factograf
DE

Wettbewerb bei den Olympischen Winterspielen 2002

Olympische Winterspiele 2002/Shorttrack

Olympische Winterspiele 2002/Shorttrack

Bei den XIX. Olympischen Spielen 2002 in Salt Lake City fanden acht Wettbewerbe im Shorttrack statt. Austragungsort war das Salt Lake Ice Center.

Die erfolgreichsten Shorttracker der Wettkämpfe waren die Chinesin Yang Yang (A) und Marc Gagnon aus Kanada, die jeweils zwei Goldmedaillen gewannen. Für besonderes Aufsehen sorgten das 1000-Meter-Rennen und das 1500-Meter-Rennen der Männer: Über 1000 Meter siegte überraschend der australische Außenseiter Steven Bradbury nach einem Massensturz der favorisierten Athleten kurz vor dem Ziel; über 1500 Meter wurde der Südkoreaner Kim Dong-sung disqualifiziert, nachdem er die Ziellinie als Erster überquert hatte.

Bilanz

Hintergrund

Porträt Apolo Anton Ohnos aus dem März 2002
Porträt Apolo Anton Ohnos aus dem März 2002

Organisation

Die olympischen Shorttrack-Wettbewerbe von 2002 fanden wie auch die Eiskunstlauf-Entscheidungen im Delta Center statt, das für die Dauer der Spiele den Namen Salt Lake Ice Center trug. Das IOC untersagte Delta Air Lines als Namensrechtspartner des Veranstaltungsortes, den Namen während der Veranstaltung zu verwenden. Die 1991 erbaute Mehrzweckhalle, die abseits der Winterspiele Heimat des NBA-Teams Utah Jazz war, fasste während der Shorttrack-Veranstaltungen 17.500 Zuschauer. Alle Tickets wurden verkauft – anwesend waren im Schnitt an jedem der vier Wettkampfabende knapp 15.000 Zuschauer. Insgesamt zählte das Organisationskomitee laut offiziellen Angaben 59.878 Besucher.

Als Chefschiedsrichter für die Männerwettkämpfe fungierte der Australier James Hewish, bei den Frauenrennen übernahm Gérard Matusalem aus Frankreich diese Rolle. Sowohl Hewish als auch Matusalem arbeiteten gemeinsam mit einem Team aus vier weiteren Schiedsrichtern. Die Internationale Eislaufunion (ISU) wurde durch die Technischen Delegierten Chang Myong-hi aus Südkorea und John Hall aus Großbritannien vertreten.

Qualifikation

Ausschlaggebend für die Zahl an Teilnehmern, die ein Nationales Olympisches Komitee (NOK) zu den Shorttrack-Wettbewerben entsenden durfte, waren die Ergebnisse eines von der ISU ausgerichteten Qualifikationsturniers in Salt Lake City vom 25. bis zum 28. Oktober 2001. Abhängig davon, wie viele Athleten sich unter den besten 32 Sportlern des Mehrkampf-Klassements bei dem Qualifikationsturnier platzierten, durfte ein NOK einen oder zwei Shorttracker bei den olympischen Einzel-Wettbewerben einsetzen. Das Qualifikationsturnier entschied ausschließlich über die Zahl der Startplätze eines Landes, nicht darüber, welche Athleten sich für eine Olympiateilnahme qualifizierten. Zusätzlich waren die besten acht Staffeln des Auswahlturniers berechtigt, beim olympischen Staffelwettbewerb anzutreten. Dafür durfte jedes qualifizierte Team fünf Athleten anmelden, von denen vier in einem Rennen eingesetzt werden durften. Die maximale Teamgröße eines Landes lag bei sechs Männern und sechs Frauen (zuzüglich eines Trainers und eines Mannschaftsführers).

Bis zum 28. Januar 2002 mussten die NOK die Namen der Athleten, die sie für die Winterspiele aufstellten, an das Organisationskomitee weiterleiten.

