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Schwerlast-Trägerrakete der NASA

Space Launch System

Space Launch System
Space Launch System Block 1
Typ schwere Trägerrakete
Land  Vereinigte Staaten
Hersteller Boeing
United Launch Alliance
Northrop Grumman
Startkosten > 2,12 Mrd. US-$
Status aktiv
Aufbau
Höhe 98,15 m
Durchmesser 8,4 m (ohne Booster)
Startmasse ca. 2600 t
Stufen 3
Stufen
1. Stufe 2× Fünf-Segmente SRB
Typ Feststoffbooster
Triebwerk 2× RSRM-5
Treibstoff TP-H1148 VIII
APCP auf Basis von PBAN; 86 % Feststoffe (AP/Al)
Brenndauer 126 s
2. Stufe Core Stage
Typ kryogene Hauptstufe
Triebwerk 4× RS-25
Treibstoff LOX/LH2
Brenndauer 480 s
3. Stufe Interim Cryogenic Propulsion Stage
Typ kryogene Oberstufe
Triebwerk 1× RL10
Treibstoff LOX/LH2
Brenndauer 1125 s
Starts
Erststart 16. November 2022
Starts 2, beide erfolgreich
Startplatz LC-39B, Kennedy Space Center
Nutzlastkapazität
Kapazität LEO 95.000 kg
Kapazität Mond 27.000 kg

Das Space Launch System (englisch für „Weltraum-Startsystem“), kurz SLS, ist eine im Auftrag der NASA entwickelte Schwerlastrakete zur bemannten Erforschung des Weltraums über einen niedrigen Erdorbit hinaus. Der erste unbemannte Start fand am 16. November 2022 statt, ein erster bemannter Start am 1. April 2026. Technisch baut die Rakete auf den nie realisierten Plänen der Ares-V-Rakete im Rahmen des Constellation-Programms auf. Basis der Entwicklung sind die Haupttriebwerke, die Feststoffbooster und der Außentank des 2011 beendeten Space-Shuttle-Programms.

Vorgeschichte und Planung

Nach dem Ende der bemannten Mondmissionen im Rahmen des Apollo-Programms konzentrierte sich die NASA auf bemannte Einsätze im niedrigen Erdorbit und entwickelte das Space Shuttle, das mit der Columbia am 12. April 1981 erstmals in den Weltraum startete. 22 Jahre später, am 1. Februar 2003, zerbrach Columbia beim Wiedereintritt in die Atmosphäre (siehe Columbia-Katastrophe), und es gab ein Umdenken bei der NASA und der US-Regierung. Das Shuttle galt mittlerweile als veraltet und zu teuer. So kündigte US-Präsident George W. Bush Anfang 2004 das Ende des Shuttle-Programms nach der Fertigstellung der Internationalen Raumstation (ISS) im Jahr 2010 an. Außerdem verkündete er im Rahmen der Initiative Vision for Space Exploration (VSE; englisch für „Vision für Weltraumerforschung“) die Entwicklung neuer Raketen und eines Raumschiffs zur Rückkehr zum Mond und letztendlich Flüge bis zum Mars an.

Aus dieser Vision entwickelte sich dann das Constellation-Programm mit der bemannten Ares-I-Rakete und dem Orion-Raumschiff sowie der Schwerlastrakete Ares V. Das ganze Projekt litt von Beginn an unter Schwierigkeiten bei der Finanzierung und wurde im Jahr 2010 von US-Präsident Barack Obama wieder eingestellt. Als Kompromiss sollte lediglich das Orion-Raumschiff erhalten und weiterentwickelt werden.

Der Widerstand gegen die Einstellung des Constellation-Programms wurde größer, und im Sommer 2011 beauftragte der US-Kongress die NASA mit dem Bau einer neuen Schwerlastrakete. Diese jetzt Space Launch System genannte Rakete sollte ihren noch unbemannten Erstflug im Jahr 2017 absolvieren. Ein erster bemannter Start war für 2021 vorgesehen. Die Rakete soll aus Techniken des Space Shuttles und den Planungen der Ares-V-Rakete entwickelt werden.

