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Insel in Griechenland

Limnos

Limnos

Das Wichtigste

Einwohnerzahl16.700
Fläche476km²
ist ein(e)Insel
StaatGriechenland
Höhe über dem Meeresspiegel0m
liegt in der VerwaltungseinheitNördliche Ägäis
Übersichtskarte
Übersichtskarte

Limnos (neugriechisch Λήμνος (f. sg.), altgriechisch Λῆμνος Lemnos) ist eine griechische Insel vulkanischen Ursprungs in der nördlichen Ägäis. Seit 2011 bildet die Insel die Gemeinde Limnos (Δήμος Λήμνου) und gemeinsam mit Agios Efstratios den Regionalbezirk Limnos in der Region Nördliche Ägäis. Nach der Volkszählung von 2011 zählte die Insel 16.992 Bewohner, zehn Jahre später waren es 16.411. Verwaltungssitz sowie wirtschaftliches und kulturelles Zentrum ist die rund 6.000 Einwohner zählende Stadt Myrina am Westrand der Insel.

Geographie

Satellitenbild, 2020
Satellitenbild, 2020
Tourkos-Felsen am Agios-Ioannis-Strand nahe Kaspakas nördlich der Hauptstadt Myrina
Tourkos-Felsen am Agios-Ioannis-Strand nahe Kaspakas nördlich der Hauptstadt Myrina
Myrina, im Vordergrund die venezianische Stadtbefestigung des 13. Jahrhunderts. Auf der antiken Akropolis wurde nach dem Vierten Kreuzzug eine Befestigung errichtet.
Myrina, im Vordergrund die venezianische Stadtbefestigung des 13. Jahrhunderts. Auf der antiken Akropolis wurde nach dem Vierten Kreuzzug eine Befestigung errichtet.
Ein Flamingo auf Lemnos, 2018
Ein Flamingo auf Lemnos, 2018
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Lage und Beschreibung

Die vulkanische Insel Limnos liegt in der nördlichen Ägäis zentral zwischen der Halbinsel Athos im Nordwesten und dem kleinasiatischen Festland im Osten. Die nächstgelegenen Inseln sind Samothraki 42 Kilometer nördlich, die türkische Insel Gökçeada 22 Kilometer nordöstlich und Agios Efstratios 31 Kilometer südlich.

Mit einer Fläche von 476 Quadratkilometern ist Limnos die neuntgrößte Insel Griechenlands. Sie erreicht in West-Ost-Richtung ihre maximale Ausdehnung von etwa 35 km. Die Nord-Süd-Ausdehnung im Osten beträgt vom Kap Plaka (Ακρωτήρι Πλάκα) dem nordöstlichsten Punkt der Insel zum Kap Agia Irini (Ακρωτήρι Αγία Ειρήνη) dem südöstlichsten 29 km. Im Westen liegt sie bei 18 km vom Kap Mourtzeflos (Ακρωτήρι Μούρτζεφλος) im Nordwesten zum Kap Tigani (Ακρωτήρι Τηγάνι) im Südwesten. Die schmalste Stelle mit etwa 4 Kilometern liegt zwischen dem tief in die Insel einschneidende Golf von Moudros (Κόλπος Μουδρου) im Süden und dem Golf von Pournia (Κόλπος Πουρνιας) im Norden. Durch drei Buchten weist die Insel eine stark strukturierte Küstenlinie auf, mit dem westlichen Hauptteil und zwei Halbinseln im Osten und Süden. In den ausgedehnten Küstenmarschen der Osthalbinsel liegen die beiden Brackwasserseen Chortarolimni (Χορταρολίμνη) und Asprolimni (Ασπρόλιμνη) sowie die etwa 6,7 km² große Salzlagune Alyki (Αλυκή Λήμνου), die größte auf einer griechischen Insel.

Die Oberfläche ist sanft, überwiegend flach und ohne deutliche Ausprägung des relativen Reliefs. Die wenigen hügeligen Gebiete weisen abhängig von der Geologie und der nachfolgenden Erosion entweder weich gerundete Formen und seltener steile Klippen auf. Limnos erreicht mit der Vigla (Βίγλα) im hügeligeren Nordwesten 470 m, im Südosten 250 m und mit dem Skopos (Σκοπός) auf der Halbinsel Fakos (χερσόνησος Φακός) 319 m Höhe. Die für die Landwirtschaft geeigneten Flächen befinden sich überwiegend im Zentral- und im Ostteil der Insel. Dabei sind die Niederschlagsmengen gering, die meisten Bäche trocknen im Sommer aus. Um die Aliki-Lagune und im Norden der Insel finden sich ausgedehnte Sanddünen, etwa um die Strände von Katalakos und Gomati; die Strände sind rund 260 km lang. Das Hinterland ist von vulkanischen Strukturen und Tafoni gekennzeichnet.

Geologie

Die Geologie weist Sedimentlagen aus dem Oligozän auf, darüber vulkanischen Fels aus dem frühen Miozän (die zeitliche Grenze verläuft bei etwa 23 Millionen Jahren). Diese Schichten sind im Mittel weniger als 800 m dick. Dabei ist die Fissini-Sardes-Einheit die am weitesten verbreitete auf der Insel; in den tieferen Schichten weist sie Sandstein auf, mit grünlichem Schluff und Schiefer, auch Tuff, ein pyroklastisches Weichgestein. In den mittleren und oberen Schichten finden sich wieder dicke Lagen von Sandstein und Lehm. Die Ifestia-Einheit besteht überwiegend aus grobkörnigem Sandstein und Konglomerat, vor allem aber weist sie eine stark erodierte Oberfläche auf, die in Zusammenhang mit der vulkanischen Aktivität steht. Die Therma-Einheit, die ebenfalls aus Konglomerat besteht, bedeckt nur Teile der östlichen und südöstlichen Insel. Diese hängt mit dem beginnenden vulkanischen Zyklus zusammen, der die Insel über den Meeresspiegel hob. Diese Schicht wird ins mittlere Eozän und das frühe Miozän datiert, wie Fossilien erweisen.

