Die Silicon Saxony genannte Region zwischen Dresden, Freiberg und Chemnitz ist ein Standort der Computer-Chip (Chip)-Produktion. Sehr viele Mikroelektronik-, Halbleiter-, Photovoltaik- und Softwareunternehmen sind vor allem in Dresden selbst angesiedelt. Stand 2025 werden rund 3.600 Unternehmen mit etwa 83.000 Beschäftigten in Sachsen dem Silicon Saxony zugerechnet; rund ein Drittel der in Europa produzierten Chips kommt aus Silicon Saxony. Der gleichnamige Wirtschaftsverband vertritt die Interessen von über 700 einschlägigen Betrieben.
Begriff
Der Begriff Silicon Saxony hatte sich bereits in den 1990er Jahren in Anlehnung an das kalifornische Silicon Valley, den bekanntesten Standort der Halbleiter- und Computerherstellung der Welt, in den Boulevardmedien und im Volksmund weithin etabliert. Prominent wurde er, als das Time Magazine ihn 1998 als Überschrift eines Artikels über die Halbleiterindustrie in Dresden verwendete. Heute wird er für die Region zwischen Dresden, Freiberg und Chemnitz verwendet.
Vorläufer zu DDR-Zeiten
Der Grundstein für das heutige Silicon Saxony geht auf die Forschung und Entwicklung zu DDR-Zeiten zurück. Bereits 1969 gab es eine Arbeitsstelle für Molekularelektronik Dresden (AMD), aus der als Großinvestition das Zentrum für Forschung und Technologie Mikroelektronik (ZFTM) und schließlich das Forschungszentrum Mikroelektronik Dresden (ZMD) hervorging. In Dresden befand sich ab den 1970er Jahren auch das Stammwerk des Kombinats Robotron. Die DDR versuchte damit unter Einsatz erheblicher Mittel, den Rückstand in der Schaltkreistechnologie gegenüber westlichen Staaten aufzuholen. Ergebnis war unter anderem ein 1-MBit-Speicherchip 1988, der jedoch nicht marktfähig wurde. Das neue Halbleiterwerk in Dresden-Klotzsche sowie das dort zusammengezogene Fachwissen und Kompetenz in Form eigener und importierter Ausrüstung sowie hochqualifizierten Personals in Forschung und Entwicklung führten zu einem guten Ausgangspunkt zur Ausbildung des Clusters.
Entwicklung seit 1990




Kern des Clusters sind die großen Halbleiterfabriken der weltweit führenden Hersteller in Dresden selbst. Hier errichteten erst Siemens (heute Infineon) 1994 und dann AMD (heute Globalfoundries) 1996/97 ihre Werke. Im Jahr 2021 kam Bosch hinzu. TSMC baut seit 2024 im Rahmen eines Joint Ventures (European Semiconductor Manufacturing Company, ESMC) eine weitere Halbleiterfabrik in Dresden.
Ebenfalls schon seit den 1990er Jahren beteiligten sich die Hochschulen und Forschungseinrichtungen der Region, ihre An-Institute sowie Ausgründungen an einschlägiger Forschung. Heute sind dies insbesondere die Technische Universität Dresden, die Technische Universität Bergakademie Freiberg und mehrere Fraunhofer-Institute. Ein bedeutender Forschungsverbund ist das seit 2023 bestehende Cluster SEMECO (Secure Medical Microsystems and Communications), das medizinische Halbleiterplattformen und entsprechende Anwendungen entwickelt. Ein weiterer bedeutender Forschungs- und Firmenverbund ist Organic Electronics Saxony (OES), die vor allem in der Organischen Elektronik tätig sind.
Die meisten Betriebe des Silicon Saxony sind kleinere und mittlere Zulieferer, Dienstleister und Produzenten in verwandten Branchen. Für die Zuliefererbetriebe sind nicht nur die sächsischen Halbleiterfabriken, sondern der Export nach Taiwan und an andere Standorte weltweit wichtig.
Umfang im Jahr 2025
Mit Stand 2025 gilt Silicon Saxony als Europas größter Mikroelektronik-Standort und das Cluster umfasst etwa 3.600 Unternehmen mit rund 83.000 Mitarbeitern. Die Halbleiterwerke stellen zusammen etwa ein Drittel der in Europa produzierten Chips her.
Branchenverband
Der Wirtschaftsverband Silicon Saxony e. V. verbindet nach eigenen Angaben mehr als 700 Mitglieder aus den Bereichen Mikroelektronik und Informations- und Kommunikationstechnik (IKT), darunter Hersteller, Zulieferer, Dienstleister, Hochschulen, Forschungseinrichtungen, öffentliche Institutionen und Start-ups. Dessen Mitgliedsunternehmen und -institutionen beschäftigen nach Angaben des Vereins allein im Freistaat Sachsen mehr als 20.000 Menschen und erwirtschaften dort einen Jahresumsatz von über vier Milliarden Euro. Seit 2022 ist er im Lobbyregister des Bundestages eingetragen.