Nach Verzögerungen bei der Raketenentwicklung gab die NASA Ende 2019 bekannt, den ersten unbemannten Testflug im Juli 2020 starten zu wollen. Die erste bemannte Mission, eine geplante Mondumkreisung, sollte nun im Juni 2022 starten. Auch diese Termine wurden später wieder verworfen; Artemis 2 startete erst 2026.

Aufbau der Rakete

Ehemals geplante Entwicklungsstufen des SLS
Ehemals geplante Entwicklungsstufen des SLS
Explosionszeichnung der Block-1-Version (bemannt)
Explosionszeichnung der Block-1-Version (bemannt)
Explosionszeichnung der aufgegebenen Block-2-Version (unbemannt)
Explosionszeichnung der aufgegebenen Block-2-Version (unbemannt)
3 Bilder

Das SLS sollte über mehrere Schritte zu einer Schwerlastrakete mit einer Kapazität von ca. 130 Tonnen Nutzlast in eine niedrige Umlaufbahn entwickelt werden. Bereits im Einsatz ist die Block 1 genannte Version. Mit einer Rettungsrakete an ihrer Spitze ist diese Kombination 98 Meter hoch und wiegt beim Start etwa 2500 Tonnen. Die Nutzlastkapazität des Trägers beträgt 95 Tonnen für eine erdnahe Umlaufbahn (LEO) beziehungsweise 26 Tonnen zum Mond. Sie kann das Orion-Raumschiff in eine Mondumlaufbahn befördern.

Die Block 1B genannte Variante sollte über eine stärkere Oberstufe (Nutzlast von 130 Tonnen LEO bzw. 45 Tonnen zum Mond) verfügen und sowohl das Orion-Raumschiff als auch unbemannte Nutzlasten wie Planetensonden befördern können.

Mit neuen und verstärkten Boostern sollte die Rakete mit der Bezeichnung Block 2 später ihre maximale Nutzlastkapazität erreichen und größere Bestandteile für Asteroiden- und/oder Marsmissionen ins All befördern können.

Ob Block 1B und Block 2 tatsächlich realisiert werden, war wegen der Verspätungen und entsprechend ausufernder Kosten im SLS-Programm bereits in den späten 2010er Jahren ungewiss. Die Entwicklung der für Block 1B und 2 benötigten stärkeren Oberstufe wurde 2018 eingefroren, aber 2020 wiederaufgenommen. Nach Amtsantritt des NASA-Administrators Jared Isaacman fiel schließlich im Februar 2026 die Entscheidung, die Entwicklung der Varianten 1B und 2 einzustellen. Stattdessen soll die Block-1-Variante eine kleinere Weiterentwicklung durchlaufen.

Erste Stufe

Die erste Stufe hat 8,38 m Durchmesser, das entspricht dem Durchmesser des externen Tanks des Space Shuttles. Bei den ersten vier SLS-Missionen werden jeweils vier der vom Space-Shuttle-Programm verbliebenen vierzehn RS-25D-Triebwerke verwendet, die hierfür fehlenden zwei Triebwerke wurden aus noch vorhandenen RS-25D-Ersatzteilen gefertigt. Diese Triebwerke wurden von Aerojet Rocketdyne überholt und mit modernisierten Steuerungen, einer erweiterten Leistungsregelung sowie einer zusätzlichen Isolierung ausgestattet, um den höheren Temperaturen standzuhalten, die durch die Nähe zu den Feststoff-Raketenboostern entstehen. Zu diesen für vier Flüge ausreichenden 16 Triebwerken bestellte die NASA bei Aerojet Rocketdyne im November 2015 weitere sechs neue Motoren. Der Tank für den flüssigen Wasserstoff befindet sich im unteren Teil der ersten Stufe und der für den flüssigen Sauerstoff darüber. Diese erste Stufe soll bei allen Varianten des SLS Verwendung finden.

