2,87 %
1986
  
2,79 %
1987
  
2,77 %
1988
  
2,64 %
1989
  
2,53 %
1990
  
2,52 %
1991
  
2,00 %
1992
  
1,86 %
1993
  
1,69 %
1994
  
1,55 %
1995
  
1,50 %
1996
  
1,47 %
1997
  
1,41 %
1998
  
1,39 %
1999
  
1,40 %
2000
  
1,36 %
2001
  
1,32 %
2002
  
1,33 %
2003
  
1,32 %
2004
  
1,27 %
2005
  
1,07 %
2006
  
1,20 %
2007
  
1,17 %
2008
  
1,21 %
2009
  
1,31 %
2010
  
1,27 %
2011
  
1,21 %
2012
  
1,24 %
2013
  
1,19 %
2014
  
1,15 %
2015
  
1,14 %
2016
  
1,15 %
2017
  
1,15 %
2018
  
1,17 %
2019
  
1,26 %
2020
  
1,37 %
2021
  
1,32 %
2022
  
1,38 %
2023
  
1,52 %
2024
  
1,89 %
2025
  
2,27 %
Datenquelle: SIPRI

Kalter Krieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Deutschland in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Es hatte keine Streitkräfte und damit auch keinen Verteidigungshaushalt. Der Aufbau von Streitkräften erfolgte in der DDR zunächst nominell in Form von Polizeikräften (ab 1948, „Bereitschaften der Volkspolizei“, ab 1952: Kasernierte Volkspolizei). In der Bundesrepublik entstand 1950 das Amt Blank zur Vorbereitung der Wiederbewaffnung. Die Kosten dieser Organisationen wurden nicht als Verteidigungshaushalt ausgewiesen. Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR wurde 1956 gegründet. Die Bundeswehr wurde 1955 gegründet und die Bundesrepublik wurde am 6. Mai 1955 Mitglied der NATO. Bedingt durch die Umstände des Kalten Krieges stiegen die Verteidigungsetats beider deutscher Staaten Ende der 1950er Jahre stark an. 1960 umfasste der Verteidigungsetat der Bundesrepublik Deutschland 7,45 Milliarden DM und der Anteil am Bundeshaushalt betrug 24,6 Prozent.

Seit dem Mauerbau 1961 stabilisierten sich die Rüstungsausgaben im Westen. Die Rüstungsausgaben in der DDR stiegen jedoch weiter an. 1968 wurde der Verteidigungsetat um 60 % erhöht. Die offizielle Entspannungspolitik der 1970er-Jahre hinterließ im Verteidigungsetat keine Spuren. Die größten Steigerungsraten des Verteidigungshaushaltes fallen in diese Zeit. Erst mit dem Antritt der Regierung Helmut Kohl (1982) sanken die prozentualen Steigerungsraten im Haushalt des Verteidigungsministeriums wieder. 1990 (in diesem Jahr traten die fünf neuen Bundesländer der Bundesrepublik bei) betrug der Verteidigungsetat einschließlich des NVA-Haushaltes für das 2. Halbjahr rund 57,54 Milliarden DM; dies waren 15,1 Prozent des Bundeshaushaltes.

Friedensdividende bis 1999

Nach der Wende kürzte die damalige Regierung unter Bundeskanzler Helmut Kohl den Verteidigungsetat massiv. Wegen des Wegfalls der Bedrohung durch den Warschauer Pakt konnte die NVA in die Bundeswehr integriert und der Personalbestand der Bundeswehr massiv reduziert werden. Man nannte und nennt dies „Friedensdividende“. In den Jahren bis 1997 kam es jährlich zu deutlichen Kürzungen. Auch in den Folgejahren (1998 bis 2005 regierte eine rot-grüne Koalition unter Gerhard Schröder) sank der Verteidigungshaushalt inflationsbereinigt nahezu jedes Jahr.

1999

Der Verteidigungshaushalt 1999 betrug 47,52 Milliarden DM (24,30 Milliarden Euro), davon entfielen:

  • 50,24 Prozent bzw. 23,84 Milliarden DM (12,19 Milliarden Euro) auf die Personalausgaben
  • 15,61 Prozent bzw. 7,42 Milliarden DM (3,79 Milliarden Euro) auf die militärischen Beschaffungen
  • 15,19 Prozent bzw. 7,22 Milliarden DM (3,69 Milliarden Euro) auf die sonstigen Betriebsausgaben
  • 8,79 Prozent bzw. 4,18 Milliarden DM (2,14 Milliarden Euro) auf Materialerhaltung und -betrieb
  • 5,30 Prozent bzw. 2,52 Milliarden DM (1,29 Milliarden Euro) auf Forschung, Entwicklung und Erprobung
  • 3,94 Prozent bzw. 1,87 Milliarden DM (0,96 Milliarden Euro) auf die militärischen Anlagen
  • 0,93 Prozent bzw. 0,44 Milliarden DM (0,23 Milliarden Euro) auf sonstige Investitionen.

