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Gemeinde im Landkreis Celle (Deutschland)

Eschede

Eschede

Das Wichtigste

Einwohnerzahl5.365
Fläche197km²
ist ein(e)Gemeinde in Deutschland ohne Stadtrecht, Einheitsgemeinde
StaatDeutschland
Höhe über dem Meeresspiegel87m
liegt in der VerwaltungseinheitLandkreis Celle
Rathaus Eschede (Am 23. April 2025 ist die Gemeindeverwaltung in die ehemalige alte Grundschule in der Bahnhofstr. 4 umgezogen)
Rathaus Eschede (Am 23. April 2025 ist die Gemeindeverwaltung in die ehemalige alte Grundschule in der Bahnhofstr. 4 umgezogen)

Eschede ist eine Gemeinde zwischen Celle und Uelzen, am Rand des Naturparks Südheide, in der Lüneburger Heide. Eschede gehört zum Landkreis Celle in Niedersachsen.

Geografie

Eschede liegt 19 km nordöstlich von Celle am Rand eines großen zentralen Waldgebiets mit Verbindung zum Lüßwald und ist mit der Stadt durch die Bundesstraße 191 sowie die Bahnstrecke Hannover–Hamburg verbunden.

Die Gemeinde Eschede ist eine Einheitsgemeinde und besteht aus den Ortschaften Eschede (Kernort), Habighorst, Höfer, Scharnhorst, Dalle, Endeholz und Marwede. Ortsteile und Siedlungsgebiete der Ortschaften sind unter anderem Aschenberg, Aschauteiche, Burghorn, Habighorster Höhe, Heeseloh, Kragen, Lohe, Marinesiedlung, Ohe, Queloh, Rebberlah, Schelploh, Starkshorn und Weyhausen.

Geschichte

NPD-Hof
NPD-Hof

Dieser Abschnitt behandelt ausschließlich die Geschichte der Ortschaft Eschede. Zur Geschichte der Ortschaften Habighorst, Höfer, Scharnhorst, Dalle, Endeholz und Marwede sehen Sie bitte die jeweiligen Artikel.

Die Verdener Geschichtsquellen nennen Eschede bereits in einer Urkunde vom Jahre 1227. Der Inhalt wird dort folgendermaßen zusammengefasst:

Kunigunde, Wittwe des Grafen Bernhard von Wölpe, welche sammt ihrem Gemahle und ihrem Sohne Konrad in die Brüderschaft der Verdener Kirche aufgenommen ist, verkauft dem Verdener Domcapitel unter Zustimmung des Bischofs Iso, als Vormundes seines Brudersohnes und ihres Sohnes, des Grafen Konrad, das Obereigenthum des halben Zehnten zu Eschede (Kirchsp. in d. A.-V. Beedenbostel), welchen Konrad vom Honhofe der Verdener Kirche verkauft und ihr und ihrem Sohne resigniert hat, und stellt dem Domcapitel Bürgen dafür, daß ihr Sohn, sobald er majorenn geworden, diesen Verkauf bestätigen soll. Neustadt, 30. März 1227. In nomine domini amen.

Im Februar 1900 wurde die Freiwillige Feuerwehr Eschede als Turnerfeuerwehr des Turnvereins Einigkeit gegründet.

In Eschede ereigneten sich im 20. Jahrhundert zwei schwere Unglücks- bzw. Katastrophenfälle:

  • Im Sommer 1975 kam es in der Umgebung von Eschede zum Brand in der Lüneburger Heide, einer Reihe von großflächigen Wald- und Heidebränden.
  • Am 3. Juni 1998 entgleiste auf der Bahnstrecke Hannover–Hamburg in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs von Eschede der ICE 884 „Wilhelm Conrad Röntgen“ und brachte die Brücke der Rebberlaher Straße zum Einsturz. Beim Eisenbahnunfall von Eschede kamen 101 Menschen ums Leben. Auslöser für die Katastrophe waren ein abgerissener Radreifen und eine darauf folgende Verkettung unglücklicher Ereignisse. Der Grund für den Radreifenriss war höchstwahrscheinlich mangelhafte Wartung der ICE-Räder.

