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pathogene Bakterien, Gattung der Familie Vibrionaceae

Vibrionen

Vibrionen

Das Wichtigste

ist ein(e)Taxon
wissenschaftlicher NameVibrio
taxonomischer RangGattung
beschrieben inGroße Sowjetische Enzyklopädie (1926–1947)

Vibrionen ist die eingedeutschte Bezeichnung für Bakterien der Gattung Vibrio, die mäßig bis stark salzbedürftig sind. Es handelt sich um gramnegative Bakterien, fakultativ anaerobe, gekrümmte Stäbchen. Die Geißeln sind meist polar angeordnet. Überdauerungsorgane wie Sporen werden nicht erzeugt. Humanpathogen sind neben dem bekannten Choleraerreger Vibrio cholerae auch Vibrio parahaemolyticus und Vibrio vulnificus, die beide in warmem Salzwasser vorkommen und für schwere Magendarminfektionen und Weichteilinfektionen verantwortlich sein können.

Merkmale

Die bekannteste Art, Vibrio cholerae, ist Erreger der Cholera. Es gibt zwei Stämme, den klassischen Stamm und den El-Tor-Stamm. Infektionen mit dem El-Tor-Stamm verlaufen in der Regel leichter und enden viel seltener tödlich. Ein weiterer wichtiger Krankheitserreger ist Vibrio parahaemolyticus, eine Art, die besonders in Japan durch Meeresfrüchte oder rohen Fisch übertragen wird und Brechdurchfall-Erkrankungen (Gastroenteritis) erzeugt.

In der Umwelt werden mehr als 70 Vibrio-Arten beschrieben; sie kommen vor allem in warmem Brackwasser vor, haften an Plankton und Algen und können sich in filtrierenden Muscheln wie Venusmuscheln und Austern anreichern.

Einige marine Arten wie Vibrio anguillarum können bei Fischen Krankheiten hervorrufen und somit in Fischfarmen große Schäden verursachen. Auch Vibrio ordalii wurde bei kranken Fischen gefunden.

Auch Produzenten des starken Nervengiftes Tetrodotoxin (TTX) oder anhydro-TTX wurden bei dieser Gattung nachgewiesen. anhydro-TTX ist eine im molekularen Aufbau leicht abweichende Variante dieses Giftes. Produktion von TTX wurde beispielsweise bei Vibrio alginolyticus nachgewiesen, anhydro-TTX auch bei Vibrio fischeri. Dieses Bakterium wird nach aktueller Systematik nun als Aliivibrio fischeri bezeichnet. Vermutlich sind Arten von Vibrio für die Giftproduktion verschiedener Kugelfische (Tetraodontidae) verantwortlich. So wurde Vibrio alginolyticus bei dem Kugelfisch Takifugu vermicularis gefunden. Allerdings wurde die Tetrodotoxinbildung durch Vibrionen wieder in Frage gestellt.

Arten (Auswahl)

Zu den Vibrionen-Arten gehören gemäß LPSN (Stand 8. September 2026, Auswahl):

