Just Fontaine (* 18. August 1933 in Marrakesch, Französisch-Marokko; † 1. März 2023 in Toulouse) war ein französischer Fußballspieler, -trainer und -funktionär.
Vereinskarriere
Fontaine, von der Öffentlichkeit meist liebevoll nur „Justo“ genannt, begann seine aktive Karriere 1950 bei US Marocaine Casablanca. 1953 wechselte er nach Frankreich, spielte zunächst für den OGC Nizza (1953–1956) und anschließend für Stade Reims (1956–1962). Bei diesem Klub spielte er (wie in der Nationalmannschaft) mehrere Jahre mit hochkarätigen Offensivspielern (Piantoni, Vincent und Bliard) zusammen, die pro Saison zwischen 80 und 90 Treffer in der Division 1 erzielten, im Jahr von Kopas Rückkehr (1959/60) sogar 109 Tore in 38 Spielen. In Frankreich wurde Just Fontaine viermal Meister und zweimal Pokalsieger; außerdem war er zweimal Torschützenkönig in der höchsten Spielklasse. Mit Reims stand er zudem im Finale des Europapokals der Landesmeister 1959 gegen Real Madrid.
Als er 1960 zu Espanyol Barcelona wechseln wollte, erlitt er durch ein schweres Foul des Sochauxer Mittelstürmers Sékou Touré einen doppelten Beinbruch, von dem er sich trotz mehrerer Anläufe nie mehr richtig erholte. Zwei Jahre später, gerade genesen, brach er sich das rechte Bein erneut und beendete – mit nur 28 Jahren – seine aktive Laufbahn.
Ende 1961 wurde der streitbare Goalgetter zum ersten Präsidenten der französischen Spielergewerkschaft UNFP gewählt, er hatte diese Funktion bis 1964 inne. Fontaine war auch der erste französische Fußballspieler, der eine Schallplatte aufnahm (die Single Vas-y Fontaine und die LP Just Fontaine chante Gil Bernard).
Nationalmannschaft
Fontaine bestritt von 1953 bis 1960 insgesamt 21 Einsätze für die Équipe Tricolore, in denen er 30 Tore erzielte – dies ergibt einen sagenhaften Schnitt von 1,43 Treffern pro Spiel. In vier Partien gelang ihm dabei ein „Dreierpack“, im Spiel um Platz 3 gegen Deutschland bei der WM 1958 erzielte er sogar vier Tore.
Er hält auch den Torrekord bei einer Fußball-Weltmeisterschaft: Bei der Endrunde 1958 in Schweden erzielte er die bis heute gültige Bestmarke von 13 Treffern – dabei war Fontaine nur auf Grund der Verletzung seines Reimser Mannschaftskameraden René Bliard in die französische Elf gerückt.
Obwohl die Endrunde der Weltmeisterschaft 1958 das einzige Turnier war, an dem er teilnahm, wurde er erst nach den Weltmeisterschaften 1974 von Gerd Müller, 2006 von Ronaldo und 2010 von Miroslav Klose aus den Top 3 verdrängt.
Der Trainer

Nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn absolvierte Fontaine die Trainerausbildung, die er als Jahrgangsbester abschloss. Im Januar 1967 wurde er französischer Nationaltrainer, aber nach zwei Heimniederlagen in Freundschaftsspielen gegen Rumänien und die UdSSR bereits im Juli durch Louis Dugauguez ersetzt. Danach trainierte er unter anderem drei Jahre lang Paris Saint-Germain (1973–1976), mit dem er 1974 in die höchste Spielklasse aufstieg, sowie FC Toulouse (1978/79). Er war Anfang der 1980er außerdem Trainer der marokkanischen Nationalmannschaft.
Anschließend widmete sich der auch mit dem Titel Ritter der Ehrenlegion sowie von der Fachzeitschrift L’Équipe im Jahr 2000 als fünftbester französischer Fußballer des Jahrhunderts ausgezeichnete Fontaine seinen Justo Sport-Sportartikelgeschäften. Zudem besaß er zwei Lacoste-Läden.