Jüngere Untersuchungen konnten erweisen, dass die Schicht aus vulkanischem Sedimentgestein bis zu 2,2 km dick ist, und dass sie zeitlich vom Eozän bis zur besagten Grenzschicht reicht, wo sich auch die Überreste von Lavaströmen zeigen, vor allem im mittleren und südlichen Inselteil. Eine jüngere Phase vulkanischer Aktivität ereignete sich vor rund 18 bis 19 Millionen Jahren.

Orte

Die etwas mehr als 16.000 Einwohner verteilen sich sehr ungleichmäßig über die Insel. Allein der Hauptort Myrina (griechisch Μύρινα) hatte im Jahr 2021 gut 6.000 Einwohner, seine Geschichte reicht bis in die Frühe Bronzezeit zurück.

Der Ort Poliochni (griechisch Πολιόχνη) ist über 6.000 Jahre alt. Seine urbane Phase erstreckte sich gleichfalls über die Frühe Bronzezeit. Archäologische Spuren weisen darauf hin, dass seine Gründer derselben Kultur wie jene Trojas angehörten.

Der Ort Moudros (griechisch Μούδρος) hat gut tausend Einwohner. Hier wurde am 31. Oktober 1918 der Waffenstillstand zwischen dem Osmanenreich und der Entente geschlossen, womit hier der Erste Weltkrieg endete.

Klima

Die geringe Niederschlagsmenge in Verbindung mit starken und häufigen Winden aus Nord bis Nordost geben Limnos ein unverwechselbares trockenes Mesoklima. Das Klima ist subhumid bis fast semiarid. Der durchschnittliche Jahresniederschlag beträgt etwa 500 Millimeter, mit einem Maximum im Dezember und Januar. In Bezug auf die Windexposition nimmt die Insel eine Sonderstellung ein. Limnos ist in der Verlängerung der Dardanellen gelegen, die ähnlich einem schmalen Windkanal auf die Insel ausgerichtet sind. Im Zeitraum von 1958 bis 2010 lag beim Flughafen Limnos die absolute Höchsttemperatur bei 39,4 °C, die Tiefsttemperatur bei −6,0 °C. Mit 2734 Sonnenstunden nimmt Lemnos selbst in Griechenland einen Spitzenplatz ein.


Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Mittl. Temperatur (°C) 7,4 7,7 9,7 13,6 18,4 23,6 25,9 25,2 21,5 16,9 12,3 9,0 ⌀ 16
Mittl. Tagesmax. (°C) 10,6 10,7 12,8 17,0 21,9 27,1 29,3 28,7 25,2 20,3 15,5 12,1 ⌀ 19,3
Mittl. Tagesmin. (°C) 4,2 4,3 5,9 8,7 12,9 17,1 20,1 20,3 16,5 12,8 9,0 5,9 ⌀ 11,5
Niederschlag (mm) 65,5 47,8 51,4 38,6 23,3 15,1 8,9 6,8 24,9 43,3 76,6 84,4 Σ 486,6
Regentage (d) 10,0 8,6 8,9 8,8 6,6 4,7 2,1 2,3 3,3 6,7 9,8 11,6 Σ 83,4
Luftfeuchtigkeit (%) 77,2 74,8 75,0 73,8 68,4 59,7 56,6 61,0 66,7 73,5 77,8 78,6 ⌀ 70,2

Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Lemnos International Airport „Hephaestus“
Quelle: National Meteorological Service of Greece, 1958–2010

Flora und Fauna

Rund 40 % der Fläche der Insel werden vieh- oder landwirtschaftlich genutzt. Während früher der Obstanbau eine größere Rolle spielte, so dominiert heute Weizen, aber auch Wein, bzw. die Haltung von Schafen und Ziegen, aber auch Pferde und Esel. Die einstigen Baumwollfelder in den Küstenebenen, angelegt in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts und bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts, unterhalten, verschwanden, als die Baumwollbauern nach Ägypten auswanderten, um dortige Bauern im Anbau von Baumwolle zu „schulen“. Insgesamt ist die Insel sehr stark von menschlichen Einflüssen geprägt, wenn sie auch auf viele Besucher einen „natürlichen“ Eindruck macht.

Dennoch weist Lemnos entsprechend seiner landschaftlichen Vielfalt, aber im Widerspruch zum Augenschein, mindestens 681 Pflanzenarten auf, wie 2012 konstatiert wurde. Bis 2021 stieg die Zahl der bekannten Arten sogar auf 1050.

Dabei ist die Insel fast ohne Baumbestände, erst 1981 wurden Überreste eines Eichenwaldes entdeckt, nämlich von Taboreichen (Quercus ithaburensis subsp. macrolepis). Dies wird einerseits auf die agrarische Nutzung der tiefer gelegenen Gebiete zurückgeführt, vor allem aber auf Schafe und Ziegen. Zuvor war die Insel ausgesprochen waldreich, wie zahlreiche, aber kleine Restbestände, manchmal nur einzelne Bäume, annehmen lassen. Es bestehen lediglich wenige Restbestände der Macchia südlich von Ag. Dimitrios (Kermeseiche) und nördlich von Kornos – dort vereinzelte Heideflächen mit Pfriemenginster auf der Anhöhe in der Mitte des westlichen Teils der Insel, sowie einige Eichen in der Nähe von Kondias und Kondopouli, in der Mitte des östlichen Teils.

Zur Fauna gehören diverse Reptilien und zwölf seltene und geschützte Säugetierarten, wie die Mittelmeer-Mönchsrobbe oder auch Delphine. An Schildkröten sind die Unechte Karettschildkröte sowie die geschützte Kaspische Bachschildkröte hervorzuheben. Auch sind mindestens 40 Fischarten nachgewiesen. Schließlich tragen ganze Wiesen von Neptungräsern und Riffformationen zum Ruf von Lemnos als Insel mit dem besterhaltenen Ökosystem in Griechenland bei.

Insgesamt wurden in einer vierjährigen Untersuchung 87 Vogelarten in landwirtschaftlicher Umgebung registriert, von denen 32 auf der Insel brüteten und weitere 38 Zugvögel dort Rast machten. Dabei traten unter den vor Ort brütenden Arten am häufigsten der Weidensperling, die Rabenkrähe, dann Dohlen und schließlich der Haussperling am häufigsten auf.