  • Vibrio aerogenes Shieh et al. 2000
  • Vibrio algarum Butt et al. 2024
  • Vibrio alginolyticus (Miyamoto et al. 1961) Sakazaki 1968 – Siehe Kugelfische
  • Vibrio algivorus Doi et al. 2016
  • Vibrio anguillarum Bergeman 1909
  • Vibrio brasiliensis Thompson et al. 2003
  • Vibrio campbellii (Baumann et al. 1971) Baumann et al. 1981 [Beneckea campbellii Baumann et al. 1971 (Approved Lists 1980)]
  • Vibrio cholerae Pacini 1854 (Approved Lists 1980) [Vibrio albensis Lehmann & Neumann 1896 (Approved Lists 1980)] – Typusart
  • Vibrio chaetopteri Kurilenko et al. 2025
  • Vibrio coralliilyticus Pollock et al., 2010
  • Vibrio diabolicus Raguénès et al. 1997
  • Vibrio diazotrophicus Guerinot et al. 1982
  • Vibrio echinoideorum Hira et al. 2019
  • Vibrio eleionomae Enciso-Ibarra et al. 2023
  • Vibrio floridensis Grant et al. 2023
  • Vibrio fluvialis Lee et al. 1981 [Allomonas enterica Kalina et al. 1984]
  • Vibrio glycogenivorans Tong et al. 2026
  • Vibrio harveyi (Johnson & Shunk 1936) Baumann et al. 1981 [Lucibacterium harveyi (Johnson & Shunk 1936) Hendrie et al. 1970 (Approved Lists 1980)] – siehe Quorum Sensing §Die Bedeutung der Autoinduktoren im QS und Krabben §Bakterien
  • Vibrio injensis corrig. Paek et al. 2021
  • Vibrio japonicus Doi et al. 2017
  • Vibrio kanaloae Thompson et al. 2003
  • Vibrio lentus Macián et al. 2001
  • Vibrio madracius Moreira et al. 2015
  • Vibrio mangrovi Ramesh Kumar et al. 2011
  • Vibrio mediterranei Pujalte & Garay 1986
  • Vibrio methylphosphonaticus Wang et al. 2023
  • Vibrio metoecus Kirchberger et al. 2014
  • Vibrio metschnikovii Gamaleia 1888 (Approved Lists 1980) – siehe Krabben §Bakterien
  • Vibrio mimicus Davis et al. 1982
  • Vibrio natriegens (Payne et al. 1961) Baumann et al. 1981
  • Vibrio ordalii Schiewe et al. 1982
  • Vibrio parahaemolyticus (Fujino et al. 1951) Sakazaki et al. 1963 (Approved Lists 1980) – siehe Artikel „Thermolabiles Hämolysin“, „Thermostabiles direktes Hämolysin“, „Lebensmittelvergiftung“ §Lebensmittelinfektionen, „Seeigel“ §Fressfeinde und „Krabben“ §Bakterien
  • Vibrio pectenicida Lambert et al. 1998 – siehe Pycnopodia helianthoides (Sonnenblumen-Seestern)
  • Vibrio pomeroyi Thompson et al. 2003
  • Vibrio qingdaonensis Guo et al. 2023
  • Vibrio rhizosphaerae Ramesh Kumar & Nair 2007
  • Vibrio salinus Huang et al. 2023
  • Vibrio shilonii corrig. Kushmaro et al. 2001 [Vibrio shiloi Kushmaro et al. 2001] – siehe Bart-Feuerborstenwurm $Biologie
  • Vibrio splendidus (Beijerinck 1900) Baumann et al. 1981
  • Vibrio tasmaniensis Thompson et al. 2003
  • Vibrio thalassae Tarazona et al. 2014
  • Vibrio ulleungensis Moon & Park 2021
  • Vibrio viridaestus Li et al. 2020
  • Vibrio vulnificus (Reichelt et al. 1979) Farmer 1980 – siehe Artikel „Lebensmittelvergiftung“ §Lebensmittelinfektionen, Austern (Lebensmittel) §Gefahren und Krabben §Bakterien
  • Vibrio xiamenensis Gao et al. 2012
  • Vibrio zhanjiangensis Jin et al. 2026
  • Vibrio zhuhaiensis Jin et al. 2026
Verschiebungen

Nicht mehr zur Gattung Vibrio gehören

  • die früher als Vibrio fischeri bezeichnete Spezies Aliivibrio fischeri (Beijerinck 1889) Urbanczyk et al. 2007.
  • die früher als „Vibrio coli“, „Vibrio jejuni“ und „Vibrio fetus“ bezeichneten Campylobacter-Spezies C. coli (Doyle 1948) Véron & Chatelain 1973 (Approved Lists 1980) respektive C. jejuni (Jones et al. 1931) Véron & Chatelain 1973 (Approved Lists 1980) bzw. Campylobacter fetus (Smith & Taylor 1919) Sebald & Véron 1963 (Approved Lists 1980)

