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Gemeinde in Deutschland

Georgenthal

Georgenthal

Das Wichtigste

Einwohnerzahl7.745
Fläche79,15km²
ist ein(e)Gemeinde in Deutschland ohne Stadtrecht
StaatDeutschland
Höhe über dem Meeresspiegel390m
liegt in der VerwaltungseinheitLandkreis Gotha

Georgenthal ist eine Landgemeinde im Süden des thüringischen Landkreises Gotha und staatlich anerkannter Erholungsort.

Geographie

Die Landgemeinde liegt im Tal der Apfelstädt im Thüringer Wald, unweit des Rennsteigs.

Gemeindegliederung

Zu Georgenthal gehören folgende Ortsteile: Altenbergen, Catterfeld, Engelsbach, Georgenthal, Gospiteroda, Herrenhof, Hohenkirchen, Leina, Nauendorf, Petriroda, Schönau vor dem Walde und Wipperoda.

Geschichte

Die älteste Besiedlung Georgenthals geht wohl auf die Siedlungen Asolveroth und Rekkers (Gut Rathkersdorf) in der frühen Rodeperiode zurück. 1143 wurde dann das Kloster St. Georg, ein Zisterzienserkloster, durch die Grafen von Schwarzburg-Käfernburg gegründet. Auf dieses Kloster nehmen die Namen Vallis St. Georgii und Monte St. Georgii Bezug, unter denen der Ort im 12. Jahrhundert erwähnt wurde. 1347 ist dann von Jurginthal die Rede. Das Kloster St. Georg besaß im Jahr 1335 knapp 11.000 Hektar Land mit zwölf Dörfern und hatte eine bedeutende Pferdezucht. Das Kloster wurde im Bauernkrieg in der Osternacht 1525 von einem aufständischen Bauernheer geplündert. 1531 wurde der Klosterbesitz durch Kurfürst Johann von Sachsen eingezogen. Das ehemalige Kloster und seine zwölf Dörfer bildeten künftig das Amt Georgenthal. Ab 1600 erfolgte der Umbau eines der Klostergebäude zu einer Sommerresidenz, dem „Schloss Georgenthal“. Gestaltet und genutzt wurde sie unter anderem durch Herzog Ernst den Frommen von Gotha. 1792 bis 1794 gründete und betrieb Samuel Hahnemann hier die erste deutsche homöopathische Anstalt für psychisch Kranke. Der Ort entwickelte sich dann gegen Ende des 19. Jahrhunderts zum beliebten Ausflugs- und Urlaubsziel.

Von 1646 bis 1711 zählen die Akten des Amtes Georgenthal 71 Hexenverfolgungen auf. Allein 1674 fanden unter Amtmann und Hexenjäger Benedikt Leo 13 Hexenprozesse statt. Bis auf ganz geringe Ausnahmen wurden die Angeklagten dem Verbrennungstod überantwortet. Einige Frauen starben an den Folgen der Tortur. Die sechzigjährige Martha Lanz wurde am 4. Juni 1674 auf dem Scheiterhaufen auf dem Hirzberg verbrannt. Die 35-jährige Witwe des Köhlers Lorenz Ortlepp aus Catterfeld gestand in der Folter nicht und wurde freigesprochen.

Im dritten Reich war der Ort erst Sitz einer SA-Schule im Gau Thüringen, aus der eine Gauschule der DAF wurde. Während des Zweiten Weltkrieges mussten über 100 Frauen und Männer im Kurhaus, in Hotels, in Sägewerken und in der Bahnmeisterei Zwangsarbeit leisten. Im April 1945 weigerte sich der Wehrmachtsoffizier Otto Fabian, den Volkssturm zum aussichtslosen Kampf gegen die vorgerückten amerikanischen Truppen zu führen, worauf er von der SS erschossen wurde. Der Platz vor dem Bahnhof Georgenthal Ort wurde in Otto-Fabian-Platz benannt und 1979 mit einem Gedenkstein versehen. Nach dem Krieg lag Thüringen in der SBZ, durch Wende und Einheit kam es zur Bundesrepublik.

Eingemeindungen

Am 1. April 1999 wurde Nauendorf eingemeindet.