Mythologie

Waffen und Werkzeuge aus Poliochni, 3. Jahrtausend v. Chr., Archäologisches Nationalmuseum Athen
Waffen und Werkzeuge aus Poliochni, 3. Jahrtausend v. Chr., Archäologisches Nationalmuseum Athen

In der griechischen Mythologie war Limnos die Insel des Hephaistos, der in den Vulkanen dieser Insel seine Schmiede hatte. Er wurde besonders bei einem „Erdfeuer“ in der Nähe der Stadt Hephaisteia im Norden der Insel verehrt. Auch die Kabiren, die Söhne des Hephaistos, hatten hier ihren Kult.

Ein anderer Mythos berichtet von dem sogenannten lemnischen Frevel. Demnach brachten die Frauen von Limnos alle Männer um, um selbst zu regieren. Als ihnen dann die Männer zur Fortpflanzung fehlten, versuchten sie, die Argonauten zu verführen – nur mit Mühe konnte Herakles die Männer zur Weiterfahrt überreden. Auf dem Feldzug gegen Troja wurde Philoktet hier von den Griechen zurückgelassen.

Geschichte

Fundstücke von der Grabungsstätte Ouriakos im Archäologischen Museum Lemnos
Fundstücke von der Grabungsstätte Ouriakos im Archäologischen Museum Lemnos
Stele von Kaminia, 6. Jahrhundert v. Chr.
Stele von Kaminia, 6. Jahrhundert v. Chr.
Das partiell wieder aufgebaute Theater von Hephaestia
Das partiell wieder aufgebaute Theater von Hephaestia
Machtbereich Athens um 431 v. Chr.
Machtbereich Athens um 431 v. Chr.
Makedonien um 200 v. Chr.
Makedonien um 200 v. Chr.
Silberne Tetradrachme aus Myrina, um 150 v. Chr., 16,44 g, 33 mm Durchmesser, „ΜΥΡΙΝΑΙΩΝ“
Silberne Tetradrachme aus Myrina, um 150 v. Chr., 16,44 g, 33 mm Durchmesser, „ΜΥΡΙΝΑΙΩΝ“
Athener Gebiet (rötlich markiert) um die Zeit des Kaisers Augustus
Athener Gebiet (rötlich markiert) um die Zeit des Kaisers Augustus
Lemnos im Gebiet des Lateinischen Kaiserreichs, benachbarte Herrschaftsgebiete bis Venedig
Lemnos im Gebiet des Lateinischen Kaiserreichs, benachbarte Herrschaftsgebiete bis Venedig
Karte der nördlichen Ägäis im Atlante Veneto von 1691/92; sie nennt ausdrücklich die Besitzwechsel der Insel ab 1204
Karte der nördlichen Ägäis im Atlante Veneto von 1691/92; sie nennt ausdrücklich die Besitzwechsel der Insel ab 1204
Windmühlen bei Kontias
Windmühlen bei Kontias
Die britisch-französische Flotte vor Moudros, 1918
Die britisch-französische Flotte vor Moudros, 1918
Die Kirche von Nea Koutali
Die Kirche von Nea Koutali
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Ur- und Frühgeschichte

Als ältester Nachweis menschlicher Anwesenheit auf Limnos gilt die 2020 entdeckte Freilandstation Pournias im Norden der Insel, 2 km westlich der Pournias-Bucht. Die 185 steinernen Artefakte, von denen nur 47 vollständig sind, bestehen hauptsächlich aus Chalcedon, zu geringem Anteil aus Radiolarit und Hornstein sowie Kalkstein. Die Gesteinsarten finden sich im Umkreis von 15 km um die Fundstätte. Insgesamt sind 48 Stücke retuschiert, alle Artefakte entstammen, da sie in gleicher Weise bearbeitet wurden, demselben Zeithorizont und sind dem Aurignacien zuzuordnen, der Zeit der frühen Anwesenheit des jungpaläolithischen Menschen. Zu dieser Zeit war Limnos Teil einer kleinasiatischen Halbinsel, da der Meeresspiegel etwa 80 m tiefer lag als heute.

Die von 2006 bis 2020 als Nachweis der frühesten menschlichen Anwesenheit auf der Ägäisinsel geltende Fundstätte Ouriakos im Südosten wird seit ihrer Entdeckung im Jahr 2006 untersucht. Sie wurde in das späte Jüngere Dryas, genauer in die Mitte des 11. Jahrtausends v. Chr. datiert. Wegen der großen Anzahl von Mikrolithen wird der Fundort als Lagerplatz von Jäger- und Sammlergruppen gedeutet. Die Fundstätte, die (Stand: 2025) noch immer untersucht wird, erstreckt sich über ein Areal von mindestens 1500 m². Diese frühe Siedlung entstand erst, nachdem sich Lemnos und Imbros (als zusammenhängende Insel) vom äußersten Westrand Kleinasiens getrennt hatten, weil der Meeresspiegel nach dem letzteiszeitlichen Maximum, der bis zu 135 m unter dem heutigen lag, wieder anzusteigen begonnen hatte. Limnos blieb über eine nach und nach schmaler werdende Landbrücke mit Imbros verbunden, doch war die lange Halbinsel nunmehr vom Festland getrennt. Allerdings lag die Südküste von Limnos zu dieser Zeit noch etwa 2 km weiter südlich, so dass das Meerwasser die Überreste der Siedlung in diesem Gebiet später verschlungen haben muss.

Aufgrund seiner Lage spielte Limnos seit der Frühbronzezeit (ca. 3200–2000 v. Chr.) eine bedeutende Rolle im Ägäishandel. Die Insel verfügte über ein bemerkenswertes Siedlungsnetz, bevorzugt auf Halbinseln (wie Hephaisteia ab dem 14.–12. Jahrhundert v. Chr.) oder niedrigen Hügeln in Küstennähe mit fruchtbarem Umland und sicheren Ankerplätzen. Neben den beiden großen Siedlungszentren Myrina im Westen und Poliochni im Osten existierten mit Ausnahme des Nordwestens in allen Küstenregionen Siedlungen. Besonders dicht war die Besiedlung um den Golf von Moudros. Die heutige Insel Koukonisi war im Gegensatz zu Poliochni durchgehend besiedelt. Im Inselinneren sind deutlich weniger Siedlungen bekannt.