Viren

Zu den Vibrionen befallenden Viren, d. h. Bakteriophagen, gehören (Auswahl mit Stand 8. September 2026):

helikale Viren

Helikalen Aufbau haben

  • die Vibrio-Phage CTXφ (Spezies Affertcholeramvirus CTXphi, Familie Inoviridae), sowie Vibrio-Phage pre-CTX und pre-CT aus derselben Gattung. CTXφ infiziert einige Stämme von Vibrio cholerae, sowie Vibrio mimicus.
  • die Vibrio-Phagen fs1, ND1-fs1, VEJ [VEJph], VSK, VSKK, VGJ, VP24, VP24-2_Ke (Gattung Fibrovirus, Familie Inoviridae, per Vorschlag „Protoinoviridae“)
  • die Vibrio-Phagen fs2 und VFJ (Spezies Saetivirus, Familie Inoviridae, per Vorschlag „Protoinoviridae“)
  • den Vibrio-Phagen KSF1 (Spezies Capistrivirus KSF1, Familie Inoviridae)
  • den Vibrio-Phagen VAI1 (Spezies Vasivirus VAI, Familie Inoviridae)
  • die Vibrio-Phagen VALG_phi6, VfO3K6, VfO4K68, … (Gattung Versovirus, Familie Inoviridae)
  • den Vibrio-Phagen VCY (Spezies Vicialiavirus VCY, Familie Inoviridae)
  • die Vibrio-Phagen vB_VpI_FR1, V5, VALG_phi8, Vf33, Vf12 (Gattung Villovirus, Familie Inoviridae)
  • den Vibrio-Phagen XacF13 (Spezies Xylivirus XacF13, Familie Inoviridae)
Myoviren

Kopf-Schwanz-Aufbau (Klasse Caudoviricetes mit Morphotyp der Myoviren) haben

  • die Vibrio-Phage KVP40, ValKK3, VH7d (Gattung Schizotequatrovirus, Familie Straboviridae)
  • der Vibrio-Phage nt-1 (Spezies Mylasvirus persius, Familie Straboviridae)
  • der Vibrio-Phage CP-T1 (Spezies Comeauvirus CPT1) ud der Vibrio-Phage vB_VchM-138 (Spezies Comeauvirus cv138), beide „dwarf“ oder „small myoviruses“ (Plpelikevirus-Gruppe oder Myovirus-Mu-ähnliche Phagen).
  • der Vibrio-Phage VP882 (Spezies Hapunavirus VP882)
  • der Vibrio-Phage ICP1 (Spezies Mohonavirus ICP1)
  • die Vibrio-Phagen vB_VpaM_MAR, VHML und VP585 (Gattung Oonoonbavirus, früher Vhmlvirus)
Podoviren

Kopf-Schwanz-Aufbau (Klasse Caudoviricetes mit Morphotyp der Podoviren) hat

  • der Vibrio-Phage VpV262 (Spezies Vipivirus canadense, Familie Zobellviridae)
Siphoviren

Kopf-Schwanz-Aufbau (Klasse Caudoviricetes mit Morphotyp der Siphoviren) haben

  • die Vibrio-Phagen vB_VpaS_ MAR10 und SSP002 (Gattung Mardecavirus, früher Ssp2virus)
  • alle Phagen der Unterfamilie Ermolyevavirinae und Gattung Pogseptimavirus (beides FamilieDemerecviridae)
Viren mit ikosaedrischem Kapsid

Virionen mit dieser Morphologie haben

Vorkommen

Insbesondere die sogenannten Nicht-Cholera-Vibrionen kommen in der Ost- und Nordsee, vereinzelt auch in leicht salzhaltigen Binnengewässern, als Bestandteil der natürlichen Bakterienflora vor. Sie vermehren sich stark bei Wassertemperaturen über 20 °C und einem Salzgehalt von 0,5 bis 2,5 Prozent. In der internationalen Literatur wird eine Zunahme der Vibrio-Häufigkeit bereits ab Meerwassertemperaturen über etwa 15 °C und bei moderaten Salzgehalten beschrieben; marine Hitzewellen, regenbedingte Salzgehaltsänderungen und Nährstoffeinträge können die Häufigkeit zusätzlich erhöhen. Muscheln, insbesondere Austern, sind ein wichtiger Übertragungsweg, weil sie als Filtrierer Mikroorganismen aus der Wassersäule anreichern können.

Infektionen mit Vibrionen in der Ostsee gibt es regelmäßig in den Sommermonaten bei höheren Wassertemperaturen. Zur Risikogruppe gehören immungeschwächte, ältere Personen mit offenen Wunden, durch die beim Baden Bakterien eindringen können. Auch Todesfälle kommen vor. Der starke Anstieg von Vibrio-Infektionen in der Ostsee im Juli 2014 fiel mit einer Hitzewelle zusammen, die das flache Meer rasch erwärmte.