Booster

Die Block-1-Variante verwendet beim Start zwei von den Space-Shuttle-Feststoffraketen abgeleitete, modernisierte Booster. Die Booster bestehen aus fünf anstatt der beim Space Shuttle eingesetzten vier Segmenten. Die beiden Booster sind seitlich an der ersten Stufe angebracht und sollen – anders als beim Space-Shuttle-Programm – nicht wiederverwendet werden.

Für Block 2 ließ die NASA von der Industrie leistungsfähigere Booster mit flüssigem oder festem Treibstoff untersuchen, die die Feststoff-Booster ersetzen sollten. Aerojet, Alliant Techsystems und ein Konsortium aus Dynetics und Pratt & Whitney Rocketdyne bewarben sich mit verschiedenen Konzepten. Der Entwurf von Dynetics und Pratt & Whitney Rocketdyne sah eine Steigerung der SLS-Nutzlastkapazität um 20 t vor. Das Vorhaben wurde jedoch 2014 von der NASA aufgegeben.

Oberstufe

Bei der Block-1-Variante dient eine leicht abgeänderte DCSS-Stufe (Delta Cryogenic Second Stage) der Delta-IV-Rakete unter dem Namen ICPS (Interim Cryogenic Propulsion Stage) als Oberstufe. Bei den Varianten Block 1B und Block 2 sollte eine leistungsfähigere Oberstufe namens EUS (Exploration Upper Stage) zum Einsatz kommen. Diese Oberstufe hätte den gleichen Durchmesser wie die erste Stufe gehabt und vier wiederzündbare RL10-Triebwerke verwendet. Stattdessen ist nun eine Weiterentwicklung von Block 1 mit einer von der Vulcan übernommenen Centaur-Oberstufe mit zwei RL10-Triebwerken geplant.

Eigenschaften

SLS soll mindestens 13 Tankzyklen überstehen können, welche durch Startabbrüche und andere Verzögerungen notwendig werden können. Die montierte Rakete kann mindestens 180 Tage an der Startrampe verbleiben.

Das SLS ist im Vergleich mit der bisher stärksten Rakete – der Falcon Heavy – so leistungsfähig, dass es größere und schwerere Raumsonden auf eine Transferbahn zu den Gasplaneten usw. bringen kann, je nach Ziel auch Raumsonden der gleichen Masse ohne missionsverlängernde Swing-by-Manöver.

Entwicklung und Herstellung

Beide SLS-Stufen werden von Boeing entwickelt und gefertigt. Die Produktion ist auf dem Gelände der Michoud Assembly Facility der NASA in New Orleans angesiedelt. Im November 2014 verließ dort das erste Ringsegment für eine SLS-Erststufe die neu eingerichtete Schweißanlage. Im Januar 2015 begann das Stennis Space Center der NASA mit Testzündungen von RS-25-Raketentriebwerken, um diese für den Einsatz mit dem SLS vorzubereiten.

Im Oktober 2018 stellte der NASA-Generalinspekteur fest, dass es bei der Entwicklung der ersten Raketenstufe zu erheblichen Verzögerungen und Budgetüberschreitungen gekommen sei, und warnte vor weiteren Problemen. Die Ursachen lagen demnach in Missmanagement bei Boeing und unzureichender Überwachung durch die NASA.

Im Jahr 2019 wurde die erste Stufe der ersten Rakete zusammengebaut, die für den Start der Mission Artemis 1 vorgesehen war. Anschließend wurde die Erststufe für einen achtminütigen Testlauf zum Stennis Space Center gebracht. Der Test fand am 16. Januar 2021 statt, brach aber wegen eines Hydraulikproblems im Zusammenhang mit der Schubvektorsteuerung nach nur 67 Sekunden ab. Am 18. März 2021 wurde der Test erfolgreich wiederholt, und die erste Stufe feuerte 8 Minuten und 19 Sekunden lang.