Eine frühe Erwähnung der Insel findet sich bereits auf Linear-B-Täfelchen aus dem Palast im mykenischen Pylos. Dort ist das weibliche Ethnikon 𐀨𐀖𐀛𐀊 ra-mi-ni-ja (Lāmniai) aufgeführt, aus dem hervorgeht, dass man „Sklavinnen aus Lamnos“ unterhielt. Von dem Ethnikon kann auf den mykenischen Namen ra-mo-no (Lāmnos) für die Insel geschlossen werden.

Pelasger, Griechen, Tyrsener

Offenbar lebten verschiedene ethnische Gruppen zumindest zeitweilig auf der Insel. Homer (Ilias A 593–594) erwähnt die „Sintier“, Herodot (6, 136) die Pelasger; zudem werden auch die Karier und Minoer genannt. Eines der wenigen Schriftzeugnisse für derlei Kontakte ist die „Stele von Kaminia“, die sich heute im Nationalen Archäologischen Museum zu Athen befindet. Die Grabstele, wohl für einen im Flachrelief dargestellten Soldaten, ist mit einer langen Inschrift in der ausgestorbenen tyrrhenischen Sprache versehen und stammt aus dem 6. Jahrhundert v. Chr.

Um 800 v. Chr. wurde Limnos von Griechen erobert, die jedoch nach etwa 100 Jahren von den Tyrsenern wieder vertrieben wurden. Erst nach der Eroberung durch Miltiades (der sich dabei skurrilerweise auf den „lemnischen Frevel“ berief) gegen Ende des 6. Jahrhunderts konnten die Griechen hier endgültig Fuß fassen.

In die Zeit der tyrsenischen Herrschaft wird eine 1885 entdeckte Grabstele datiert, deren Inschrift man der nun als lemnisch bezeichneten Sprache zuordnet und die Verwandtschaftsbeziehungen zum Etruskischen aufweist. Dieser Fund belebte die bereits in der Antike aufgenommene Diskussion über die Herkunft der Etrusker neu, deren Wirken man eigentlich auf das Gebiet zwischen der westlichen Apennin-Halbinsel (ausgehend von Etrurien), Sardinien und Sizilien begrenzt.

Die wichtigsten Städte seit dem 8./7. Jahrhundert v. Chr. waren Myrina an der Westküste und Hephaestia (Ifaistia) im Norden. Sie prägten ab der Mitte des 4. Jahrhunderts v. Chr. eigene Münzen. Das klassische Lemnos war dicht besiedelt und verfügte über zahlreiche Dörfer und Hofanlagen.

Athen (ab dem späten 6. Jahrhundert v. Chr.), Rom (ab 166 v. Chr.)

Die Athener besetzten die Insel wohl nach 510 v. Chr. unter Miltiades und siedelten dort um 475/460 v. Chr. zur Zeit Kimons Kolonisten an. 494 hatten die Perser die Insel besetzt, die Einwohner wurden gezwungen, auf der Seite ihres Großkönigs Xerxes zu kämpfen. 477 trat die Insel dem delisch-attischen Seebund bei.

Dies hatte zur Folge, dass Städte wie Hephaisteia den Bedürfnissen der neuen Siedler entsprechend, stark umgebaut wurden, was sich in einer deutlichen Trennung der drei Sphären niederschlug, nämlich des Öffentlichen (etwa das Theater, in dem auch die Versammlungen stattfanden), der Wohnsiedlung und des Liturgischen nieder, der Tempelanlagen also, wie es in Athener Kolonien üblich war. Das anfangs aus Holz erbaute Theater wurde spätestens im 4. Jahrhundert v. Chr. in Stein neu errichtet. Kennzeichnend war aber vor allem die typische Akropolis. War Lemnos vor 450 v. Chr. noch mit 9 Talenten als Beitrag zum Attischen Seebund veranlagt worden, so lagen nach der Ansiedlung der atischen Kleruchen um 450 die Beiträge für Myrina bei eineinhalb Talenten, für Hephaistia bei drei.

Aufgrund ihrer strategisch zentralen Lage kämpften die Athener und der makedonische König Philipp um Limnos, das einen bedeutenden Teil der Athener Streitmacht stellte. Julius Beloch rechnet mit 3.000 „Bürgern“ auf Lemnos. Ab der hellenistischen Epoche teilte die Insel das Schicksal des übrigen Griechenland.

Im Jahr 197 v. Chr. erklärte Rom die Insel für frei, doch 166 v. Chr. kam sie unter athenische Herrschaft. Erst als ganz Griechenland römisch wurde, kam auch Lemnos unter die Herrschaft Roms. Mit der Reichsteilung von 395 gelangte die Insel an Ostrom. In byzantinischer Zeit wurde sie zunächst in das Thema Griechenland und später in das Thema der Ägäis eingegliedert. Limnos war ein bedeutender Flottenstützpunkt und ein Zentrum des Schiffbaus; vom 7. bis zum 11. Jahrhundert wurden dort die Kriegsschiffe des Themas gebaut.

Römerzeit, Christianisierung, Byzanz und Bildersturm, Bistum und Patriarchat

Wie mehrfach in seiner Geschichte, so wurde Lemnos auch während der Völkerwanderung von Armeen geplündert, die es auf die Metropole am Bosporus abgesehen hatten. So plünderten, wie es heißt, die Heruler, die vielfach als Teil der Goten wahrgenommen wurden, auf ihrem Zug vom Schwarzen Meer durch die Dardanellen nach Griechenland auch Lemnos im Jahr 267 oder 268, doch wurden sie bald besiegt.

Eines der wichtigen Ausfuhrgüter der Insel war neben Olivenöl und Wein die Lemnische Erde, der Heilkräfte zugeschrieben wurden.

