Domeykit, auch unter den bergmännischen Bezeichnungen Arsenkupfer und Arsenikkupfer bekannt, ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ mit der chemischen Zusammensetzung α-Cu3As und damit chemisch gesehen ein Kupfer(I)-arsenid.
Domeykit kristallisiert im kubischen Kristallsystem und findet sich überwiegend als traubig-nierige bis massig-derbe Aggregate oder eingesprengt in Matrix. Das Mineral ist in jeder Form undurchsichtig (opak) und zeigt auf den Oberflächen der zinnweißen bis stahlgrauen Aggregate einen metallischen Glanz. Nach einiger Zeit an der Luft bekommt Domeykit einen zunächst gelblichen Überzug, der im weiteren Verlauf der Verwitterung hellbräunlich wird und schließlich bunt schillert. Die Strichfarbe von Domeykit ist dagegen immer grau bis schwarz.
Etymologie und Geschichte
Domeykit wurde nach Ignacy Domeyko (1802–1889), einem polnischen Geologen und Mineralogen benannt.
Eine erste Beschreibung des Minerals unter der Bezeichnung Arsenikkupfer findet sich 1837 in den Annalen der Physik und Chemie durch Zinken. Im Jahres-Bericht über die Fortschritte der Chemie (Volume 24, 1844) berichtet Jöns Jakob Berzelius von einem durch Domeyko in Coquimbo gefundenen Arsenikkupfer. Den heute gültigen Namen Domeykit erhielt das Mineral allerdings erst durch Wilhelm Ritter von Haidinger, der es in seinem 1845 erschienenen Handbuch der bestimmenden Mineralogie in die Ordnung der „Kiese“ einordnete.
Ein anderes, ebenfalls erstmals in der „Los Algodones Mine“ bei La Serena in der Region Coquimbo gefundenes und ursprünglich für gediegen Silber gehaltenes Arsenkupfer (Cu6As mit 83,5 % Kupfer und 16,5 % Arsen), wurde als Algodonit beschrieben.
Da der Domeykit bereits lange vor der 1958 gegründeten International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und der Domeykit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral bezeichnet. Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Domeykit lautet „Do“.
Das Typmaterial des Minerals (hier: Domeykite-alpha) wird im Muséum national d’histoire naturelle (MHN) in Paris (Frankreich) unter der Inventarnummer 64.193 und im Naturhistorischen Museum Wien (NHM) in Wien (Österreich) unter der Inventarnummer a3310 aufbewahrt.
Klassifikation
Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Domeykit zur Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort zur Abteilung „Legierungen (und legierungsartige Verbindungen) von Metallen mit den Halbmetallen As, Sb, Bi“, wo er gemeinsam mit Algodonit, Horsfordit (diskreditiert), Trigodomeykit, Koutekit, Novákit und Whitneyit in der „Whitneyit-Koutekit-Gruppe“ mit der Systemnummer II/A’.01 steht.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer II/A.01-020. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Legierungen und legierungsartige Verbindungen“, wo Domeykit zusammen mit Algodonit, Cuprostibit, Koutekit, Kutinait, Novákit und Domeykit-β eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer II/A.01 bildet.
Auch die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Domeykit in die Abteilung „Legierungen und legierungsartige Verbindungen“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metallen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Verbindungen von Halbmetallen mit Kupfer (Cu), Silber (Ag), Gold (Au)“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 2.AA.10b bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen und zuletzt 1997 veröffentlichten Systematik der Minerale nach Dana hat Domeykit die System- und Mineralnummer 02.02.02.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfidminerale“. Hier findet er sich in der nach ihm benannten „Domeykitgruppe“, in der auch Dienerit und Kutinait eingeordnet sind.
Kristallstruktur

Domeykit kristallisiert in der kubischen Raumgruppe I43d (Raumgruppen-Nr. 220) mit dem Gitterparameter a = 9,62 Å sowie 16 Formeleinheiten pro Elementarzelle.
Modifikationen und Varietäten
Bildung und Fundorte

Domeykit bildet sich hydrothermal zusammen mit Algodonit, Cuprit (Kupfer(I)-oxid), Kupfer, Silber und Nickelin (Rotnickelkies), mit dem sich Domeykit in dünnen Lagen abwechselt.
Als seltene Mineralbildung konnte Domeykit nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 90 Fundorten dokumentiert sind (Stand 2026). Neben seiner Typlokalität „Los Algodones Mine“ in der Región de Coquimbo fand sich das Mineral noch bei Chañarcillo und San Antonio in der Región de Atacama.
In Deutschland wurde Domeykit unter anderem bei Dörrmorsbach und an der Hartkoppe bei Sailauf in Bayern, bei Kastel in der saarländer Gemeinde Nonnweiler und auf Helgoland in Schleswig-Holstein gefunden. In Österreich trat Domeykit bisher nur in der Kupfer-Lagerstätte nahe der Gemeinde Flatschach in der Steiermark auf und in der Schweiz bisher nur in der Gemeinde Leysin im Kanton Waadt.
Die größten bekannten Lagerstätten liegen auf der Keweenaw Peninsula im US-Bundesstaat Michigan sowie in Talmessi und Anarak im Iran. Erwähnenswert aufgrund außergewöhnlicher Domeykitfunde ist unter anderem auch Běloves bei Náchod in der tschechischen Region Hradec Králové, wo massige Mineral-Aggregate von bis zu fünf Zentimetern Größe gefunden wurden.
Weitere Fundorte liegen in Argentinien, Bolivien, Frankreich, Italien, Kanada, Namibia, Neuseeland, Russland, Schweden, Ungarn, im Vereinigten Königreich (Großbritannien) und in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).