Toulouse, die Heimat seiner Frau, mit der er seit 1960 verheiratet war, war lange Fontaines Lebensmittelpunkt. Über seinen Ruhestand bemerkte er 2011: „Ich verbringe meine Tage damit, Belote zu spielen, darüber hinaus schaue ich mir den African Nations Cup, die Premier League, die Bundesliga, die Serie A, La Liga an …“. In dieser Stadt verstarb er am 1. März 2023 im Alter von 89 Jahren und fand dort auch seine letzte Ruhestätte.
Rekorde bei Fußball-WM 1958
Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1958 schoss Just Fontaine insgesamt 13 Tore, womit er einige Rekorde aufstellte. Ein Teil davon besteht noch fort. So ist er bis heute (Stand: 19. Juli 2026) vor Sándor Kocsis (11, 1954), Gerd Müller (10, 1970) und Kylian Mbappé (10, 2026) einer von nur vier Spielern, die mindestens 10 Tore in einer einzelnen Fußball-Weltmeisterschaft erzielten. In jedem dieser Spiele schoss Fontaine mindestens ein Tor, in vier der sechs sogar mindestens jeweils zwei Tore. In zwei Begegnungen gelang ihm mindestens ein Hattrick, wobei er der einzige Spieler ist, dem dies während einer Fußball-Weltmeisterschaft gelang. Schließlich ist „Justo“ der Einzige, der in der K.-o.-Phase sogar vier Treffer – im kleinen Finale am 28. Juni 1958 gegen Deutschland – erzielte. Bis 1974 blieb er der Spieler mit den meisten Toren bei Endrunden, ehe Gerd Müller diese Marke im WM-Finale 1974 überbot. Mit 13 Toren war Fontaine über Jahrzehnte der erfolgreichste französische WM-Torschütze, ehe Kylian Mbappé diese Marke bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 überbot.
Erfolge
Als Spieler
- Französischer Meister: 1956 (mit Nizza), 1958, 1960 und 1962 (mit Reims)
- Französischer Pokalsieger: 1954 (Nizza), 1958 (Reims)
- Trophée des Champions: 1958, 1960
- Finalist im Europapokal der Landesmeister: 1959
- Torschützenkönig im Europapokal der Landesmeister: 1959
- Torschützenkönig in Frankreichs höchster Spielklasse: 1958, 1960 (sowie zweitbester Schütze 1957 und 1959)
- Einsätze und Torerfolge in der Division 1: 200 Spiele und 165 Tore (69/43 für Nizza, 131/122 für Reims)
- 21 A-Länderspiele, davon eins in seiner Zeit bei Nizza, 20 bei Reims, mit 30 Toren
- Weltmeisterschafts-Dritter 1958, dort auch WM-Torschützenkönig (13 Treffer)
- Fontaine gehört auch zu den besten Fußballern aller Zeiten, den FIFA 100, und 2004 wurde er als bester Franzose in die UEFA Jubilee 52 Golden Players gewählt
Als Trainer
- Nationaltrainer Frankreichs (1967, allerdings der kürzest amtierende selectionneur aller Zeiten) und Marokkos (1979–1981).
- Aufstieg mit dem Paris Saint-Germain FC in die Division 1 (1974)
Auszeichnungen
- FIFA-Verdienstorden 1994
- Golden Foot 2003
- Offizier der Ehrenlegion 2013
Anmerkungen und Nachweise
1904–1964, ohne Befugnis zur Mannschaftsaufstellung (entraîneur):
Fred Pentland |
Charles Griffiths |
Peter Farmer |
Robert Guérin |
André Billy |
André Espir |
Henri Chailloux |
Raoul Caudron |
Gaston Barreau |
Sid Kimpton |
Maurice Cottenet |
Gabriel Hanot |
Paul Nicolas |
Jean Rigal |
Paul Baron (Fußballspieler, 1895) |
Pierre Pibarot |
Jules Bigot |
Albert Batteux
Seit 1964, mit Befugnis zur Mannschaftsaufstellung (entraîneur-sélectionneur):
Henri Guérin |
