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Bahnhof, in dem sich die Bahnstrecken höhenfrei, also auf übereinanderliegenden Ebenen, kreuzen

Turmbahnhof

Turmbahnhof
Obere und untere Bahnsteige des Turmbahnhofs Köln Messe/Deutz
Obere und untere Bahnsteige des Turmbahnhofs Köln Messe/Deutz

Ein Turmbahnhof oder auch Etagenbahnhof (nach Röll: Bahnhof in Treppenform) ist eine spezielle Bauform eines Bahnhofs, der mit übereinanderliegenden Ebenen die Verbindung zwischen kreuzenden Eisenbahnstrecken herstellt. Er gehört somit zu den Kreuzungsbahnhöfen.

Geschichte

Turmbahnhöfe findet man schon in der Frühzeit der Eisenbahn, als sich Strecken verschiedener Eisenbahngesellschaften, welche ggf. miteinander konkurrierten, auf getrennten Ebenen begegnen konnten.

Mit dem weiteren Ausbau der Schieneninfrastruktur sind Turmbahnhöfe als Umsteige- und Verbindungspunkte vor allem in Ballungsgebieten hinzugekommen. An der Berliner Ringbahn entstanden mehrere derartige Stationen an Schnittpunkten mit anderen Strecken, z. B. in Berlin Ostkreuz oder Berlin-Schöneberg. Außerhalb sind Turmbahnhöfe nur vereinzelt zu finden, beispielsweise in Osnabrück, Köln Messe/Deutz, Dülmen oder Doberlug-Kirchhain.

Einige Stationen in dieser Bauweise entstanden auch aufgrund der Berlin-Frage in den 1950er Jahren am Berliner Außenring, z. B. der heutige Bahnhof Potsdam Pirschheide. Bis 2006 wurde der Hauptbahnhof Berlin mit zwei Gleisebenen und drei Zwischengeschossen errichtet. Der Bahnhof Berlin Südkreuz entstand zur gleichen Zeit als Nachfolger der gleichfalls als Turmbahnhof konzipierten S-Bahn-Station Papestraße.

Auch durch Stilllegung von ursprünglich kreuzenden Zweigstrecken ist die Zahl der in Betrieb befindlichen Turmbahnhöfe zurückgegangen.

Begriff

Bei der Eisenbahn ist ein Turmbahnhof ein oberirdisches Bauwerk, in dem die Gleise mehrerer Strecken in verschiedenen Ebenen übereinander liegen und sich kreuzen. Oberirdische Bahnhöfe mit später hinzugefügten unterirdischen Eisenbahnstrecken (z. B. Berlin Friedrichstraße, Frankfurt (Main) Hauptbahnhof), werden üblicherweise nicht als „Turmbahnhof“ bezeichnet.

Ein Sonderfall eines Turmbahnhofs ist Berlin Hauptbahnhof. Der untere Teil befindet sich in einem Tunnel. Die gesamte Station ist jedoch ein einheitliches Bauwerk, bei dem trotz dreier dazwischenliegender Fußgängerebenen eine Sichtverbindung zwischen den oberen und den unteren Bahnsteigen besteht.

In England werden die Teile von Turmbahnhöfen als high level station und low level station bezeichnet.

Ähnlich zusammenhängende bauliche Anlagen kann es auch bei U-Bahnen geben (siehe Turmbahnhof (U-Bahn)), wobei der Begriff dort nicht nur für komplett oberirdische Stationen wie etwa den U-Bahnhof Gleisdreieck in Berlin, sondern auch für komplett unterirdische Stationen verwendet wird, in denen sich zwei Linien übereinander kreuzen.

Beschreibung

In einem Turmbahnhof kreuzen sich zwei oder mehrere Strecken auf verschiedenen Ebenen. Wenn es dort Gleisverbindungen zwischen den sich kreuzenden Strecken gibt, so müssen sie abseits der eigentlichen Streckenkreuzung liegen. Bei vielen Turmbahnhöfen gibt es gar keine Schienenverbindung zwischen den sich kreuzenden Strecken. Die Strecken können sich in unterschiedlichen Winkeln schneiden, oft (genähert) rechtwinklig, es gibt jedoch auch Turmbahnhöfe, bei denen die Strecken fast parallel übereinander liegen, wie den Bahnhof Nürnberg-Steinbühl der S-Bahn Nürnberg.

Meist ist ein Turmbahnhof ein Spezialfall eines Kreuzungsbahnhofs. In einzelnen Fällen gibt es in einem der Bahnhofsteile keine durchgehende Strecke, sondern nur eine, die dort beginnt oder endet, beispielsweise Bahnhof Poprad-Tatry.

Betrieblich kann es sich bei einer der Ebenen oder bei beiden auch um einen Haltepunkt handeln. Oftmals werden die zwei Ebenen als getrennte Betriebsstellen behandelt. Beispielsweise besteht Berlin Hauptbahnhof im oberen Teil betrieblich gesehen aus einem Bahnhof für den Fern- und Regionalverkehr und einem Haltepunkt der S-Bahn sowie im unteren Teil aus einem Bahnhof für den Fern- und Regionalverkehr. Ein S-Bahnhof im unteren Teil liegt außerhalb des Turmbauwerks.

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Text aus der Wikipedia, CC BY-SA 4.0 · Quellartikel