Der Bab al-Mandab (arabisch باب المندب, DMG Bāb al-mandab ‚Tor der Tränen‘, andere Übersetzungen: Tor der Trauer oder Tor der Wehklagen), in Deutschland ebenfalls gebräuchlich ist die Schreibung Bab el-Mandeb, ist eine rund 27 Kilometer breite Meeresstraße. Sie verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden, der ein Teil des Arabischen Meeres und damit des Indischen Ozeans ist. Die Anrainerstaaten sind Jemen, Eritrea und Dschibuti.
Bab al-Mandab steht seit 2023 im Zentrum der Krise am Roten Meer durch die Angriffe der Miliz von Abdul-Malik al-Huthi auf die Handelsschifffahrt.
Geographie und Geschichte
Zwischen Bab al-Mandab und Kap Tschaplin an der Beringstraße liegt mit 10.940 km die größte Entfernung (Luftlinie) zweier Punkte innerhalb des asiatischen Kontinents. Im Bab al-Mandab liegen die unbewohnten Sawabi-Inseln.
Über Bab el-Mandab sollen frühe Menschen vom Typ Homo sapiens vor etwa 55.000 Jahren vom Afrikanischen Kontinent auf den Eurasischen gelangt sein, der Meeresspiegel war damals niedriger.
Schifffahrt und Piraterie
Alle Schifffahrtslinien von Europa zum Indischen Ozean (außer für Tanker, deren Tiefgang für eine Durchfahrt durch den Suezkanal zu groß ist und um das Kap der Guten Hoffnung fahren müssen) führen durch den Bab al-Mandab. Für den Schifffahrtsverkehr zwischen Europa und Asien hat der Bab al-Mandab eine ähnlich wichtige Bedeutung wie der Suezkanal. Saudi-Arabien führt im Zuge der im Frühjahr 2026 unterbrochenen Verbindung über die Straße von Hormus einen gewissen Teil seiner Ölexporte über diese Meerenge aus. Hierbei handelt es sich um bis zu 5,9 Millionen Barrel Rohöl pro Tag, die seither mit der Ost-West-Pipeline in den Hafen Yanbu gepumpt und von dort durch den Bab al-Mandab oder den Suezkanal exportiert werden.
Das Auswärtige Amt gibt seit mindestens 2015 für alle Anrainer-Länder eine Reisewarnung heraus. Der Bab al-Mandab gehört zusammen mit dem Golf von Aden zu den weltweit am meisten durch Piraterie gefährdeten Gebieten. Seit 2001 laufen in dem Seegebiet verschiedene internationale Marineoperationen zur Abwehr der Piraterie. An der ersten Operation 2001, Enduring Freedom, nahm auch die Deutsche Marine teil. Aktuell sind deutsche Kräfte im Rahmen der Operation Atalanta bis Februar 2027 dort eingesetzt, nachdem diese im Dezember 2024 um den entsprechenden Zeitraum verlängert wurde. Das Lagezentrum ist in Dschibuti.
Mit dem Beginn des Gaza-Krieges 2023 verstärkten sich die Angriffe der Houthi-Miliz vom Jemen aus auf die Schifffahrt durch den Bab al-Mandab. Verschiedene Länder schickten Kriegsschiffe zum Geleit und Abwehr von Angriffen der Huthi-Streitkräfte. Die US-Regierung startete die Operation Prosperity Guardian, um die Handels-Schifffahrt zu schützen. Mehrere Länder, darunter Großbritannien, Bahrain, Kanada, Frankreich, Italien, die Niederlande, Norwegen und die Seychellen wollen oder haben sich daran beteiligt. Die USA richteten die Combined Maritime Forces (CMF), eine multinationale Einsatzzentrale unter US-Führung mit Sitz am Standort der 5. US-Flotte in Bahrain ein. Die CMF hat 39 Mitglieder, darunter die NATO, Europäische Staaten sowie Länder des Nahen Ostens. Reedereien begannen dennoch, die Route durch das Rote Meer zu meiden und schickten viele ihre Schiffe nach und von Asien auf den 10 bis 14 Tage länger benötigenden Umweg über den Atlantischen Ozean und um das Kap der Guten Hoffnung.
Die von Iran unterstützte Huthi-Miliz im Jemen hat im Zusammenhang mit der Entwicklung im Irankrieg 2026 mit erneuten Angriffen auf Handelsschiffe gedroht. Der ranghohe Huthi-Vertreter Hussein al-Essi sprach im April 2026 auch von einer möglichen Schließung der Meerenge Bab al-Mandab. Die Huthi nötigten bereits zwei Supertanker, mit denen saudisches Rohöl vom Hafen Yanbu nach China und Indien gebracht werden sollte, am 21. Juli 2026 zur Umkehr. Den US-Präsidenten Donald Trump rief al-Essi auf, den „Frieden“ in der Region nicht weiter zu behindern.
Pläne zum Bau einer Brücke
Ein Unternehmen im Besitz von Tarek bin Laden plante 2008 den Bau einer Brücke über den Bab al-Mandab zwischen Jemen und Dschibuti über die dazwischen liegende Insel Perim. Das Projekt sollte Wirtschaft und Handel in der Region fördern sowie afrikanischen Muslimen die Pilgerfahrt nach Mekka erleichtern. Es wurde vermutet, dass auch Migranten, die gegenwärtig den gefährlichen Weg über Boosaaso nehmen, die Route nutzen würden; Kritiker äußerten, auch Terroristen könnten profitieren und leichter von der arabischen Halbinsel nach Afrika gelangen.
Es gab auch Vorschläge zum Bau eines Dammes am Bab al-Mandab, um das Rote Meer abzusperren und Energie aus Wasserkraft zu gewinnen: das Projekt Rotes-Meer-Damm.
