Ananda Mahidol (RTGS: Ananthamahidon; Aussprache: ; auch Rama VIII.; voller Thronname Phrabat Somdet Phra Poramentharamaha Ananda Mahidol Phra Atthama Ramathibodin, Thai พระบาทสมเด็จพระปรเมนทรมหาอานันทมหิดลฯ พระอัฐมรามาธิบดินทร, * 20. September 1925 in Heidelberg, Deutschland; † 9. Juni 1946 in Bangkok, Thailand) war König von Thailand vom 2. März 1935 bis zu seinem Tode. Er entstammte der Chakri-Dynastie. Den größten Teil seiner Amtszeit war er minderjährig und lebte im Ausland, weshalb er von Regenten vertreten wurde. Erst am 5. Dezember 1945 übernahm er selbst die Funktionen des Staatsoberhaupts. Die Umstände seines Todes durch eine Schussverletzung sind bis heute ungeklärt.
Herkunft und frühe Kindheit

Prinz Ananda Mahidol wurde als erster Sohn von Prinz Mahidol Adulyadej, Fürst von Songkhla (einem Sohn von König Chulalongkorn), und Mom Sangwan (der späteren Prinzessinmutter Srinagarindra) geboren. Die Familie lebte zu jener Zeit im deutschen Heidelberg, wo sich der Vater wegen einer Nierenerkrankung behandeln ließ. Ananda Mahidols Vater war ein Prinz des höchsten Ranges (Chao Fa), seine Mutter hingegen eine Bürgerliche. Aufgrund der nicht standesgemäßen Verbindung trug er zunächst nur den nachrangigen Prinzentitel Mom Chao. Nach seiner Geburt sandte König Vajiravudh (Rama VI.), sein Onkel, am 13. Oktober 1925 ein Telegramm, in dem er ihn Ananda Mahidol (อานันทมหิดล) nannte, das heißt „Die Freude über Mahidol“. Ananda Mahidol ist auf Thailändisch ein Wort und der Vorname des Prinzen, er wird [] ausgesprochen. Als Nachnamen benutzte er den Namen Mahidol seines Vaters, sein vollständiger Geburtsname war somit Mom Chao Ananda Mahidol Mahidol. Er hatte eine ältere Schwester, Galyani Vadhana.
Die junge Familie zog 1926 nach Cambridge (Massachusetts), wo Prinz Mahidol an der Harvard University öffentliches Gesundheitswesen studierte und wo 1927 der jüngere Bruder Bhumibol Adulyadej zur Welt kam. Nachdem König Vajiravudh noch 1925 ohne männliche Nachkommen gestorben war, erhöhte der kinderlose neue König Prajadhipok (Rama VII.) 1927 Ananda Mahidol und seine Geschwister in den zweithöchsten Prinzenrang Phra Worawong Thoe Phra-ong Chao. Damit stiegen diese in der Reihe möglicher Thronfolger auf.
Nach dem Studienabschluss des Vaters kehrte die Familie Ende 1928 nach Siam zurück. Als Ananda vier Jahre alt war, starb sein Vater. Er wurde 1931 in die katholische Mater-Dei-Schule in Bangkok eingeschult und wechselte dann auf die renommierte Debsirin-Schule. Als Kind war er von schwächlicher Konstitution, bei ihm wurden Paralyse, Myasthenia gravis und Neurose diagnostiziert. Im Juni 1932 unternahm die konstitutionalistische Khana Ratsadon („Volkspartei“) einen Staatsstreich, der die absolute Monarchie in Siam beendete. Auf Anraten der Großmutter Savang Vadhana zog Mom Sangwan mit ihren drei Kindern im Juni 1933 in die Schweiz. Ein Grund war das angenehmere Klima, das der Gesundheit des Prinzen zuträglich sein sollte, ein anderer die größere Sicherheit vor möglichen Palastintrigen, politischen Auseinandersetzungen und Thronfolgestreitigkeiten.