Der Kult des Hephaistos bestand bis in die Spätantike. Spätestens im frühen 4. Jahrhundert war Hephaistia Bischofssitz, denn ein Strategius von Hephaistias (Στρατήγιος Ήφαιστίας) nahm 325 am bedeutenden Konzil von Nicaea teil. Hauptsächlich durch diese Teilnehmerlisten der Konzilien sind überhaupt die Namen von Bischöfen von der Insel Lemnos überliefert. Ein anderer Bischof der Insel, ein Silvanos, nahm im Jahr 681 an einer solchen Versammlung teil, erneut an einem anderen Konzil rund ein Jahrzehnt später. Schließlich nahm ein Bischof Johannes am Konzil von 787 teil. Bis 733 unterstand die Insel dabei der römischen Obödienz, danach dem Patriarchen von Konstantinopel. Vor 800 stieg die Insel sogar zu einem autokephalen Patriarchat auf.

Zwischen der 2. Hälfte des 5. Jahrhunderts und dem frühen 6. Jahrhundert entstand die frühchristliche Basilika von Efestia.

Aus dem späteren 8. Jahrhundert ist nur ein einziger ikonoklastischer Bischof überliefert, nämlich der nur durch die Entdeckung eines Bleisiegels im Museo Nazionale di Ravenna bekannte Anastasios. Das Siegel ist ohne menschliche Darstellung, dürfte also von einem Bischof des ersten Bildersturms (ca. 730–787) verwendet worden sein. Aus der Mitte des 9. Jahrhunderts ist ein anderes Siegel überliefert, das den Namen des Bischofs Arsenios trägt. Während des Bilderstreits wurden die Reliquien der hl. Eufemia sogar ins Meer geworfen, dann tauchten sie auf Lemnos wieder auf und wurden dort aufbewahrt, bis sie 795/796 wieder in die Hauptstadt zurückgebracht werden konnten, wo die Bilderverehrer sich durchgesetzt hatten.

Die Ägäis galt bis ins 10. Jahrhundert hinein keinesfalls als gesichert byzantinisches Gewässer. Dem zum Islam konvertierten Leon von Tripolis war es im Jahr 904 sogar gelungen, Thessaloniki mittels einer großen Flotte zu erobern und zu plündern, und noch 921/922 attackierte er die Inseln der nördlichen Ägäis, ließ Lemnos verwüsten. Doch schließlich wurde seine Flotte von der byzantinischen Seemacht unter Johannes Radenos vernichtet.

Welche Auswirkungen es auf Lemnos hatte, dass Kaiser Manuel I. Komnenos im Jahr 1171 mit Venedig brach und dessen Kaufleute in der Hauptstadt Konstantinopel gefangensetzen ließ, ist unklar. Venedig war jedenfalls entschlossen, diese unvorhersehbare Unterbindung der wichtigsten Handelswege militärisch zu ahnden. Die Flotte unter dem persönlichen Kommando des Dogen Vitale Michiel II. fuhr, während sie beständig mit dem Kaiser Unterhandlungen führte, bald in die Ägäis und überwinterte 1171/1172 auf Chios, „brandschatzte von hier aus die Umgegend.“ Doch schließlich brach eine „pestartige Seuche“ auf Chios aus. Ende März musste die Flotte nach schweren Verlusten umkehren. Während abermals Gesandte losfuhren, segelte die Flotte nach Lemnos, dann nach Lesbos, schließlich trieb sie ein Sturm nach Skyros, wo man „am 16. April die traurigsten Ostern“ beging. Nach Kretschmayr waren vielleicht noch 25 bis 30 Schiffe übrig, als die Rückkehr begann, eine Fahrt, an deren Ende der Doge ermordet wurde und Venedig einer schweren Epidemie ausgesetzt war.

Die Insel Lemnos konnte eine Art Sperrriegel für die Weiterfahrt zur byzantinischen Hauptstadt darstellen, zugleich die Ränder der Ägäis und ihre urbanen Zentren sowie die Inseln untereinander verbinden, sie lieferte wichtige Lebensmittel und auch Mannschaften für die Handels- und Kriegsflotten, sie bot Häfen und Handelskontakte, bot aber auch Organisationen auf der Insel, die mit diesen Aufgaben umzugehen verstanden und zugleich für inneren Ausgleich zu sorgen. Die „katastrophische“ Perspektive auf die Geschichte der spätbyzantinischen Inselwelt, die tatsächlich leicht marinen Attacken zum Opfer fallen konnte, unterschätzt die Resilienz und zugleich die Bedeutung der Inselwelt für die Großreiche ihrer Zeit. Doch ist die Erforschung dieser eigenständigen insularen Welt lange vernachlässigt worden, es sei denn als Anhängsel der Landmächte, später der italienischen Seemächte.

Herrschaft der Franken (1206–1278)

Im Zuge des Vierten Kreuzzugs, in dessen Verlauf die Kreuzfahrer unter Führung des venezianischen Dogen Enrico Dandolo im Jahr 1204 Konstantinopel eroberten, fand die Aufteilung des Byzantinerreiches statt. Dabei kamen drei Achtel des Reiches an die Republik Venedig – auch wenn diese Gebiete erst erobert werden sollten –, darunter eine Reihe von Inseln der Ägäis. Die Teilnehmer des Kreuzzugs teilten ihre Beute in der Folge ohne Rücksprache mit Venedig unter sich auf. Lemnos kam im Jahr 1206 als Lehen an einen Philocalo Navigaioso († 1214), der, wie die meisten der Gefolgsleute des inzwischen gestorbenen Dogen Enrico Dandolo, nicht daran dachte, seine neuen Besitztümer an die Republik abzutreten.

Bei dem neuen Herrn der Insel handelte es sich um einen Angehörigen der Familie Philokales aus der Hauptstadt Konstantinopel. In einer venezianischen Quelle erscheint er als Philocarus Navigaioso megaduca de Constantinopoli, vermutlich einer der Befehlshaber der kaiserlichen Flotte.

Nach dem Tod des Megaduca wurde die Insel aufgeteilt. Sein Sohn Leonardo erhielt die Westhälfte der Insel mit dem Herrschaftssitz Kastro, seine beiden Töchter erhielten jeweils ein Viertel. Sie residierten in Moudros und in Kotsinos, heute Dörfer mit wenigen hundert Einwohnern. Um 1220 übertrug der päpstliche Legat Giovanni Colonna die Insel an das lateinische Patriarchat von Konstantinopel, womit eine Katholisierung der Bevölkerung wohl vorgesehen war.

