Lisiguangit (chin. 李四光矿, Lisiguangkuang) ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“. Es kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung CuPtBiS3 und stellt damit das Platin-Analogon des Mückeit (CuNiBiS3) dar.
Lisiguangit entwickelt kleine, idiomorphe, tafelige bzw. lamellare Kristallen bis etwa 2 mm Länge und 0,5 mm Breite von bleigrauer Farbe bei schwarzer Strichfarbe gefunden werden. Unter polarisiertem, reflektiertem Licht erscheint Lisiguangit dagegen Hellweiß mit einem Stich ins Gelbliche.
Etymologie und Geschichte
Lisiguanit wurde erstmals in den Schwermineralkonzentraten als Bestandteil von zerkleinerten Erzen im Yanshan-Gebirge nahe der bezirksfreien Stadt Chengde im Kreis Luanping in der nordchinesischen Provinz Hebei entdeckt. Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte durch Yu Zuxiang, Cheng Fanyun und Ma Hongwei, die das Mineral nach dem chinesischen Minister für Geologie Li Siguang (1889–1971) benannten.
Das Mineralogenteam sandte seine Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 2007 an die „Commission on new Minerals, Nomenclature and Classification“ (CNMNC) der International Mineralogical Association (interne Eingangsnummer der IMA: 2007-003), die den Lisiguanit als eigenständige Mineralart anerkannte. Die Erstbeschreibung wurde 2009 im Fachmagazin Acta Geologica Sinica veröffentlicht.
Das Typmaterial des Minerals wird im Chinesischen Geologischen Museum (NMG) in Peking (Beijing) unter der Inventarnummer M-11031 aufbewahrt.
Klassifikation
Da der Lisiguangit erst 2007 als eigenständige Mineralart anerkannt wurde, ist er in der letztmalig 1977 überarbeiteten 8. Auflage noch nicht aufgeführt.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer II/C.21-025. Dies entspricht der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall: S,Se,Te ≈ 1: 1“, wo Lisiguangit zusammen mit Lapieit, Mäkinenit, Malyshevit, Millerit, Mückeit und Zlatogorit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer II/C.21 bildet.
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Lisiguangit in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze (Sulfide, Selenide, Telluride, Arsenide, Antimonide, Bismutide, Sulfarsenide, Sulfantimonide, Sulfbismutide)“ und dort in die Abteilung „Sulfarsenide, Sulfantimonide, Sulfbismutide“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Insel-Sulfarsenide (Neso-Sulfarsenide) usw., ohne zusätzlichen Schwefel (S)“ zu finden, wo es zusammen mit Lapieit, Malyshevit und Mückeit die „Lapieitgruppe“ mit der Systemnummer 2.GA.25 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Lisiguangit die System- und Mineralnummer 03.04.04.04. Das entspricht der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfosalze“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Sulfosalze mit dem Verhältnis 3 > z/y und der Zusammensetzung (A+)i (A2+)j [ByCz], A = Metalle, B = Halbmetalle, C = Nichtmetalle“ in der „Lapieitgruppe“, in der auch Lapieit, Mückeit und Malyshevit eingeordnet sind.
Chemismus
In der idealen, stoffreinen Zusammensetzung von Lisiguangit (CuPtBiS3) besteht das Mineral im Verhältnis aus je einem Teil Kupfer (Cu), Platin (Pt) und Bismut (Bi) sowie drei Teilen Schwefel (S) pro Formeleinheit. Dies entspricht einem Massenanteil (Gewichtsprozent) von 11,27 Gew.-% Cu, 34,60 Gew.-% Pt, 37,07 Gew.-% Bi und 17,06 Gew.-% S.
Bei natürlichen Lisiguangiten können diese Werte allerdings je nach Bildungsbedingungen und Stoffzufuhr in geringem Umfang schwanken. Zudem können auch geringe formelfremde Fremdbeimengungen enthalten sein. So ergaben die Analysen des Typmaterials aus Yanshan Gehalte von 12,98 Gew.-% Cu, 30,04 Gew.-% Pt, 37,65 Gew.-% Bi und 17,55 Gew.-% S sowie 2,69 Gew.-% Palladium (Pd).
Kristallstruktur
Lisiguanit kristallisiert orthorhombisch in der Raumgruppe P212121 (Raumgruppen-Nr. 19) mit den Gitterparametern a = 7,7152 Å; b = 12,838 Å und c = 4,9248 Å< sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.
Bildung und Fundorte
Lisiguangit wird in kontaktmetamorphen Gesteinen in tieferen Teilen des Kupfererzvorkommens von Sandaogou gefunden, wo Platin in zehnfach größerer Konzentration vorkommt als in den höheren Teilen der Lagerstätte. Lisiguangit tritt hier in Paragenese mit Bornit, Chalkopyrit, Carrollit, Cooperit, Damiaoit, Daomanit, Galenit, cobalthaltigem Malanit, Malyshevit, Molybdänit, Moncheit, Pyrit, Sperrylith, Tenorit und Yixunit auf.
Außer an seiner Typlokalität, der Granat-Pyroxenit-Lagerstätte bei Sandao (Chengde) in der chinesischen Provinz Hebei, konnte das Mineral bisher nur noch in der Wisner-Süd-Lagerstätte bei Wisner (Township) nahe der Stadt Greater Sudbury in der kanadischen Provinz Ontario und in der Grube Srednyaya Padma auf der Halbinsel Saoneschje (englisch Zaonezhie, russisch Заонежье) in der russischen Republik Karelien entdeckt werden.