Am 31. Dezember 2019 schlossen sich die Gemeinden Leinatal, Georgenthal, Hohenkirchen und Petriroda zur Landgemeinde Georgenthal zusammen. Diese wurde erfüllende Gemeinde für Emleben und Herrenhof. Mit Ausnahme Leinatals waren alle genannten Gemeinden zuvor in der Verwaltungsgemeinschaft Apfelstädtaue zusammengeschlossen. Die Eingemeindung Herrenhofs folgte am 1. Januar 2024.

→ Hauptartikel: Gebietsreform in Thüringen

Politik

Wappen von Georgenthal
Wappen von Georgenthal
Wappen von Nauendorf
Wappen von Nauendorf
2 Bilder
Kommunalwahl 2024
Wahlbeteiligung: 65,4 % (2019: 55,2 %)
 %
50
40
30
20
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45,5 %
(+25,8 %p)
15,2 %
(−0,7 %p)
3,6 %
(n. k.)
30,4 %
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5,3 %
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n. k.
(−37,6 %p)
n. k.
(−26,8 %p)
BLG d
SG P e
BfGN e. V. f
AVB g
20192024
Anmerkungen:
 
Bürger für die Landgemeinde Georgenthal
 
SG Petriroda e. V.
 
Bürger für Georgenthal und Nauendorf e. V.
 
Allianz der Vereine und Bürger

Gemeinderat

Im Gemeinderat von Georgenthal entscheiden 20 ehrenamtliche Bürgerinnen und Bürger über Angelegenheiten der Gemeinde. Sie werden alle fünf Jahre neu gewählt. Das Ergebnis der jüngsten Wahl am 26. Mai 2024 zeigen die Diagramme.

Die vergangenen Kommunalwahlen seit 1994 führten zu folgenden Ergebnissen:

Parteien und Wählergemeinschaften 2019 2014 2009 2004 1999 1994
% Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze
BfGN e. V. Bürger für Georgenthal und Nauendorf e. V. 37,6 5 15,4 2 — — — — — — — —
AVB Allianz der Vereine und Bürger 26,8 4 18,7 3 — — — — — — — —
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 19,7 3 33,1 5 28,0 4 33,0 5 24,3 4 24,3 3
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 15,9 2 12,6 2 16,3 2 10,0 1 16,5 3 29,1 4
FWG Freie Wählergemeinschaft Georgenthal e. V. — — 11,1 1 16,3 2 11,3 2 10,7 2 19,3 3
LINKE* Die Linke* — — 9,0 1 12,2 2 10,0 1 7,9 1 — —
FDP Freie Demokratische Partei — — — — 27,2 4 35,8 5 40,5 6 27,2 4
Gesamt 100 14 100 14 100 14 100 14 100 16 100 14
Wahlbeteiligung 55,2 % 55,8 % 54,6 % 53,5 % 69,7 % 74,8 %

* bis 2004: PDS – Partei des Demokratischen Sozialismus

Bürgermeister

Georgenthals Bürgermeister ist Florian Hofmann (CDU). In der Stichwahl am 20. September 2020 konnte er mit 54,8 Prozent die Wahl für sich entscheiden. Die Wahlbeteiligung lag bei 49,0 Prozent.

Wappen

Die Blasonierung für das Georgenthaler Wappen lautet: „In Gold ein auf einem schwarzen Pferd mit silbernem Zaumzeug und Sattel sitzender Ritter in roter Rüstung; mit der Linken die Zügel haltend, mit der Rechten eine rotgestielte Lanze mit silberner Spitze auf einen grünen Drachen zu seinen Füßen stoßend, begleitet rechts oben von einer silbernen, grün bordierten sechsblättrigen Rosette.“

Blasonierung für das Wappen des Ortsteils Nauendorf: „In Rot ein breiter silberner Wappenpfahl, darin auf grünem Hügel ein stehender, nach rechts sehender schwarzer Hahn mit rotem Kamm, roten Halslappen und Füßen.“

Gemeindepartnerschaft

Partnergemeinde von Georgenthal ist seit 2006 die französische Gemeinde Confolens im Département Charente.