Thronfolge und Jugend als minderjähriger König
Nach seinem Machtverlust und einem Konflikt mit der nun regierenden „Volkspartei“ dankte König Prajadhipok am 2. März 1935 ab. Er hatte keine Kinder, seine vollbürtigen Brüder (Söhne Chulalongkorns mit seiner Hauptfrau Saovabha Phongsri) waren ohne männliche Erben gestorben und Anandas älterer Cousin Prinz Chula Chakrabongse (1908–1963) war wegen seiner ausländischen Mutter von der Thronfolge ausgeschlossen.
So fiel die Königswürde an den erst neun Jahre alten Ananda Mahidol. Er hielt sich allerdings die meiste Zeit seiner Herrschaft in Lausanne auf, wo er die École Privée de Miremont, dann die École nouvelle de la Suisse romande besuchte. Ein Rat aus drei Regenten nahm stellvertretend für den jungen König die Funktionen des Staatsoberhaupts wahr, zunächst bestehend aus seinem Onkel 2. Grades Prinz Anuwat Chaturon (Oscar-nudis; 1883–1935), seinem Cousin Prinz Aditya Dibabha (1904–1946) sowie dem ehemaligen Innenminister Chao Phraya Yommarat (Pan Sukhum; 1862–1938). Prinz Oscar starb kurze Zeit später und wurde durch Chao Phraya Bijayendrayodhin (Um Indrayodhin; 1871–1942) ersetzt. Für den 1938 verstorbenen Chao Phraya Yommarat rückte (nach einer Vakanz von drei Jahren) 1941 der vormalige Finanzminister Pridi Phanomyong (1900–1983) nach. Nach dem Tod des Chao Phraya Bijayendrayodhin 1942 und dem Rücktritt von Prinz Aditya 1944 wurden keine neuen Regenten ernannt, sodass Pridi schließlich als einziger verblieb. Nur durch gelegentliche Reisen nach Thailand (erstmals im November 1938) hielt Ananda den Kontakt zum Land aufrecht.
Die deutschen Nationalsozialisten unterhielten gute Beziehungen zu Siam (Thailand) und setzten große Hoffnungen in den Jungen. 1936 widmete ihm die Zeitschrift Die Woche eine reich bebilderte Doppelseite (Titel: Der zehnjährige „Vetter des Morgenstern“) und schrieb:
„Ananda, der übrigens eine Schneiderstochter aus Heidelberg, Elisabeth Schnarrnberger (recte: Scharnberger), zur Tante hat […] sitzt vorläufig noch in Lausanne, muß Klavier üben, Regeldetrie lernen und, nicht zuletzt, sich technische Kenntnisse aneignen.“
Nach seinem Schulabschluss begann Ananda Mahidol 1943 ein Jurastudium an der Universität Lausanne. Er führte eine romantische Beziehung mit seiner Schweizer Kommilitonin Marileine Ferrari. Ehen mit bürgerlichen Frauen und insbesondere mit (nicht-asiatischen) Ausländerinnen wurden bei Mitgliedern der Königsfamilie grundsätzlich missbilligt, aber in Einzelfällen toleriert. Im Fall des Königs selbst galt dies aber als Gefahr für das Weiterbestehen der Monarchie, da Kinder von Ausländerinnen gesetzlich von der Thronfolge ausgeschlossen sind, und daher als unmöglich. Auch in der Schweiz waren zu der Zeit Ehen außerhalb des eigenen sozialen Kreises und insbesondere interkonfessionelle Ehen unüblich (Ferrari war die Tochter eines christlichen Pastors, Ananda Mahidol war Buddhist). Dass seine Liebe zu Marileine Ferrari keine Zukunftsaussicht hatte, wird als ein möglicher Grund für einen mutmaßlichen Suizid Ananda Mahidols angenommen – sowohl im 1964 erschienenen Buch The Devil’s Discus des südafrikanischen Schriftstellers Rayne Kruger als auch in einer akademischen Arbeit des Politikwissenschaftlers Pavin Chachavalpongpun aus dem Jahr 2021.
