BHR 71, auch Sandqvist 136, ist eine isolierte Bok-Globule im Sternbild Fliege. Die etwa 200 Parsec beziehungsweise rund 650 Lichtjahre entfernte Dunkelwolke enthält mit BHR 71 IRS 1 und BHR 71 IRS 2 zwei Protosterne der Klasse 0. Beide Quellen treiben jeweils einen bipolaren Molekülabfluss an.
Eigenschaften
BHR 71 erscheint im sichtbaren Licht als kompakte Dunkelwolke, da der in ihr enthaltene interstellare Staub das Licht dahinterliegender Sterne abschwächt. Die Wolke wurde 1977 unter der Bezeichnung Sandqvist 136 in einen Katalog südlicher Dunkelwolken aufgenommen. Ihre heutige Bezeichnung stammt aus einem 1995 veröffentlichten Katalog kleiner südlicher Molekülwolken von Tyler L. Bourke, A. R. Hyland und Garry Robinson.
BHR 71 liegt in einer Entfernung von ungefähr 200 Parsec und besitzt eine Ausdehnung von etwa 0,5 Parsec. Für die Globule wurde eine Masse von ungefähr 40 Sonnenmassen und für das kalte Wolkengas eine kinetische Temperatur von rund 11 Kelvin bestimmt.
Protostellares System
Im Inneren der Globule befinden sich die Infrarotquellen IRS 1 und IRS 2. Ihr Winkelabstand beträgt etwa 17 Bogensekunden, was bei der angenommenen Entfernung einem projizierten Abstand von ungefähr 3400 Astronomischen Einheiten entspricht. Beide Quellen werden als Protosterne der Klasse 0 eingeordnet und befinden sich damit in einer frühen Phase der Sternentstehung.
IRS 1 ist die leuchtkräftigere Komponente. Aus räumlich aufgelösten Beobachtungen wurden bolometrische Leuchtkräfte von etwa 14,7 Sonnenleuchtkraften für IRS 1 und 1,7 Sonnenleuchtkräften für IRS 2 bestimmt. Ihre bolometrischen Temperaturen betragen etwa 68 beziehungsweise 38 Kelvin.
Beobachtungen des Gases zeigen auf großen räumlichen Skalen einen Geschwindigkeitsgradienten innerhalb des Wolkenkerns. Auf Skalen von weniger als etwa 1000 Astronomischen Einheiten rotiert das Gas um die beiden Protosterne jedoch in entgegengesetzte Richtungen. Da außerdem kein systematischer Geschwindigkeitsunterschied zwischen IRS 1 und IRS 2 festgestellt wurde, gilt eine Entstehung durch die rotationsbedingte Fragmentierung eines gleichmäßig rotierenden Kerns als unwahrscheinlich. Die Beobachtungen sprechen stattdessen für eine Bildung des Systems durch turbulente Fragmentierung.
Molekülabflüsse
Von beiden Protosternen geht jeweils ein bipolarer Molekülabfluss aus. Der von IRS 1 angetriebene Abfluss ist räumlich ausgedehnter und massereicher und dominiert die beobachtete Emission des Kohlenstoffmonoxids.
Beobachtungen mit dem Atacama Large Millimeter/submillimeter Array zeigten dort, wo sich Teile der beiden Abflüsse überschneiden, verbreiterte Spektrallinien und eine Änderung der Bewegungsrichtung des Gases. Die Autoren der Untersuchung werteten diese Merkmale als Hinweise auf eine Kollision zwischen den beiden protostellaren Ausflüssen.
Beobachtung im Infrarotbereich
Eine Falschfarbenaufnahme des Spitzer-Weltraumteleskops zeigt die beiden eingebetteten Protosterne und das durch ihre Ausflüsse angeregte Gas. Den bei verschiedenen infraroten Wellenlängen aufgenommenen Daten wurden dabei sichtbare Farben zugeordnet. Die grün, orange und rot dargestellten Strukturen geben daher nicht die tatsächlichen Farben des Gases wieder, sondern kennzeichnen unterschiedliche Infrarotwellenlängen und Temperaturen. Die grün dargestellten Bereiche zeigen heißes molekulares Wasserstoffgas in der Nähe der Protosterne; weiter außen erscheint das kühlere Gas in Orange- und Rottönen.