Startliste

Mission Startdatum (UTC) Variante Anmerkungen
Artemis 1 16. Nov. 2022
06:47
Block 1 Start eines unbemannten Orion-Raumschiffs zum Mond (Translunar Injection). Zusätzlich wurden 10 Cubesats ausgesetzt, darunter mehrere Mondorbiter und ein Mondlander.
Artemis 2 1. April 2026
22:35
Block 1 bemannter Start eines Orion-Raumschiffs in einen hochelliptischen Erdorbit mit Umrundung des Mondes auf einer freien Rückkehrbahn.
Geplant
Artemis 3 2027 einstufig bemannter Start eines Orion-Raumschiffs in einen niedrigen Erdorbit (LEO), um dort das Docken mit Blue Moon MK2 und/oder Starship zu erproben.
Artemis 4 Q1 2028 Block 1 bemannter Start eines Orion-Raumschiffs zum Mond, vorgesehen für die erste amerikanische Mondlandung seit Apollo 17. Die NASA plant bei dieser Mission die eigentlich für Artemis 3 vorgesehene Oberstufe ein letztes Mal zu verwenden.
Artemis 5 frühestens 2028 SC bemannter Start eines Orion-Raumschiffs zum Mond, vorgesehen für die zweite amerikanisches Mondlandung im Rahmen des Artemis-Programms. Die NASA plant für diese Mission zum ersten Mal die „Standardized configuration“ zu verwenden, welche von der Centaur-V-Oberstufe profitiert.

Gestrichene Starts:

Mission Startdatum (UTC) Variante Anmerkungen
Europa Clipper 2024 Block 1 Cargo Sonde zum Jupitermond Europa; startete am 14. Oktober 2024 mit einer Falcon Heavy von SpaceX.
Asteroid Redirect 2026 Block 1B Eine Orion-Kapsel sollte mit vier Besatzungsmitgliedern zu einem erdnahen Asteroiden fliegen, der robotisch untersucht worden wäre.
Artemis 6 2031 Block 1B Crew Start einer bemannten Orion-Kapsel und eines LOP-G-Luftschleusenmoduls (Translunar Injection). Dieser Start – ohne das LOP-G-Modul – wird neu ausgeschrieben.
Artemis 7 2032 Block 1B Crew Start einer bemannten Orion-Kapsel (Translunar Injection). Dieser Start wird neu ausgeschrieben.

Vergleich mit anderen Schwerlastraketen

Die folgenden Superschwerlast-Trägerraketen (Raketen mit mehr als 50 Tonnen Nutzlastkapazität) sind derzeit im Einsatz oder in Entwicklung. Eine historische Übersicht gibt die Liste der höchsten Trägerraketennutzlasten.

Rakete Hersteller Stufen Seiten-
booster
max. Nutzlast wieder­verwendbar bemannte Missionen orbitaler Erstflug
LEO GTO
CZ-9 CALT 2–3 – 150 t
100 t 1
> 50 t
> 35 t 1
Erststufe, später auch vollständig nicht geplant 2030 (angestrebt)
Starship SpaceX 2 – ≥ 100 t 1 ? voll­ständig geplant Starlink v3, 2026 (angestrebt)
SLS Block 1 Boeing 2 2 95 t > 27 t nein ja Artemis 1, 2022
New Glenn 9x4 Blue Origin 2 – 70 t 1 > 25 t 1 2 Erst­stufe, Nutzlast­verkleidung angestrebt 2027 (angestrebt)
CZ-10 CASC 3 2 70 t > 25 t nein geplant 2027 (geplant)
Falcon Heavy
Block 5
SpaceX 2 2 64 t
30 t 1
27 t
 
Erst­stufe,
Seitenbooster,
Nutzlast­verkleidung
nicht geplant Arabsat-6A, 2019
 
Maximale Nutzlast bei Wiederverwendung aller wiederverwendbaren Komponenten. Ohne Wiederverwendung ist bzw. wäre eine wesentlich größere Nutzlast möglich.
 
Blue Origin gibt eine Nutzlastkapazität von 14 t für den Direkttransport in eine geosynchrone Umlaufbahn an. Üblich ist eine etwa doppelt so große Höchstnutzlast für geosynchrone Transferbahnen (vgl. Vulcan).

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