Eingemeindungen

Am 1. Januar 1973 wurden die Gemeinden Dalle, Rebberlah, Starkshorn und Weyhausen eingegliedert. Am 1. März 1973 kamen Gebietsteile der Nachbargemeinde Unterlüß mit damals weniger als 50 Einwohnern hinzu. Zum 1. Januar 2014 erfolgte die Auflösung der Samtgemeinde Eschede; die ehemaligen Mitgliedsgemeinden Habighorst, Höfer und Scharnhorst wurden Ortsteile der neu gebildeten Gemeinde Eschede als Einheitsgemeinde.

NPD-Hof

Im Februar 2019 wurde vom NPD-Landesverband Niedersachsen in Eschede ein Bauernhof, nach dem Vorbesitzer „Hof Nahtz“ genannt, erworben. Danach fanden hier regelmäßig „Brauchtumsfeiern“ wie völkische Erntedankfeste, Sonnenwendfeiern oder Kinder- und Jugend-Zeltlager sowie Landesparteitage der NPD statt. Eine Bürgerinitiative hat 2021 etwa 41.000 Unterschriften gesammelt, um das NPD-Zentrum schließen zu lassen. Sie übergab die Liste Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius. Die NPD plante für den Hof einen Ausbau zu einem Gemeinschafts- und Schulungszentrum. Die Anwohner im Umkreis demonstrierten bereits mehrfach gegen die Präsenz verschiedener rechtsextremer Gruppen. Der Landkreis Celle untersagte aufgrund eines Verstoßes gegen die Niedersächsische Bauordnung einen Betrieb als Schulungszentrum.

Religion

Der mittelalterliche Kirchenbau dürfte auf die Zeit um 1220/30 stammen. 1712 wurde dieser Bau wegen Baufälligkeit abgerissen. An seiner Stelle errichtete der Maurermeister Diedrich Goldberg 1712/13 eine barocke Saalkirche.

Die Reformation wurde im Fürstentum Lüneburg 1527 durch Ernst den Bekenner eingeführt. Seit Mitte des 16. Jh. ist eine Kirchspielschule in Eschede belegt. In Eschede existiert die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde als Teil des Kirchenkreises Celle. Die Johanniskirche Eschede erhielt 1969 ihren Namen.

Bis 2017 gab es auch eine römisch-katholische Kirche mit St. Theresia vom Kinde Jesu, die profaniert wurde.

Politik

Rat

Ratswahl 2021
Wahlbeteiligung: 59,9 % (+6 %p)
 %
50
40
30
20
10
0
27,7 %
49,0 %
14,8 %
7,5 %
n. k.
1,0 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2016
 %p
 25
 20
 15
 10
   5
   0
  −5
−10
−15
−11,1 %p
+21,7 %p
−9,2 %p
+1,7 %p
−4,1 %p
+1,0 %p
Anmerkungen:
 
Bürger für Eschede
 
Einzelbewerber Gerd Soltendieck

Der Rat der Gemeinde Eschede setzt sich aktuell aus 16 Ratsfrauen und Ratsherren zusammen. Dies ist die gemäß § 46 NKomVG festgelegte Anzahl für eine Gemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 5.001 und 6.000. Die Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt.

Stimmberechtigt im Rat ist außerdem der hauptamtliche Bürgermeister. Neben dem Rat bestehen Ortsräte in den Ortschaften Eschede (Kernort), Habighorst und Höfer. In den Ortschaften Scharnhorst, Endeholz, Marwede und Dalle werden Ortsvorsteher durch den Rat benannt.