Zeit als regierender König

Mit seinem zwanzigsten Geburtstag am 20. September 1945 wurde Ananda Mahidol volljährig. Nachdem im selben Jahr auch der Zweite Weltkrieg geendet hatte, bat ihn die Regierung Thailands, in sein Land zurückzukehren. Am 5. Dezember 1945 kam er deshalb mit seinem Bruder, Prinz Bhumibol Adulyadej, und seiner Mutter nach Bangkok. Damit endete die stellvertretende Regentschaft und die Funktionen des Staatsoberhaupts gingen auf ihn selbst über. Er unternahm zahlreiche Reisen durch das Land, auf denen er sich über die Landwirtschaft und die Rechtsprechung informierte und gelegentlich Einfluss nahm, um Härten zu mildern und Verbesserungen herbeizuführen. Nach der Parlamentswahl im Januar 1946 ernannte er zunächst Khuang Aphaiwong und zwei Monate später Pridi Phanomyong zum Premierminister. Am 10. Mai 1946 unterzeichnete der König die neue, demokratische Verfassung Thailands.
Tod und Folgen
Am 9. Juni 1946 starb er im Alter von 20 Jahren in seinem Schlafzimmer im Borommaphiman-Palast, einem Gebäude des Großen Palasts in Bangkok, an einer Schussverletzung des Kopfes. In der ersten Erklärung des Amts des königlichen Haushalts wurde der Tod als Folge eines Unfalls dargestellt: Der König habe sich unabsichtlich selbst getötet. Obwohl einige Abgeordnete die Unfalltheorie bezweifelten, bestimmte das thailändische Parlament in einer Sondersitzung noch am selben Abend auf Vorschlag des Ministerpräsidenten Pridi Phanomyong Anandas jüngeren, noch minderjährigen Bruder Bhumibol Adulyadej zum neuen König.
Im Rahmen der Untersuchung des Falls kamen verschiedene Forensiker zu unterschiedlichen Erklärungsansätzen: Entweder hat sich Ananda selbst getötet, sei es aus Versehen oder absichtlich, oder eine andere Person hat ihn erschossen, was ebenfalls versehentlich oder absichtlich erfolgt sein könnte. Neben mehreren inländischen Experten beauftragte die thailändische Polizei auch den britischen Pathologen Keith Simpson, der von einem Mord ausging. Die anhaltenden Gerüchte um die Todesursache destabilisierten die Regierung des linksliberalen Ministerpräsidenten Pridi Phanomyong und trugen zu seinen Rücktritt am 21. August 1946 bei. Der Vorwurf aus royalistischen Kreisen und der oppositionellen Demokratischen Partei, dass Pridis Regierung für den Tod des Königs verantwortlich gewesen sei, war auch einer der Vorwände für den Militärputsch im November 1947, bei dem Pridis Nachfolger und Verbündeter Thawan Thamrongnawasawat abgesetzt und die demokratische Verfassung außer Kraft gesetzt wurde.
Folgt man der Theorie, dass sich Ananda nicht selbst getötet hat, sondern versehentlich von einem anderen getötet wurde, so käme dafür Bhumibol in Betracht. Die königliche Kinderbetreuerin Nueang Chintadulya bezeugte, dass beide Brüder in der Vergangenheit mit ihren Schusswaffen gespielt hatten. Die mit einem Diplomaten verheiratete amerikanische Autorin Margaret Landon schrieb in einem Brief, dass ihr eine thailändische Aristokratin einen Bericht über den Tod Anandas zugetragen habe, demzufolge Bhumibol seinen Bruder beim Spiel mit Waffen getötet hätte. Der Verdacht gegen Bhumibol wurde jedoch von keiner Seite öffentlich geäußert, da er dessen Thronfolge und damit den Weiterbestand der Chakri-Dynastie und der thailändischen Monarchie gefährdet hätte. Er wurde jedoch in Telegrammen zwischen dem damaligen britischen Botschafter in Thailand, Geoffrey Harington Thompson, und dem britischen Außenministerium thematisiert. Ein geplanter Besuch des neuen Königs in London wurde deshalb herausgezögert.