Das entsprach einem Anteil von 74,22 Prozent bzw. 35,27 Milliarden DM (18,03 Milliarden Euro) für die Betriebskosten und 25,78 Prozent bzw. 12,25 Milliarden DM (6,26 Milliarden Euro) für verteidigungsinvestive Ausgaben (Entwicklung und Beschaffung neuer Ausrüstung).

Aufrüstung ab 2022

Der Haushalt umfasste 2019 43,23 Milliarden Euro, 2020 45,65 Milliarden Euro und 2021 46,93 Milliarden Euro. Für 2027 sieht der Bundeshaushaltsplan einen Verteidigungsetat von 109,75 Milliarden Euro vor. Hinzu kommen rund 30 Milliarden Euro aus dem auslaufenden Sondervermögen.

Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine wurde mit dem Bundeswehrfinanzierungs- und sondervermögensgesetz ein Sondervermögen des Bundes mit der Bezeichnung „Sondervermögen Bundeswehr“ errichtet. Mit diesem werden im mehrjährigen Durchschnitt von maximal fünf Jahren zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf Basis der aktuellen Regierungsprognose für Verteidigungsausgaben nach NATO-Kriterien bereitgestellt (§ 1 Abs. 2 des Gesetzes). Diese Kreditermächtigung entspricht einem Neukredit im Maßstab des doppelten Verteidigungsetats und wird von den Kreditobergrenzen der Schuldenregel ausgenommen. In seiner Rede am 27. Februar 2022 vor dem Deutschen Bundestag sprach Bundeskanzler Scholz davon, das Sondervermögen von 100 Milliarden Euro für die Rüstung und zusätzlich die Erhöhung des Wehretats auf über 2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes anzustreben. Später war dann allerdings nur noch die Rede davon, mit den 100 Milliarden Euro Sondervermögen über vier Jahre verteilt den Wehretat auf über 2 Prozent des BIPs zu steigern.

Deutschland

Verteidigungshaushalt/Verteidigungsausgaben in Mrd. Euro

Jahr 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026
Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Mrd. EUR 2799,3 2866,5 2984,5 3087,0 3195,2 3333,1 3434,0 3537,3 3450,7 3682,3 3989,4 4219,3 4329,0 4470,5
Verteidigungshaushalt in Mrd. EUR 31,87 33,26 32,44 32,97 34,29 37,00 38,52 43,23 45,65 46,93 50,40 50,12 51,95 62,31 82,69
Verteidigungshaushalt incl. Sondervermögen in Mrd. EUR 50,49 58,53 71,75 86,37 108,20
Anteil des Verteidigungshaushaltes incl. Sondervermögen am BIP 1,14 % 1,16 % 1,09 % 1,06 % 1,07 % 1,11 % 1,12 % 1,22 % 1,32 % 1,28 % 1,28 % 1,39 % 1,66 % 1,93 %
Verteidigungsausgaben nach NATO-Kriterien in Mrd. EUR

2012–2013 2014–2026

36,17 34,59 34,75 35,90 37,60 40,27 42,13 46,94 51,40 52,43 58,27 67,62 86,64 99,301 124,661
Anteil der Verteidigungsausgaben nach NATO-Kriterien am BIP

in EUR 2012–13 2014–2026

1,31 % 1,22 % 1,16 % 1,16 % 1,18 % 1,21 % 1,23 % 1,32 % 1,49 % 1,43 % 1,46 % 1,60 % 2,00 % 2,22 %1 2,69 %1