Durch die Erwärmung der Meere werden Vibrio-Arten auch in Regionen nachgewiesen, die früher für sie zu kalt waren; an der Ostküste der Vereinigten Staaten wurden sie inzwischen bis in den Bundesstaat Maine beobachtet. Für die Vereinigten Staaten schätzen Gesundheitsbehörden rund 80.000 Vibriosen und etwa 100 Todesfälle pro Jahr; die meisten Erkrankungen werden dort Vibrio parahaemolyticus zugeschrieben, während die meisten Todesfälle mit Vibrio vulnificus verbunden sind. Besonders gefährdet für schwere Verläufe sind Personen mit Lebererkrankungen, Immunsuppression, höherem Lebensalter oder Diabetes.

Die Spezies Vibrio pectenicida ruft bei einer Reihe von Meerestieren Krankheiten hervor:

Allein der Krankheit SSWD sind seit 2013 Milliarden von Seesternen aus 10 verschiedenen Arten zum Opfer gefallen, wobei der Sonnenblumen-Seestern die am schwersten betroffene Art ist.

Lebensmittelsicherheit und Klimawandel

Für rohe oder nur kurz erhitzte Meeresfrüchte ist das Vorkommen von Vibrio eine Gefahr für die Lebensmittelsicherheit, weil Temperatur, Salzgehalt und Handhabung nach der Ernte bestimmen, ob sich Keime vermehren können. In einer 2026 veröffentlichten Modellstudie zur tasmanischen Austern-Lieferkette erhöhten steigende Luft- und Wassertemperaturen sowohl die Vibrio-Häufigkeit im Meerwasser als auch die Anreicherung in Austern, wobei höhere Lufttemperaturen besonders stark auf Risiken nach der Ernte wirkten. Die Studie deutete außerdem darauf hin, dass Extremniederschläge vor allem Risiken im Zusammenhang mit Antibiotikaresistenz über Verschmutzungs- und Nährstoffpfade beeinflussen. Als besonders beeinflussbare Punkte nannte die Modellierung die Integrität der Kühlkette, Verbraucheraufklärung und sektorübergreifende Zusammenarbeit zwischen Umweltüberwachung, Lebensmittelaufsicht, Austernwirtschaft und öffentlicher Gesundheit. Im US-amerikanischen Muschelsektor sollen sogenannte Vibrio control plans die Vermehrung nach der Ernte begrenzen, indem Muscheln nach dem Fang rasch gekühlt und innerhalb festgelegter Fristen in Kühlung gebracht werden.

Analytik

In der Lebensmittelanalytik insbesondere bei Fischereiprodukten ist die Analytik von Vibrio cholerae, Vibrio parahaemolyticus und Vibrio vulnificus nötig. Der Ausschluss von enteropathogenen Vibrionen erfolgt mittels DIN EN ISO 21872-1 kulturell nach mehreren konsekutiven Anreicherungsschritten. Bestätigt wird klassisch biochemisch. Alternativ kann die Bestätigung auch mittels MALDI-TOF MS erfolgen.

Meldepflicht

In Deutschland ist der direkte oder indirekte Nachweis von humanpathogenen Vibrio spp. namentlich meldepflichtig nach § 7 des Infektionsschutzgesetzes, sofern der Nachweis auf eine akute Infektion hinweist; aber soweit ausschließlich eine Ohrinfektion vorliegt, nur bei Vibrio cholerae.

In der Schweiz ist lediglich der positive laboranalytische Befund zu Vibrio cholerae meldepflichtig und zwar nach dem Epidemiengesetz (EpG) in Verbindung mit der Epidemienverordnung und Anhang 3 der Verordnung des EDI über die Meldung von Beobachtungen übertragbarer Krankheiten des Menschen.

Forschungsgeschichte

Der dänische Zoologe Otto Friedrich Müller prägte den Begriff Vibrionen, aufgrund der zitterartigen Bewegung der Bakterien, welche sich mikroskopisch beobachten lässt.

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Text aus der Wikipedia, CC BY-SA 4.0 · Quellartikel