Teilnehmer und Favoriten

Im Gastgeberland der Spiele von Salt Lake City stand der 19-jährige Apolo Anton Ohno im Vorfeld der olympischen Wettbewerbe unter verstärkter Beobachtung: Die Sportzeitschrift Sports Illustrated widmete ihm das Cover ihrer Olympia-Ausgabe, er nahm eine prominente Position in der vorolympischen Berichterstattung von NBC ein und wurde auch wegen seiner Ausstrahlung als Zuschauermagnet betrachtet. Ohno hatte im Winter 2000/01 die Weltcup-Gesamtwertungen aller Strecken gewonnen und galt einigen US-Medien als Kandidat für vier Goldmedaillen. Zu den stärksten Konkurrenten Ohnos gehörten die Südkoreaner um den 1000-Meter-Olympiasieger von 1998 Kim Dong-song. Kim hatte im Weltcup 2001/02 – bei dem Ohno nur zu einer von fünf Veranstaltungen angetreten war – drei von vier Gesamtwertungen für sich entschieden. Zudem handelten die Medien auch den mehrfachen chinesischen Weltmeister Li Jiajun und die Athleten des kanadischen Teams um Marc Gagnon als potentielle Olympiasieger.

Bei den Frauen nahm vor allem die Chinesin Yang Yang (A) die Favoritenstellung ein: Sports Illustrated und die Journalisten der Associated Press trauten ihr jeweils Gold- und Silbermedaillen in allen vier Rennen zu, Sports Illustrated sah sie dabei als dreifache Olympiasiegerin. Von 1998 bis 2001 hatte Yang viermal in Folge den Weltmeistertitel im Mehrkampf errungen und war im Winter 2001/02 ebenfalls zum vierten Mal hintereinander Siegerin des Gesamtweltcups geworden. Weitere Sieganwärterinnen waren ihre gleichnamige Teamkollegin Yang Yang (S) und die Bulgarin Ewgenija Radanowa. Das südkoreanische Frauenteam war im Vergleich zum chinesischen international wesentlich jünger und unerfahrener, weswegen seine Erfolgsaussichten ungewisser als die der südkoreanischen Männer eingeschätzt wurden.

Insgesamt traten 111 Athleten aus 26 Nationen zu den olympischen Shorttrack-Wettkämpfen von Salt Lake City an. Darunter befanden sich fünf deutsche Frauen (Aika Klein, Yvonne Kunze, Ulrike Lehmann, Christin Priebst und Susanne Rudolph) sowie zwei deutsche Männer (André Hartwig und Arian Nachbar) – anders als die Männer hatten sich die Frauen auch mit der Staffel qualifiziert. Aus Österreich und der Schweiz traten keine Shorttracker an. Die Hongkongerinnen Christy Ren und Cordia Tsoi waren die ersten Sportler ihres Landes bei Olympischen Winterspielen. Tsoi war eine von drei Shorttrack-Läufern, die bei der Eröffnungsfeier Fahnenträgerin ihrer Mannschaft waren: Neben Hongkong ließen auch Belgien mit Simon Van Vossel und die Vereinigten Staaten mit Amy Peterson ihre Delegationen beim Einmarsch der Nationen von Shorttrackern anführen. Insbesondere Peterson als Fahnenträgerin des Gastgebers kam dabei große Aufmerksamkeit zu.

Zeitplan

Zeitplan
Disziplin Fr.
8.
Sa.
9.
So.
10.
Mo.
11.
Di.
12.
Mi.
13.
Do.
14.
Fr.
15.
Sa.
16.
So.
17.
Mo.
18.
Di.
19.
Mi.
20.
Do.
21.
Fr.
22.
Sa.
23.
So.
24.
Februar
Eröffnungs- und Schlussfeier
Männer 500 m
1000 m
1500 m
5000 m Staffel
Frauen 500 m
1000 m
1500 m
3000 m Staffel

Farblegende

  • Eröffnungsfeier
  • Wettkampftag (Vorläufe)
  • Wettkampftag (Entscheidung)
  • Schlussfeier
  • Die Shorttrack-Wettbewerbe fanden an vier Wettkampftagen statt, jeweils am Mittwochabend und am Samstagabend während der beiden Wochen, die die Olympischen Spiele andauerten. (An den anderen Tagen der Spiele wurde das Salt Lake Ice Center für die Eiskunstlauf-Veranstaltungen benötigt.) Mit Ausnahme des 1000-Meter-Wettbewerbs und der Staffeln wurden alle zu einem Wettkampf gehörenden Rennen an einem Tag ausgetragen.