1 Die Angaben sind geschätzt.

China

  • März 2004 bis März 2005: 245 Mrd. Yuan (26,7 Mrd. Euro)
  • März 2005 bis März 2006: 281 Mrd. Yuan (30,7 Mrd. Euro)
  • März 2006 bis März 2007: 283,8 Mrd. Yuan (31 Mrd. Euro)
  • März 2007 bis März 2008: 350,9 Mrd. Yuan (38,3 Mrd. Euro)
  • März 2008 bis März 2009: 375,75 Mrd. Yuan (41 Mrd. Euro)
  • März 2009 bis März 2010: 472,87 Mrd. Yuan (51,6 Mrd. Euro)
  • März 2010 bis März 2011: 532 Mrd. Yuan (58 Mrd. Euro)
  • März 2011 bis März 2012: 601 Mrd. Yuan (65,6 Mrd. Euro)
  • März 2012 bis März 2013: 670,3 Mrd. Yuan (80 Mrd. Euro)
  • März 2013 bis März 2014: 720,2 Mrd. Yuan (88 Mrd. Euro)
  • März 2014 bis März 2015: 808,2 Mrd. Yuan (95 Mrd. Euro)
  • März 2015 bis März 2016: 890 Mrd. Yuan (125 Mrd. Euro)
  • März 2016 bis März 2017: 954 Mrd. Yuan (131 Mrd. Euro)
  • März 2017 bis März 2018: 1044 Mrd. Yuan (142 Mrd. Euro)
  • März 2018 bis März 2019: 1110 Mrd. Yuan (142 Mrd. Euro)
  • März 2019 bis März 2020: 1190 Mrd. Yuan (156 Mrd. Euro)

Viele Militärausgaben werden in China allerdings durch andere Haushaltsposten abgedeckt. Die genauen Ausgaben für das Militär werden nicht bekannt gegeben. Der tatsächliche Verteidigungsetat wird auf das zwei- bis dreifache geschätzt.

Frankreich

Im französischen Staatshaushalt verteilen sich die Mittel des Ministeriums der Streitkräfte auf drei Bereiche, den Bereich „Verteidigung“, die den Großteil der Mittel zusammenfasst, den interministeriellen Bereich „Veteranen, Gedenken und Verbindungen mit der Nation“ und der interministerielle Bereich „Forschung und Hochschulbildung“. Der französische Verteidigungshaushalt ist einer der höchsten Europas. Der allgemeine Trend zu mehr Verteidigungsbudgets in Frankreich im Jahr 2019 setzt sich wie in den meisten europäischen Ländern fort. Der Verteidigungshaushalt einschließlich Pensionen, ist von 38,99 Mrd. € im Jahr 2014 auf 46,1 Milliarden Euro im Jahr 2020 gestiegen, was einer aktuellen Steigerung von 18,2 Prozent entspricht. Diese Zahlen sind nicht direkt mit denen anderer NATO-Staaten vergleichbar, aber spiegeln dennoch einen erheblichen Investitionsaufwand für die Neuanschaffung von Ausrüstung wider.

Im Jahr 2019 beträgt der Verteidigungsetat etwa 44,4 Milliarden Euro (inkl. Pensionen) bzw. 35,8 Milliarden Euro ohne Berücksichtigung von Pensionsverpflichtungen. Das Effektiv zur Verfügung stehende Budget für die französischen Streitkräfte beträgt im Jahr 2020 ca. 37,60 Milliarden Euro. Der französische Militärhaushalt ist damit nach Deutschland mit 45,2 Mrd. € (2020) und Großbritannien, der dritthöchste Verteidigungshaushalt in Europa.

Programme 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025
PIB Frankreich [Mrd. €] 2014–2022 2148,3 2196,9 2232,6 2295,7 2361,8 2436,1 2313,5 2497,5 2634,1 2822,5 2917,4
Verteidigungshaushalt (inkl. Pensionen) [Mrd. €] 38,99 38,89 39,69 40,59 42,63 44,40 46,10 49,70 51,50 55,00 58,50 61,80
Verteidigungshaushalt (ohne Pensionen) [Mrd. €] – 31,15 31,73 32,44 34,20 35,80 37,50 39,20 40,90 43,90 47,20 50,50
% Militärhaushalt (inkl. Pensionen) / PIB 1,81 % 1,77 % 1,78 % 1,77 % 1,81 % 1,82 % 1,99 % 1,99 % 1,96 % 1,95 % 2,01 %
Quellen

Zirka 10 % des französischen Wehretats fließen allein in die Atomstreitkräfte.

Vereinigte Staaten

Historische Entwicklung des US-Verteidigungsetats 2001–2012
Historische Entwicklung des US-Verteidigungsetats 2001–2012

Unter der Regierung von George W. Bush wurde der Verteidigungsetat der Vereinigten Staaten nach 2001 stark angehoben. Die Anhebung wird als maßgebliche Ursache für die Haushaltsdefizite der letzten Jahre gesehen. Der noch positive Haushaltssaldo im Jahr 2001 von 127 Mrd. Dollar kippte bereits 2002 ins Negative. 2002 lag das Haushaltsdefizit der Vereinigten Staaten bereits bei 158 Mrd. Dollar und 2005 bei 427 Mrd. Dollar. Laut aktuellen Schätzungen kostete z. B. der Irak-Krieg bis heute über 5 Billionen Dollar.

