Diadochit ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ mit der chemischen Zusammensetzung Fe3+2[OH|SO4|PO4]·6H2O und damit chemisch gesehen ein wasserhaltiges Eisen-Phosphat mit zusätzlichen Hydroxid- und Sulfationen.
Diadochit kristallisiert im triklinen Kristallsystem, findet sich jedoch überwiegend in knollenförmigen, massigen Mineral-Aggregaten oder krustigen Überzügen. Selten entwickelt er auch mikroskopisch kleine, sechsseitige, flache Kriställchen von hellgelber bis gelbbrauner, rötlichbrauner oder gelbgrüner Farbe.
Etymologie und Geschichte
Erstmals beschrieben wurde Diadochit 1837 durch August Breithaupt, der das Mineral nach dem altgriechischen Wort διάδοχος für Nachfolger benannte, da es als Sekundärmineral dem Pitticit (Fe3+2(AsO4)(SO4)(OH)·nH2O) durch Austausch von Arsen durch Phosphor nachfolgt.
Als Typlokalität gelten die Schieferbrüche bei Arnsbach, einem Ortsteil von Probstzella in Thüringen.
Das Typmaterial des Minerals wird in der Technischen Universität Bergakademie Freiberg (TU-BA) in Freiberg unter der Inventarnummer 20765 und im Muséum national d’histoire naturelle (MHN) in Paris (Frankreich) unter den Inventarnummern 80.1 und 80.2 aufbewahrt.
Da der Diadochit bereits lange vor der 1958 gegründeten International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und der Diadochit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral bezeichnet. Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Diadochit lautet „Ddc“.
Klassifikation
Bereits in der letztmals 1977 überarbeiteten und daher veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Diadochit zur Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort zur Abteilung „Wasserhaltige Phosphate, Arsenate und Vanadate mit fremden Anionen“, wo er gemeinsam mit Beraunit, Bermanit, Destinezit, Kakoxen, Kryzhanovskit, Pitticit (Status fraglich), Strunzit und Tinticit in der „Strunzit-Beraunit-Gruppe“ mit der Systemnummer VII/D.05 steht.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VII/D.05-020. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Wasserhaltige Phosphate, mit fremden Anionen“, wo Diadochit zusammen mit Bukovskýit, Destinezit, Hilarionit, Pitticit, Sarmientit und Zýkait eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VII/D.05 bildet.
Auch die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Diadochit in die Abteilung „Phosphate usw. mit zusätzlichen Anionen; mit H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und dem Stoffmengenverhältnis der zusätzlichen Anionen zum Phosphat-, Arsenat- beziehungsweise Vanadatkomplex. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit ausschließlich mittelgroßen Kationen; (OH usw.): RO4 < 1: 1“ zu finden, wo es zusammen mit Destinezit und Pitticit die „Diadochitgruppe“ mit der Systemnummer 8.DB.05 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen und zuletzt 1997 veröffentlichten Systematik der Minerale nach Dana hat Diadochit die System- und Mineralnummer 43.05.02.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Zusammengesetzte Phosphate, Arsenate und Vanadate“. Hier findet er sich als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 43.05.02.
Kristallstruktur
Diadochit kristallisiert triklin in der Raumgruppe P1 (Raumgruppen-Nr. 2) mit den Gitterparametern a = 9,57 Å; b = 9,72 Å; c = 7,31 Å; α = 98,7°; β = 107,9° und γ = 63,9° sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.
Varietäten und Modifikationen
Eine wasserfeste, feinkristalline Substanz mit ähnlicher Zusammensetzung (~20 % P2O5, ~27 % SO4) wird teils als Destinezit bezeichnet, teils als kristalline Varietät des Diadochits betrachtet. Mit hellbeigen bis graubraunen Krusten überzieht sie den Fels auch an trockenen, luftigen Stellen. Als Typlokalität gelten die Saalfelder Feengrotten (Thüringen).
Bildung und Fundorte


Diadochit bildet sich als Sekundärmineral bei der zum Teil mikrobakteriell induzierten Oxidation von Eisendisulfid (Markasit, Pyrit) und Phosphorit zu Schwefel- und Phosphorsäure, welche anschließend Eisen und andere Metalle aus den umgebenden Gesteinen lösen (Verdrängung schwacher Säuren durch starke). In ehemaligen Alaunschiefer-Bergwerken tritt er oft massenhaft auf und bildet hier zum Teil farbenprächtige Tropfsteine, Sintergebilde und Überzüge. Begleitminerale sind unter anderem Delvauxit, Pitticit, Vashegyit, Vivianit, Wavellit und anderen Phosphatmineralen.
Diadochit konnte bisher an mehr als 70 Fundorten nachgewiesen werden (Stand: 2009), so unter anderem bei Lubango in Angola; bei Mons, Visé und Anhée in Belgien; Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Thüringen in Deutschland; bei Huelgoat und Peychagnard in Frankreich; England in Großbritannien; Italien; im kanadischen Yukon; in den Gurktaler Alpen und bei Leoben in Österreich; Rumänien; Slowakei; im tschechischen Böhmen; Ungarn; sowie in mehreren Regionen der USA.