    Ergebnisse Männer

    500 m

    Platz Land Sportler Zeit (s)
    1  CAN Marc Gagnon 41,802
    2  CAN Jonathan Guilmette 41,994
    3  USA Rusty Smith 42,027
    4  CHN Feng Kai 42,112
    5  JPN Satoru Terao 42,219
    6  KOR Kim Dong-sung 42,076
    7  BEL Wim De Deyne 42,961
    8  JPN Takafumi Nishitani 42,535
    15  GER Arian Nachbar 43,626

    Datum: 23. Februar 2002, 20:10 Uhr

    Der bis dahin bestehende olympische Rekord wurde bereits in der Vorrunde unterboten. Für Aufsehen sorgte die Disqualifikation von Publikumsliebling Apolo Anton Ohno, weil er Satoru Terao behindert hatte. Im Finale führte zunächst Rusty Smith, der US-Amerikaner wurde aber in der letzten Runde erst von Marc Gagnon und dann von Jonathan Guilmette überholt.

    1000 m

    Platz Land Sportler Zeit (min)
    1  AUS Steven Bradbury 1:29,109
    2  USA Apolo Anton Ohno 1:30,160
    3  CAN Mathieu Turcotte 1:30,563
    4  KOR Ahn Hyun-soo 1:32,519
    5  KOR Kim Dong-sung 1:35,582
    6  ITA Fabio Carta 1:35,589
    7  JPN Naoya Tamura 1:35,823
    8  CHN Li Jiajun DSQ
    23  GER Arian Nachbar 1:33,585

    Datum: 16. Februar 2002, 20:45 Uhr

    Der Olympiasieg des australischen Shorttrackers Steven Bradbury war einer der kuriosesten der olympischen Geschichte. Bradbury qualifizierte sich nur für das Finale, weil in der letzten Kurve andere Athleten stürzten. Im Finale lag Bradbury in der letzten Runde weit zurück; da aber in der letzten Kurve erneut ein Athlet stürzte und alle bis auf Bradbury dabei mitriss, konnte dieser ungehindert über die Ziellinie laufen. Er war damit der erste australische Goldmedaillengewinner bei Winterspielen.

    1500 m

    Platz Land Sportler Zeit (min)
    1  USA Apolo Anton Ohno 2:18,541
    2  CHN Li Jiajun 2:18,731
    3  CAN Marc Gagnon 2:18,806
    4  ITA Fabio Carta 2:18,947
    5  FRA Bruno Loscos 2:19,587
    6  USA Rusty Smith 2:27,155
    7  CHN Guo Wei 2:27,376
    8  NED Cees Juffermans 2:27,611
    15  GER André Hartwig 2:22,541

    Datum: 20. Februar 2002, 20:15 Uhr

    Der Südkoreaner Kim Dong-sung überquerte die Ziellinie im Finale als Erster, wurde aber disqualifiziert, weil die Schiedsrichter eine Behinderung Apolo Anton Ohnos erkannten. Die Disqualifikation Kims wurde kontrovers diskutiert und insbesondere in Südkorea als ungerechtfertigt empfunden.

    5000 m Staffel

    Platz Land Sportler Zeit (min)
    1  CAN Éric Bédard
    Marc Gagnon
    Jonathan Guilmette
    François-Louis Tremblay
    Mathieu Turcotte
    6:51,579
    2  ITA Michele Antonioli
    Maurizio Carnino
    Fabio Carta
    Nicola Franceschina
    Nicola Rodigari
    6:56,327
    3  CHN An Yulong
    Feng Kai
    Guo Wei
    Li Jiajun
    Li Ye
    6:59,633
    4  USA Ron Biondo
    J. P. Kepka
    Apolo Anton Ohno
    Rusty Smith
    Daniel Weinstein
    7:03,926
    5  JPN Takehiro Kodera
    Takatumi Nishitani
    Yugo Shinohara
    Naoya Tamura
    Satoru Terao
    7:19,893
    6  AUS Steven Bradbury
    Stephen Lee
    Alex McEwan
    Andrew McNee
    Mark McNee
    7:45,271
    7  BEL Wim De Deyne
    Pieter Gysel
    Ward Janssens
    Simon Van Vossel
    6:56,389
     KOR Ahn Hyun-soo
    Kim Dong-sung
    Lee Seung-jae
    Min Ryoung
    Oh Se-jong
    DSQ

    Datum: 23. Februar 2002, 20:45 Uhr

    Mit Ausnahme der kanadischen Staffel stolperten oder stürzten alle Teams im Finale. Die favorisierten Südkoreaner schieden nach einem Sturz und anschließender Disqualifikation im Halbfinale aus.