Leonardo, der drei Söhne hatte, beherrschte seinen Inselteil bis zu seinem Tod im Jahr 1260. Sein Sohn Paolo folgte ihm im Amt, welche Rolle die beiden anderen Söhne spielten, ist zunächst unklar. In jedem Falle kamen die drei Brüder nacheinander ums Leben, als die Byzantiner ab 1276 die Insel zurückeroberten. Als Paolo gegen 1277 im Kampf ums Leben kam, setzte seine Witwe Maria Sanudo den Kampf bis 1278 fort. Sie war eine Tochter des Angelo Sanudo, des zweiten Herzogs des Archipelagos (1227–1262). Er hatte die weiter im Süden der Ägäis gelegenen Inseln um Naxos beherrscht.

Der Eroberer der Insel im byzantinischen Auftrag war ein Italiener namens Licario, den die Byzantiner Ikarios nannten. Er hatte sich auf Euböa mit den lateinischen Herren zerstritten und diente fortan dem Paläologenkaiser Michael VIII.

Byzanz, Gattilusio, Venedig

Um 1447 war Theodor Branas Gouverneur von Lemnos (425). Am 30. Juni 1455 starb Dorino I. Gattilusio, Herr über Lesbos, Foglia Vecchia, Thasos und Lemnos; er hinterließ seinem mittleren Sohn Domenico sein schwieriges Erbe. Der jüngere Sohn Nicolò wurde Regent von Lemnos. Domenico musste akzeptieren, dass er Thasos an Mehmet II. abtreten musste, und darüber hinaus wurde der jährliche Tribut von 3000 auf 4000 Goldstücke erhöht (Lemnos kostete ihn jährlich 2325 Goldstücke). Zudem hatte sich Domenico durch seine überhebliche Art so unbeliebt gemacht, dass die Lemnier den Sultan baten, die Insel einem seiner Getreuen zu überlassen. So installierten die Osmanen Hamza als Statthalter. Kommandant der venezianischen Flotte, die die Insel eroberte, war Alvise Loredan. Einer päpstlichen Flotte war die zeitweilige Rückeroberung von 1456 bis 1458 gelungen. 1460 bis 1464 herrschte Demetrios Palaiologos auf der Insel. Doch schon 1464 war es einem Piraten namens Komnenos, der von der Morea stammte und zwei Schiffe kommandierte, gelungen, die Festung Lemnos zu besetzen. Er rief die Venezianer zu Hilfe, die rectores als Statthalter einsetzten. Auf Loredan folgte im April 1464 Orsato Giustinian, doch musste er bald fliehen, und die Osmanen setzten sich endgültig auf der Insel fest. Venedig schickte 200 stratioti auf die Insel, verstärkte die Mauern von Kokkinos und von Palaiokastro. Doch auf Dauer konnten die 6.000 Bewohner der Insel den Osmanen nicht Widerstand leisten.

Von 1464 bis 1478 war Lemnos also noch einmal venezianisch, doch 1479 eroberten die Osmanen die Insel auf Dauer. Die formale Abtretung an die Osmanen erfolgte im Vertrag von Konstantinopel.

Osmanische Zeit (1478/1479–1912), venezianische Episode (1656–1657), Prosperität

Cezayir-i Bahr-ı Sefid wurde als Eyâlet im Februar 1534 unter einem Kapudan Pascha eingerichtet. Zu dieser Provinz gehörten neben Lemnos auch Mytilene, Chios, Samos, Rhodos und Zypern.

Im 16. Jahrhundert wird ein ökonomischer Aufschwung erkennbar, der sich etwa darin zeigte, dass Lemnos damals 75 Siedlungen aufwies. Ab 1657 wurde Limnos endgültig (bis 1912) osmanisch, nachdem mehrere Tausend Mann unter Führung von Topal Mehmed Pascha die im Zusammenhang mit dem Krieg um Kreta von Venezianern am 20. August 1656 noch einmal eroberte Insel belagert und schließlich erobert hatten.

Im 14. Jahrhundert war Hephaestia bereits endgültig aufgegeben worden, dessen Rolle Kokkinos übernahm. Der Chronist Giacomo Rizzardo hatte berichtet, dass Lemnos kaum mehr 6.000 Einwohner hatte, während diese im 16. Jahrhundert auf 30.000 anstieg, eine Einwohnerzahl, die sich bis zum Venezianisch-osmanischen Krieg der Jahre 1645 bis 1669 hielt. Der Krieg zwischen Russland und dem Osmanenreich – Russland besetzte die Insel bis auf Palaiokastro – ließ nach 1770 die Bevölkerungszahl erneut einbrechen. Ende des Jahrhunderts lebten kaum mehr 10.000 Menschen dort. Die Einwohnerzahl stieg bis zur Zeit vor den Balkankriegen, also im frühen 20. Jahrhundert, wieder auf 27.000 an.

Während des Tanzimat, einer Reformperiode ab 1839, verlor der Kapudan Pascha seine Autorität an einen Generalgouverneur (muhassıl), einen Distriktchef (kaymakam) und einen Direktor (müdür); zunächst gehörten Lemnos und Bozcaada nicht zum neuen Eyalet, sondern blieben separate Distriktgouvernorate (kaymakamlık). Infolge der neuen Provinzorganisation von 1864 wurde 1867 aus Cezayir-i Bahr-ı Sefid eine Verwaltungsprovinz (vilayet).

Die Encyclopædia Britannica vermerkt in ihrer Ausgabe von 1894, dass dort 20.000 Schafe weideten, 2.000 Rinder, allerdings bestand kein Wald, so dass Holz nur aus Rumelien oder von Thasos kam. Einige Maulbeerbäume existierten, jedoch keine Olivenbäume. Die Einwohnerzahl wird mit 2.000 Türken und 20.000 Griechen angegeben. Hauptstadt war Kastro (Myrina), wo 4.000 Griechen und 800 Türken lebten, und wo auch der Bischof seinen Amtssitz hatte, der neben Lemnos für die 2.000 Bewohner der benachbarten Insel „Ai Strati“ zuständig war. Zu dieser Zeit war der gesamte Handel in griechischer Hand. Ausdrücklich vermerkt der Artikel, dass sämtliche vulkanische Aktivität erloschen sein. Anlässlich des Erlösertages am 6. August kamen sowohl ein griechischer als auch der türkische Hodscha zusammen, um die entsprechenden Zeremonien zu begehen. Dazu wurden vor Sonnenaufgang größere Mengen der heilenden Erde, die gegen schwärende Wunden und Schlangenbisse wirksam sein sollte, herbeigeholt.