Bei der Kommunalwahl 2021 ergab sich folgende Sitzverteilung im Rat:

Rat der Gemeinde Eschede 2021
Insgesamt 16 Sitze

Die letzten Kommunalwahlen ergaben die folgenden Sitzverteilungen und Ergebnisse:

Kommunalwahl BÜFE 1 CDU SPD Grüne parteilos FDP UWG Gesamt
2021 8 Sitze (49,0 %) 5 Sitze (27,7 %) 2 Sitze (14,8 %) 1 Sitz (7,5 %) 0 (1,0 %) – – 16 Sitze
2016 4 Sitze (27,3 %) 6 Sitze (38,8 %) 4 Sitze (24,0 %) 1 Sitz (5,8 %) – 1 Sitz (4,1 %) – 16 Sitze
2011 – 8 Sitze (52,5 %) 5 Sitze (34,4 %) 2 Sitze (13,0 %) – – – 15 Sitze
2006 – 8 Sitze (53,5 %) 6 Sitze (37,9 %) – – – 1 Sitz (6,2 %) 15 Sitze
2001 – 8 Sitze 6 Sitze – – – 1 Sitz 15 Sitze
 
Bürger für Eschede

Bürgermeister

  • 1945–1946: Friedrich Stolte (Niedersächsische Landespartei)
  • 1964–1972: Hugo Reuter (* 1930; † 2021) (SPD)
  • 1973–1981: Heinrich Lange (* 1912; † 1992) (CDU), Ehrenbürger der Gemeinde Eschede
  • 1981–2005: Heinz-Jürgen Carstens (* 1942; † 2015)
  • 2005–2013: Gerd Bakeberg (CDU)
  • 2014–2021: Günter Berg; von 2006 bis 2013 war er Samtgemeindebürgermeister und Gemeindedirektor
  • seit 2022: Heinrich Lange (parteilos)

Ortsrat

Der Ortsrat, der den Kernort Eschede vertritt, setzt sich aus sieben Mitgliedern zusammen. Die Ortsratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt.

Ortsratswahl 2021
Wahlbeteiligung: 60,9 %
 %
60
50
40
30
20
10
0
29,1 %
(−27,4 %p)
15,7 %
(−14,3 %p)
8,7 %
(−4,8 %p)
46,5 %
(n. k.)
BÜFE d
20162021
Anmerkungen:
 
Bürger für Eschede

Bei der Kommunalwahl 2021 ergab sich folgende Sitzverteilung:

Ortsrat 2021
Insgesamt 7 Sitze

Kultur und Sehenswürdigkeiten

1978 zerstörte Glocken der Johanniskirche
1978 zerstörte Glocken der Johanniskirche
St.-Theresia-Kirche (2012)
St.-Theresia-Kirche (2012)
Friedhofskapelle
Friedhofskapelle
Flohrmühle
Flohrmühle
Herrenhaus in Lohe (Eschede), nahe den Loher Teichen
Herrenhaus in Lohe (Eschede), nahe den Loher Teichen
Die Aschauteiche
Die Aschauteiche
Die Aschau kurz nach Verlassen der Teichanlagen
Die Aschau kurz nach Verlassen der Teichanlagen
Die Aschau kurz vor Eschede im Erlenbruchwald
Die Aschau kurz vor Eschede im Erlenbruchwald
Feuchtgebiet des Quarmbaches, Nebenfluss der Aschau (nahe Eschede)
Feuchtgebiet des Quarmbaches, Nebenfluss der Aschau (nahe Eschede)
9 Bilder

Die Fahrbücherei des Landkreises Celle hat ihren Sitz in Eschede und steuert vierzehntäglich die Gemeinden und Ortsteile des Landkreises ohne Gemeindebücherei als Leihbibliothek an.

Der Kulturverein Randlage Eschede veranstaltet Vorträge, Musikabende und Ausstellungen in der alten Mühle (Musenmöhl).