    Ergebnisse Frauen

    500 m

    Platz Land Sportlerin Zeit (s)
    1  CHN Yang Yang (A) 44,187
    2  BUL Ewgenija Radanowa 44,252
    3  CHN Wang Chunlu 44,272
    4  CAN Isabelle Charest 44,662
    5  USA Caroline Hallisey 44,679
    6  CAN Alanna Kraus 44,930
    7  KOR Choi Eun-kyung 45,383
    8  ITA Mara Zini 45,494
    14  GER Yvonne Kunze 45,717
    17  GER Susanne Rudolph 45,288

    Datum: 16. Februar 2002, 20:56 Uhr

    Die favorisierte Yang Yang (A) setzte sich vor Ewgenija Radanowa und ihrer Teamkollegin Wang Chunlu durch. Sie feierte damit den ersten chinesischen Sieg bei Olympischen Winterspielen.

    1000 m

    Platz Land Sportlerin Zeit (min)
    1  CHN Yang Yang (A) 1:36,391
    2  KOR Ko Gi-hyun 1:36,427
    3  CHN Yang Yang (S) 1:37,008
    4  CAN Marie-Ève Drolet 1:37,563
    5  BUL Ewgenija Radanowa 1:34,702
    6  KOR Choi Eun-kyung 1:34,808
    7  JPN Chikage Tanaka 1:35,125
    8  CAN Alanna Kraus 1:35,642
    14  GER Yvonne Kunze 1:35,830
    16  GER Christin Priebst 1:36,848

    Datum: 23. Februar 2002, 20:19 Uhr

    Eine Woche nach ihrem ersten Olympiasieg über 500 Meter entschied Yang Yang (A) auch das 1000-Meter-Rennen für sich. Als erste Shorttrackerin gewann sie damit bei den gleichen Olympischen Winterspielen zwei Einzelgoldmedaillen.

    1500 m

    Platz Land Sportlerin Zeit (min)
    1  KOR Ko Gi-hyun 2:31,581
    2  KOR Choi Eun-kyung 2:31,610
    3  BUL Ewgenija Radanowa 2:31,723
    4  CHN Yang Yang (A) 2:31,791
    5  CAN Alanna Kraus 3:05,002
    6  CAN Marie-Ève Drolet 2:31,203
    7  JPN Chikage Tanaka 2:31,479
    8  GER Christin Priebst 2:32,442
    22  GER Yvonne Kunze 2:29,779

    Datum: 13. Februar 2002, 20:35 Uhr

    Mit ihrem Sieg wurde die 15-jährige Ko Gi-hyun zur jüngsten Olympiasiegerin von Salt Lake City. Silbermedaillengewinnerin Choi Eun-kyung stellte im Halbfinale einen neuen Weltrekord in 2:21,069 Minuten auf.

    3000 m Staffel

    Platz Land Sportlerinnen Zeit (min)
    1  KOR Choi Eun-kyung
    Choi Min-kyung
    Joo Min-jin
    Park Hye-won
    4:12,793
    2  CHN Sun Dandan
    Wang Chunlu
    Yang Yang (A)
    Yang Yang (S)
    4:13,236
    3  CAN Isabelle Charest
    Marie-Ève Drolet
    Amélie Goulet-Nadon
    Alanna Kraus
    Tania Vicent
    4:15,738
    4  JPN Yuka Kamino
    Atsuko Takata
    Chikage Tanaka
    Ikue Teshigawara
    Nobuko Yamada
    4:21,107
    5  ITA Marinella Canclini
    Marta Capurso
    Evelina Rodigari
    Katia Zini
    Mara Zini
    4:20,014
    6  BUL Marina Georgiewa-Nikolowa
    Anna Krastewa
    Ewgenija Radanowa
    Daniela Wlaewa
    4:20,703
    7  USA Julie Goskowicz
    Caroline Hallisey
    Amy Peterson
    Erin Porter
    4:20,730
    8  GER Ulrike Lehmann
    Aika Klein
    Yvonne Kunze
    Christin Priebst
    4:22,222

    Datum: 20. Februar 2002, 20:02 Uhr

    Die chinesischen Läuferinnen hatten die vorangegangenen vier Weltmeistertitel mit der Staffel gewonnen und führten in Salt Lake City zunächst das Finale an. Sieben Runden vor Schluss übernahm Joo Min-jin für Südkorea die Spitze, die sie und ihre Teamkolleginnen bis ins Ziel hielten. Dort unterboten sie den gültigen Weltrekord um knapp eine Sekunde.

    Weiterlesen

    In 24 Sprachen

    Text aus der Wikipedia, CC BY-SA 4.0 · Quellartikel