Jean Snella /
José Arribas |
Just Fontaine |
Louis Dugauguez |
Georges Boulogne |
Ștefan Kovács |
Michel Hidalgo |
Henri Michel |
Michel Platini |
Gérard Houllier |
Aimé Jacquet |
Roger Lemerre |
Jacques Santini |
Raymond Domenech |
Laurent Blanc |
Didier Deschamps
Abderrahmane Ben Mahjoub | Abdellah Settati | Blagoja Vidinić | Abderrahmane Ben Mahjoub | Abdallah El Emmani | Virgil Mărdărescu | Just Fontaine | Hamadi Hamidouch | José Faria | Antonio Angelillo | Werner Olk | Blinda | Gílson Nunes | Henri Michel | Henryk Kasperczak | Humberto Coelho | Mustapha Madih | Badou Zaki | Philippe Troussier | Mohamed Fakhir | Henri Michel | Fathi Jamal | Roger Lemerre | Hassan Moumen | Eric Gerets | Rachid Taoussi | Hassan Benabicha | Badou Zaki | Hervé Renard | Vahid Halilhodžić | Hussein Ammouta | Walid Regragui
1930: Guillermo Stábile | 1934: Oldřich Nejedlý | 1938: Leônidas | 1950: Ademir | 1954: Sándor Kocsis | 1958: Just Fontaine | 1962: Garrincha / Flórián Albert / Walentin Iwanow / Dražan Jerković / Leonel Sánchez / Vavá | 1966: Eusébio | 1970: Gerd Müller | 1974: Grzegorz Lato | 1978: Mario Kempes | 1982: Paolo Rossi | 1986: Gary Lineker | 1990: Salvatore Schillaci | 1994: Oleg Salenko / Christo Stoitschkow | 1998: Davor Šuker | 2002: Ronaldo | 2006: Miroslav Klose | 2010: Thomas Müller | 2014: James Rodríguez | 2018: Harry Kane | 2022, 2026: Kylian Mbappé
1933: Walter Kaiser / Robert Mercier | 1934: István Lukács | 1935: André Abegglen | 1936: Roger Courtois | 1937: Oskar Rohr | 1938: Jean Nicolas | 1939: Roger Courtois / Désiré Koranyi | 1939–1945 keine offizielle Meisterschaft | 1946: René Bihel | 1947: Pierre Sinibaldi | 1948: Jean Baratte | 1949: Jean Baratte / Josef Humpál | 1950: Jean Grumellon | 1951: Roger Piantoni | 1952, 1953: Gunnar Andersson | 1954: Édouard Kargulewicz | 1955: René Bliard | 1956, 1957: Thadée Cisowski | 1958: Just Fontaine | 1959: Thadée Cisowski | 1960: Just Fontaine | 1961: Roger Piantoni | 1962: Sékou Touré | 1963: Serge Masnaghetti | 1964: Ahmed Oudjani | 1965: Jacques Simon | 1966: Philippe Gondet | 1967: Hervé Revelli | 1968: Étienne Sansonetti | 1969: André Guy | 1970: Hervé Revelli | 1971, 1972, 1973: Josip Skoblar | 1974: Carlos Bianchi | 1975: Delio Onnis | 1976, 1977, 1978, 1979: Carlos Bianchi | 1980: Delio Onnis / Erwin Kostedde | 1981, 1982: Delio Onnis | 1983: Vahid Halilhodžić | 1984: Delio Onnis / Patrice Garande | 1985: Vahid Halilhodžić | 1986: Jules Bocandé | 1987: Bernard Zénier | 1988, 1989, 1990, 1991, 1992: Jean-Pierre Papin | 1993: Alen Bokšić | 1994: Roger Boli / Youri Djorkaeff / Nicolas Ouédec | 1995: Patrice Loko | 1996: Sonny Anderson | 1997, 1998: Stéphane Guivarc’h | 1999: Sylvain Wiltord | 2000, 2001: Sonny Anderson | 2002: Djibril Cissé / Pauleta | 2003: Shabani Nonda | 2004: Djibril Cissé | 2005: Alexander Frei | 2006, 2007: Pauleta | 2008: Karim Benzema | 2009: André-Pierre Gignac | 2010: Mamadou Niang | 2011: Moussa Sow | 2012: Olivier Giroud / Nenê | 2013, 2014: Zlatan Ibrahimović | 2015: Alexandre Lacazette | 2016: Zlatan Ibrahimović | 2017, 2018: Edinson Cavani | 2019, 2020, 2021, 2022, 2023, 2024: Kylian Mbappé | 2025: Ousmane Dembélé / Mason Greenwood | 2026: Estéban Lepaul