Griechische Insel (ab 1912)

Im Verlauf des Ersten Balkankriegs ermöglichte die griechische Besetzung strategisch bedeutender Inseln in der Nordostägäis die Blockade der Dardanellen. AM 8. Oktober 1912 endete die osmanische Herrschaft auf der Insel. Nach Tenedos wurde Limnos zwischen dem 21. und 27. Oktober 1912 durch die griechische Flotte, unterstützt von Infanterieeinheiten, eingenommen. Zwei Versuche der türkischen Marine, die Blockade der Dardanellen zu durchbrechen, scheiterten an der griechischen Flotte, angeführt vom Panzerkreuzer Georgios Averoff unter Pavlos Koundouriotis. Der Seeschlacht von Elli vom 3. Dezemberjul. / 16. Dezember 1912greg. und der Seeschlacht von Limnos vom 5. Januarjul. / 18. Januar 1913greg. folgte eine viermonatige Kontrolle der Dardanelleneinfahrt. Damit war der Seekrieg in der Ägäis praktisch beendet. Allerdings versuchten die Briten und ihre Verbündeten gegen Konstantinopel vorzugehen, eine Invasion, die auch auf Lemnos vorbereitet wurde. Zwischen März 1915 und Januar 1916 entstanden auf der Insel entsprechende Basen. Moudros bildete dabei das Zentrum. Am 4. März 1915 brachten die Briten die Australian and New Zealand Expeditionary Force (ANZAC) nach Lemnos. In der Schlacht um die Dardanellen kamen mehr als 26.000 Australier und 7.500 Neuseeländer ums Leben. Am 22. Dezember 1915 kehrten die letzten Einheiten vom Kriegsschauplatz nach Lemnos zurück. Die Australier verlegten ihre Einheiten auf die Portianou-Halbinsel. Sie verließen die Insel am 13. Januar 1916. Seit 1998 erinnern entsprechende Veranstaltungen auf Lemnos an die Rolle der ANZAC, die Toten liegen auf dem East Moudros Military Cemetery.

Am 20. Januar 1918 erschienen die deutschen Kriegsschiffe Goeben und Breslau, doch die Breslau sank in einem Minenfeld nördlich von Lemnos, und auch die Goeben ging unter. Danach wurden die Einheiten auf Lemnos weiter verstärkt, so dass Ende Oktober 1918 allein 33 britische und 24 französische Schiffe vor Lemnos lagen. In den Gefechten des Krieges kamen auch zahlreiche Lemnier ums Leben.

Der Waffenstillstand von Moudros, der die Kriegshandlungen zwischen dem Osmanenreich und der Entente am 30. Oktober 1918 beendete, wurde auf Lemnos abgeschlossen. Bereits gemäß dem Londoner Vertrag von 1913 hatte das Osmanische Reich die Inseln in der östlichen Ägäis an Griechenland abzutreten, unter der Bedingung, dass sie nicht militärisch genutzt werden. Diese Abtretungen wurden nach dem Griechisch-Türkischen Krieg im Friedensvertrag von Lausanne 1923 bestätigt. In diesem Vertrag war die Entmilitarisierung von Lesbos, Chios, Samos und Ikaria ausdrücklich festgeschrieben, die Inseln Limnos und Samothraki blieben darin unerwähnt. Im parallel ausgehandelten Meerengenstatut wurde festgelegt, die griechischen Inseln Limnos und Samothraki sowie die türkischen Inseln Imroz, Bozcaada (Tenedos) und die Tavşan-Inseln zu entmilitarisieren.

Etwa 1600 Muslime mussten die Insel verlassen, während im Gegenzug etwa 5000 griechische Flüchtlinge aus Kleinasien auf Lemnos eine neue Heimat fanden. Sie siedelten meist in eigenen Dörfern, wie etwa im 1926 erbauten Nea Koutali, das Flüchtlinge aus Koutali in der Propontis aufnahm. Ab Januar 1920 waren zudem Flüchtlinge aus der Sowjetunion nach Lemnos gekommen. Diese rund 13.000 Menschen wurden in 1.600 Zelten untergebracht und blieben bis November 1921.

Der 1936 ausgehandelte Vertrag von Montreux regelte die Souveränität über die Meerengen zugunsten der Türkei. Das Abkommen ersetzte den Friedensvertrag von Lausanne, gestattete die Militarisierung der Meerengen ohne die Ägäisinseln zu erwähnen. Nachdem daraufhin die Türkei die Inseln Bozcaada, Gökçeada umgehend remilitarisiert hatte, folgte auch Griechenland ab 1937 mit Remilitarisierungsmaßnahmen auf Limnos. Die Türkei bezweifelte erst 1974 während der Zypernkrise die Rechtmäßigkeit der Militarisierung von Ägäisinseln besonders von Limnos und Samothraki durch Griechenland.

Britische Besetzung (Oktober 1940), deutsche Besatzung (April 1941 – Oktober 1944)

Während des Zweiten Weltkriegs, im Oktober 1940, sicherte Großbritannien der griechischen Regierung Hilfe gegen die faschistischen Staaten Italien und Deutschland zu, das 1. Bataillon des 22. Infanterieregiments wurde auf Lemnos rekrutiert. Anschließend besetzte Großbritannien mit Zustimmung der Athener Regierung Kreta und Lemnos.

Griechenland wurde nach der Besetzung 1941 in Besatzungszonen aufgeteilt. Italien besetzte Athen und den größten Teil Griechenlands, zudem die Ionischen Inseln und die Kykladen, ebenso wie den überwiegenden Teil des Festlands. Bulgarien besetzte Ostmakedonien westlich des Strymon und Westthrakien und erhielt dadurch den Zugang zur Ägäis. Das Deutsche Reich besetzte nur strategisch wichtige Gebiete, nämlich Thessaloniki und sein Hinterland bis zur jugoslawischen Grenze, den schmalen thrakischen Grenzstreifen zur Türkei, den Hafen Piräus und die Inseln Lemnos, Lesbos und Chios. Der Westteil Kretas erhielt eine deutsche Besatzung, der Ostteil eine italienische.