Ananda Mahidols einbalsamierte Leiche wurde bis zur Krönung seines Bruders aufgebahrt und erst dann – fast vier Jahre nach seinem Tod – verbrannt:
„In einem Behälter aus kostbarem Metall, der auf dem Gipfel einer Goldpyramide steht, wartet der einbalsamierte Leichnam des Königs Ananda Mahidol, daß er den Flammen übergeben werde. Er liegt in dem Tempel des ehemaligen Königsschlosses, unter einem mit silbernen Vorhängen geschmückten Dach aus lackierten Rosen. Rings herum sind zahlreiche kostbare karmesinrote Teppiche ausgebreitet, und die Statue eines ewig lächelnden Buddha leistet ihm Gesellschaft. Die Türen und Fenster des Palastes sind über und über mit goldenem Zierat bedeckt; an den Wänden stehen Götterstatuen, die aus dem seltenen Teakholz geschnitzt wurden. Den ganzen Tag eilen Priester lautlosen Schrittes durch die Gänge und Säle, leiern Gebete herunter und verneigen sich jedesmal, wenn sie bei dem Bild des Königs vorüberkommen, das stets von frischen Blumen umgeben ist. Seit fast vier Jahren wartet der tote König auf die letzte Ehre, die man ihm erweisen soll […].“
Während der Militärdiktatur von Plaek Phibunsongkhram wurden 1955 – fast neun Jahre nach dem Tod Anandas – der königliche Sekretär Chaliew Pathumrot sowie die beiden Pagen Busaya und Chit wegen Königsmords und Verschwörung zum Tode verurteilt und hingerichtet. Mittlerweile ist jedoch erwiesen, dass die drei unschuldig waren und Opfer der Politik und der Vertuschung durch das Königshaus wurden.
Sein Bruder und Nachfolger König Bhumibol richtete 1959 die Ananda-Mahidol-Stiftung ein, die sich die internationale Fortbildung von thailändischen Studenten zum Ziel gesetzt hat. Bhumibol äußerte sich 1979 in einem Interview mit dem BBC-Journalisten David Lomax für die Reportage Soul of a Nation: The Royal Family of Thailand zum Tod seines Bruders:
“The investigation provided the fact that he died with a bullet wound in his forehead. It was proved that it was not an accident and not a suicide. One doesn’t know …. But what happened is very mysterious, because immediately much of the evidence was just shifted. And because it was political, so everyone was political, even the police were political, [it was] not very clear. I only know [that] when I arrived he was dead. Many people wanted to advance not theories but facts to clear up the affair. They were suppressed. And they were suppressed by influential people in this country or in international politics.”
„Die Ermittlungen ergaben, dass er an einer Schusswunde an der Stirn starb. Es wurde nachgewiesen, dass es sich weder um einen Unfall noch um Selbstmord handelte. Man weiß es nicht … Aber was geschah, ist sehr rätselhaft, denn ein Großteil der Beweise wurde sofort einfach beiseitegeschoben. Und da es politisch war, waren alle politisch, sogar die Polizei war politisch, es war nicht sehr klar. Ich weiß nur, dass er tot war, als ich ankam. Viele Menschen wollten keine Theorien, sondern Fakten vorbringen, um die Angelegenheit aufzuklären. Sie wurden unterdrückt. Und sie wurden von einflussreichen Personen in diesem Land oder in der internationalen Politik unterdrückt.“
In Thailand darf die Todesursache aufgrund des strengen Gesetzes gegen Majestätsbeleidigung nicht öffentlich diskutiert werden.