Bauwerke

Natur und Tierwelt

Durch Eschede fließt aus Richtung Unterlüß die Aschau, deren Quellgebiet in den Loher Teichen liegt und die danach das große Teichgebiet Aschauteiche bildet. Die Teiche der Samtgemeinde haben insgesamt eine Fläche von 348 Hektar. Die Teichflächen sind seit 1982 Teil eines Wasserschutzgebietes. 1987 sind sie auch als Vogelschutzgebiet ausgewiesen worden. Seit 2003 ist das Gebiet EU-Vogelschutzgebiet und seit 2005 im Rahmen des EU-Naturschutzvorhabens Natura2000 dem FFH-Gebiet 86 „Lachte-Lutter-Aschau“ zugeordnet.

Da Eschede am Rand eines sehr großen Waldgebiets liegt, ist die Brunft des Rotwildes in Starkshorn bei Eschede eine herbstliche, geräuschvolle Attraktion, die Zuschauer aus ganz Niedersachsen anzieht. Dort versammeln sich jährlich knapp 200 Hirschkühe auf den Wiesen. Waldreiche Verbindungen nicht nur über Unterlüß weit nach Norden, sondern auch zu den Truppenübungsplätzen Munster und Bergen oder über Fuhrberg bis in die Nähe von Burgwedel (s. Lüßwald), sorgen auch für die Verbreitung des sich dort bereits zahlreich vermehrenden Wolfes. Im Februar 2014 gelang anhand eines Fotofallenbildes der Nachweis von zwei erwachsenen Wölfen im Raum Eschede, die mittlerweile ein eigenes Rudel gebildet haben.

Neben den Aschauteichen und den Loher Teichen befinden sich noch größere Teichflächen an der Bahnstrecke Hannover–Hamburg, die um 1845 beim Sandaushub für den Bahndamm dieser Trasse entstanden. Außerdem gibt es um Eschede viele Moore und Sümpfe und auch weitere Teiche, die oft versteckt in den umliegenden Wäldern liegen.

Wirtschaft, Verkehr und Einrichtungen

Ehemalige Molkerei Eschede, Bahnhofstraße
Ehemalige Molkerei Eschede, Bahnhofstraße

1907 gründete der Holsteiner Diedrich Bornholdt in der Bahnhofstraße eine Molkerei. 1923 ging daraus die August Strauß GmbH & Co. KG hervor. Zunächst handelte diese, wegen der anfangs geringen Milchanlieferung, nur mit Rohmilch. Bis 1949 stieg die Zahl der Milcherzeuger kontinuierlich bis auf 170 Betriebe. Die Verarbeitungstechniken änderten sich stetig. 1973 wurde die Milchanfuhr von Kannen auf Tanksammelwagen umgestellt. 1986 übernahm der Sohn von August Strauß den Betrieb, der dann unter der Firma Molkerei Eschede Günter Strauß GmbH, Gartenstraße 11 geführt wurde. Am 31. Dezember 2018 wurde die Molkerei, die zuletzt von 46 Landwirtschaftsbetrieben beliefert wurde, geschlossen und die Produktion eingestellt.

Seit Februar 2023 wird im Baugebiet "Im Scheuer Felde" am Ortseingang von Eschede das erste größere "kalte Nahwärmenetz" im Landkreis entwickelt und versorgt zukünftig rund 70 Baugrundstücke mit geothermischer Energie.

Verkehr

Öffentliche Einrichtungen

  • Rathaus Eschede, Bahnhofstraße 4
  • Polizeistation Lachendorf: Station in Eschede, Uelzener Straße 5–7
  • Freiwillige Feuerwehr, Jahnplatz 6
  • Grundschule am Glockenkolk in Eschede
  • Oberschule Lachendorf, Außenstelle Eschede, Bahnhofstraße 4

Persönlichkeiten

Weiterlesen

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Text aus der Wikipedia, CC BY-SA 4.0 · Quellartikel