Die deutschen Besatzer auf Lemnos blieben vom 25. April 1941 bis zum 17. Oktober 1944; die Bedeutung der Insel lag in ihrer Nähe zu den Dardanellen. Die Besatzer errichteten einen Flugplatz und befestigten zahlreiche Orte auf der Insel; im Gegensatz zu anderen besetzten Gebieten kam es zu keinen Massakern oder Massenhinrichtungen. 1944 wurde Lemnos von griechischen und britischen Kommandos befreit.

Wolfgang Abendroth, bereits 1937 interniert, verbrachte mit dem „Bewährungsbataillon 999“ einige Zeit auf Lemnos. Er war einer von denjenigen, die nach dem Rückzugsbefehl vom August 1944 geflohen waren, um mit dem griechischen Widerstand zusammenzuarbeiten. Die Insel hatte eine hohe strategische Bedeutung in der Ostägäis, deshalb wurden auf der Insel umfangreiche Befestigungsanlagen gebaut und die Gewässer vermint.

Verwaltungsgliederung

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→ Verwaltungsgliederung von Limnos

Mit der Umsetzung der Gemeindereform nach dem Kapodistrias-Programm im Jahr 1997 war die Insel Limnos in vier Gemeinden mit insgesamt 32 Gemeindebezirken untergliedert. Zum 1. Januar 2011 führte das Kallikratis-Programm die ehemaligen Gemeinden der Insel zur neu geschaffenen Gemeinde Limnos (Dimos Limnou Δήμος Λήμνου) zusammen, Verwaltungssitz ist Myrina. Die bisherigen Gemeinden bilden Gemeindebezirke.

Gemeindebezirk griechischer Name Code Fläche (km²) Einwohner 2001 Einwohner 2011 Stadtbezirke / Ortsgemeinschaften
(Δημοτική / Τοπική Κοινότητα)
Lage
Atsiki Δημοτική Ενότητα Ατσικής 550102 134,381 2.894 2.535 Atsiki, Agios Dimitrios, Varos, Dafni, Karpasi, Katalakko, Sardes
Moudros Δημοτική Ενότητα Μούδρου 550103 185,644 4.842 3.925 Moudros, Kalliopi, Kaminia, Kondopouli, Lychna, Panagia, Plaka, Repanidi, Roussopouli, Romanou, Skandali, Fisini
Myrina Δημοτική Ενότητα Μύρινας 550101 82,631 7.488 8.006 Myrina, Thanos, Kaspakas, Kornos, Platy
Nea Koutali Δημοτική Ενότητα Νέας Κούταλης 550104 75,897 2.880 2.526 Kondias, Angariones, Kallithea, Livadichori, Nea Koutali, Pedino, Portiano, Tsimandria
Gesamt 5501 478,533 18.104 16.992

Wirtschaft und Beschäftigungsstruktur

Nach der Volkszählung von 2011 gab es auf der Insel 5.915 Beschäftigte, von denen 11,6 % im Primärsektor, also vor allem in Land- und Forstwirtschaft, sowie im Fischfang arbeiteten. 12,8 % arbeiteten im Sekundärsektor, 72,16 % (4.268) waren im Tertiärsektor beschäftigt. Die größten Arbeitgeber waren Verwaltung und Militär (24,6 %), der Handel folgte mit 11,4 %, Hotels und Restaurants mit 7,4 %.

Fünf Pfade („road georoutes“) sollen für den Kultur- und Naturtourismus die geologischen und archäologischen Sehenswürdigkeiten erschließen.

2019 übernachteten 97 % der Touristen in Hotels. Der Tourismus spielt neben dem beherrschenden Agrarsektor eine wachsende Rolle. Die Weinproduktion ist zudem von großer Bedeutung, sie bringt Sorten wie Lemnio oder Kalambaki hervor. 45 % der Weinreben stehen im Raum Aghios Dimitrios Atsikis. Käse, Fleisch und Honig sind gleichfalls von Bedeutung.

Verkehr

Limnos verfügt seit 1959 über einen Flughafen, den im Jahr 2020 knapp 111.000 Passagiere nutzten. Während im Jahr 2008 noch 3.620 Inlandsflüge registriert wurden, waren dies im Jahr 2018 nur noch 2.331; die Zahl der Passagiere sank in diesem Jahrzehnt von 52.000 auf knapp 37.000. Dabei weist das Flugaufkommen starke Schwankungen auf. Bei den internationalen Verbindungen kamen 2008 mehr als 5.500 Passagiere an, während dies zehn Jahre später rund 8.500 waren.

Bildung, Wissenschaft

Wie in ganz Griechenland, so ist auch auf Lemnos die Zahl der Kinder pro Familie, bzw. Frau rückläufig. Daher werden 2025/2026 allein 714 der 13.478 Schulen des Landes geschlossen. Noch drastischer ist die Entwicklung in Vorschulen und Kindergärten, von denen 319, bzw. 355 geschlossen werden, während 2018-2019 nur 247, bzw. 312 betroffen waren. Innerhalb dieser sieben Jahre ist die Zahl der Schüler von 1,21 Millionen um 150.000 gefallen. 2024 kamen nur 69.675 Kinder zur Welt, 1932 waren es hingegen noch 185.523. Besuchten im Herbst 2018 noch 599.406 Kinder die Grundschule, sind es nunmehr lediglich 488.018. Hatte Griechenland im Jahr 2005 noch 11,22 Millionen Einwohner, waren es 2021 nur noch 10.482.487. Schulen mit weniger als 15 Schülern werden geschlossen, was die Inseln besonders häufig trifft, und dort wiederum kleine Orte wie Thanos auf Lemnos. Nur wenige Regionen profitieren, wie etwa Kreta und die südliche Ägäis, denen die Einnahmen aus dem Tourismus zugutekommen.

Im Hauptort wurde bereits 1961 ein archäologisches Museum eröffnet.

Persönlichkeiten von Lemnos

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