Verkehr

Für viele Jahre war Georgenthal mit seinem Durchgangsbahnhof ein Eisenbahnknotenpunkt. Zunächst erreichte 1876 die Ohratalbahn Gotha–Gräfenroda den Ort. 1896 wurde die Bahnstrecke Fröttstädt–Georgenthal eröffnet, 1892 die Bahnstrecke Georgenthal–Tambach-Dietharz. Die Bahnstrecke Fröttstädt–Georgenthal wurde 1947 als Reparationsleistung für die Sowjetunion ab Friedrichroda stillgelegt und abgebaut. Auf der Bahnstrecke Georgenthal–Tambach-Dietharz wurde 1969 der Personenverkehr eingestellt, jedoch die Infrastruktur für den Güterverkehr saniert. Aufgrund des schlechten Streckenzustandes stellte DB Cargo den Güterverkehr Ende 1995 endgültig ein. Die Strecke wurde bis auf ein kurzes Reststück Georgenthal–Georgenthal Ort, das einem Museumsbetrieb dienen soll, im Jahr 2010 demontiert. Am 11. Dezember 2011 wurde wegen der sinkenden Fahrgastzahlen auch auf der Ohratalbahn der Personenverkehr eingestellt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Altarraum St. Elisabeth
Altarraum St. Elisabeth
Grabungsareal der Klosterruine
Grabungsareal der Klosterruine
Saurierfundstätte Bromacker
Saurierfundstätte Bromacker
Kornhaus
Kornhaus
Rosette am Kornhaus
Rosette am Kornhaus
Schloss
Schloss
Am Lohmühlenmuseum
Am Lohmühlenmuseum
Eisengussglocken im Kirchhof von St. Elisabeth
Eisengussglocken im Kirchhof von St. Elisabeth
Orgel von Rudolf Böhm aus 1894 in der St.-Elisabeth-Kirche
Orgel von Rudolf Böhm aus 1894 in der St.-Elisabeth-Kirche
9 Bilder

Georgenthal ist ein staatlich anerkannter Erholungsort.

  • Klosterruine Georgenthal
→ Hauptartikel: Kloster Georgenthal
  • Kirche St. Elisabeth
→ Hauptartikel: St. Elisabeth (Georgenthal)
  • Klosterhof und Kornhaus mit Steinrosette aus der Klosterzeit. Das heute noch erhaltene Kornhaus mit dem großen Rosettenfenster im Nordgiebel hat ein Maßwerk in Sechspassform und ist eine architektonische Kostbarkeit. Sein innerer Durchmesser beträgt 2,64 m. Es wurde im Jahre 2011 aufwändig restauriert. Das Kornhaus stammt vermutlich aus dem 15. Jahrhundert und wurde mehrfach umgebaut. Obwohl sein ursprünglicher Zweck nicht belegbar ist, lässt der Einbau eines Kaminabzuges in der südöstlichen Ecke die Vermutung zu, dass es sich um ein Winterrefektorium handelte. Da das Kloster von vielen Pilgern besucht wurde, kommt auch eine Verwendung als Hospital oder Unterkunft in Betracht. In der nachklösterlichen Zeit diente das Gebäude als Zins- und Abgabenstelle des Amtes Georgenthal und erhielt damals seinen heutigen Namen. Bis 1960 wurde es als Kornspeicher benutzt und beinhaltet heute ein Lapidarium mit Ausgrabungsstücken, z. B. Schlusssteine mit Eichenblatt- oder Efeuornamenten aus dem zerstörten Gewölbe der Abteikirche sowie Bruchstücke von Gurtbögen, Gewölberippen und Gewölbeansätzen, die schon fast gotisch anmuten.
  • ehemalige Sommerresidenz „Schloss Georgenthal“
  • Hexenturm, Gefängnis während der Hexenprozesse zwischen 1646 und 1711. Aus dieser Zeit sind 71 Hexenverfolgungen des Amtes Georgenthal bekundet. Meist wurden die betroffenen verbrannt, einige Frauen starben auch an den Folgen der Folter. Martha Lanz, 60-jährig, wurde auf dem Scheiterhaufen auf dem nahegelegenen Hirzberg verbrannt, während die 35-jährige Witwe des Köhlers Lorenz Ortlepp aus Catterfeld die Folter ertrug, nicht gestand und freigesprochen wurde.
  • Naturnah angelegter Kurpark, früher Klostergarten
  • Lohmühle und Lohmühlenmuseum
  • Saurierfundstätte Bromacker, Saurier-Erlebnispfad (Eröffnung im September 2011)
  • Standort des „größten Kaminzuggrills der Welt“ (Maße der Grillfläche zirka 2 × 2 Meter; mit Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde) der Firma THÜROS

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Gemeinde

Mit der Gemeinde verbunden

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Text aus der Wikipedia, CC BY-SA 4.0 · Quellartikel