Jahr Verteidigungsetat
2000 375,9 Mrd. USD
2001 378,9 Mrd. USD
2002 425,5 Mrd. USD
2003 484,3 Mrd. USD
2004 527,8 Mrd. USD
2005 553 Mrd. USD
2006 561,6 Mrd. USD
2007 576,3 Mrd. USD
2008 618,9 Mrd. USD
2009 668,6 Mrd. USD
2010 687,1 Mrd. USD
2011 698,3 Mrd. USD
2012 662 Mrd. USD (geplant)
2015 577 Mrd. USD (gebilligt)
2016 611 Mrd. USD (gem. SIPRI)
2019 716 Mrd. USD
2020 738 Mrd. USD reuters.com
2021 740 Mrd. USD
2022 768 Mrd. USD
2023 858 Mrd. USD
2024 886 Mrd. USD
2025 895 Mrd. USD

(Ehemals) neutrale Staaten

Stand 2023, gemäß SIPRI:

  • Finnland: 7,3 Mrd. US$
  • Österreich: 4,4 Mrd. US$
  • Schweden: 8,8 Mrd. US$
  • Schweiz: 6,3 Mrd. US$

Griechenland und die Türkei

Die Militärausgaben zwischen 2003 und 2024 in US-Dollar:

Militärbudget
Türkei Griechenland
Jahr in Mio. USD in %/BIP in Mio. USD in %/BIP
2024 24.979 1,9 % 8.021 3,1 %
2023 19.578 1,7 % 7.015 2,9 %
2022 15.037 1,7 % 8.745 4,0 %
2021 15.255 1,9 % 8.300 3,8 %
2020 15.783 2,2 % 5.773 3,0 %
2019 20.436 2,7 % 5.383 2,6 %
2018 19.649 2,5 % 5.757 2,7 %
2017 17.822 2,1 % 5.088 2,6 %
2016 17.827 2,1 % 4.963 2,6 %
2015 15.667 1,8 % 4.818 2,5 %
2014 17.577 1,9 % 5.531 2,4 %
2013 18.427 1,9 % 5.655 2,4 %
2012 17.694 2,0 % 5.914 2,5 %
2011 17.906 2,3 % 7.129 2,2 %
2010 17.690 2,4 % 8.869 2,7 %
2009 17.275 2,6 % 11.455 3,3 %
2008 16.119 2,3 % 10.995 3,1 %
2007 15.924 2,3 % 9.891 2,8 %
2006 16.511 2,5 % 9.898 2,9 %
2005 15.799 2,5 % 9.520 2,9 %
2004 16.689 2,8 % 8.804 2,7 %
2003 18.287 3,4 % 8.008 2,6 %

Russland und die Ukraine

Die Militärausgaben zwischen 2003 und 2024 in US-Dollar:

Russland Ukraine
Jahr in Mio. USD in %/BIP in Mio. USD in %/BIP
2024 148.967 7,1 % 64.705 34,5 %
2023 109.204 5,4 % 64.908 36,5 %
2022 102.367 4,6 % 41.183 25,6 %
2021 65.908 3,6 % 6.898 3,4 %
2020 61.713 4,1 % 6.839 4,4 %
2019 65.201 3,9 % 6.262 4,1 %
2018 61.609 3,7 % 4.750 3,6 %
2017 66.913 4,2 % 3.648 3,2 %
2016 69.245 5,4 % 3.423 3,7 %
2015 66.422 4,9 % 3.503 3,8 %
2014 84.697 4,1 % 3.961 3,0 %
2013 88.352 3,9 % 4.386 2,4 %
2012 81.469 3,7 % 4.136 2,4 %
2011 70.238 3,4 % 3.685 2,3 %
2010 58.720 3,6 % 3.729 2,7 %
2009 51.532 3,9 % 3.452 2,8 %
2008 56.184 3,1 % 4.811 2,7 %
2007 43.534 3,1 % 4.096 2,9 %
2006 34.518 3,2 % 2.986 2,8 %
2005 27.337 3,3 % 2.405 2,8 %
2004 20.955 3,3 % 1.685 2,5 %
2003 16.973 3,7 % 1.428 2,7 %

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